Rundbrief

der

Familiengemeinschaft

GEBHARDT - PAULUS - HOFFMANN







Nr. 41 Stuttgart, Im Juni 2000

 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

INHALT:

A. Bericht vom 125. Familientag

B. Familiennachrichten

Allgemeines

Einladung zum 126. Familientag in Kornwestheim

Weihnachtsgeschenke

Kassenbericht

Geburten

Eheschließungen

Sterbefälle

Buchbesprechungen

Zum 100. Geburtstag von Helmut Paulus

Ernst Gebhardt

Predigt zum 500. Geburtstag von Johannes Brenz

Maria-Paulus-Stiftung

C. Mitteilung von Anschriften

Schlusswort

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Aufruf

Wie in den letzten Jahren möchte ich auch diesmal mit Mann und Kindern am Familientag

die Kontakte zur großen Familiengemeinschaft vertiefen.
 
 
 
 

Besonders schön wäre es natürlich, wenn gerade die Jüngeren (zu denen ich mich mit 29 Jahren noch zähle)

sichtbar Präsenz an diesem 2. Juli zeigten.
 
 
 
 

Daher liebe Vettern und Basen n-ten Grades kommt - so vorhanden - mit Mann und Kindern.

Für letztere kann -bei Bedarf- ein betreuendes Kinderprogramm eingerichtet werden.
 
 
 
 

Julia Martin (518 352 12)

















A. Bericht vom Familientag

125 gezählte Familientage: der erste war am 2. Juli 1867 in Esslingen. In Kriegszeiten gab es teilweise Treffen, die jedoch nicht gezählt wurden.

Am Sonntag, dem 11. Juli 1999 fand also unser 125. Familientag statt, wieder in Kornwestheim im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus.

Voraus ging der Gemeindegottesdienst in der Martinskirche. Die Lesung übernahm Werner Paulus aus 1. Kor. 3,5-11: "Gott hat das Gedeihen gegeben" und "einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus". Die Predigt von Herrn Pfarrer Steck war dem Werk des württembergischen Reformators Johannes Brenz gewidmet, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 500-ten Male jährt; durch seine 2. Frau zählt er auch zu den Vorfahren unserer Familienstämme 513, 516 und 518. Er liegt auf seinen Wunsch hin unter der Kanzel der Stiftskirche in Stuttgart begraben, damit er im Bedarfsfall mahnen können würde: "Ihr predigt falsch!" Pfarrer Stecks Predigt ist im Rundbrief abgedruckt.

Wie seit 40 Jahren hat dann Werner Paulus den Familientag eröffnet, die Verwandten und Freunde begrüßt und auf verschiedene Ausstellungen aufmerksam gemacht, die zu Vorfahren von uns in Beziehung stehen.

Die Besonderheit dieses Jubiläumsfamilientages wurde dadurch unterstrichen, dass Werner und Lore Paulus 40 Originalaquarelle von Jonathan Paulus (516 6) von Schmetterlingen und Orchideen in Palästina ausstellten.

Rosmarie Lauber berichtete dann über ihren Vorfahren, den Methodistenprediger und Sänger Ernst Gebhardt (512 1), anhand des Tagebuches seiner Tochter Maria, die ihn auf seiner abenteuerlichen Amerikareise im Jahre 1881 begleitet hatte. Auch dieser Vortrag ist im Rundbrief enthalten.

Es folgte das köstliche Mittagessen vom Gasthaus zum Hasen, das Eberhard Weiss abgeholt hatte. Die guten Geister in der Küche sorgten unauffällig für alles weitere, auch später beim Kaffeetrinken mit den vielen guten gespendeten Kuchen. Die Tische waren wieder weiß gedeckt und mit Blumen geschmückt. Am Werk war wieder das bewährte Team bestehend aus: Lore Paulus, Sigrid und Gerhard Struve, Ulrike Weiss und Gertrud Paulus. Es sei allen Dank gesagt!

Der Spaziergang führte wieder zum historischen Friedhof ans geschmückte Grab von Beate Paulus und zu den neu aus Korntal überführten Grabsteinen von: Dr. Immanuel Paulus (513 3), Rosa Paulus geb. Remppis (513 3), Anna Paulus geb. Hoffmann (513 1) und Maria Paulus (512 51 und 513 41)

Im Saal ergriff Werner Paulus wieder das Wort und legte offiziell sein Amt als Vorstand nieder. Wir hoffen, er kann uns noch lange mit seiner großen Erfahrung zur Verfügung stehen.

Rosmarie Lauber überreichte ihm zum Dank einen Blumentopf mit einer Orchidee und Rudolf Paulus übergab ihm zwei selbst hergestellte historische Computerbilder.

Dann berichtete Rudolf Paulus über seine Fleißarbeit: ein Familienarchiv auf CD-ROM mit Familienstammbäumen, die die Daten des Familienbuches, des Nachtrages und die Familiennachrichten aller Familien-Rundbriefe umfasst und ein Bildarchiv mit über 200 Familienbilder enthält. Diese CD-ROM, die mit Windows 95/98 läuft, kann man schon erwerben. Rudolf hat damit unser Familienunternehmen auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Trotzdem wurde die Frage erörtert, ob man einen 2. Nachtrag des Familienbuches in Buchform herausbringen sollte, (für Computermuffel oder wenn der Strom ausfällt), dieser würde aber sehr umfangreich und erforderte noch viele Angaben über den neuesten Nachkommenstand.

Die Besucherzahl stieg im Laufe des Tages auf 50 Personen, die entferntesten kamen aus der Schweiz: Vater und Sohn Lienhard aus dem Kanton Zürich. Schön war, dass unsere liebe Seniorin Gertrud Ott (Dutti) wieder dabei sein konnte. Sie empfahl den Besuch des Familientages als Heiratsmarkt, nachdem ihre Eltern sich dabei gefunden hatten und ihre Tochter Ursula ihren Mann Karl Otto Schlauch, ebenso Werner und Lore Paulus.

Grüße zum Familientag kamen von: Rosemarie und Eberhard Beutler, Dr. Walter und Heike Paulus, Magdalene Göz, Martin Ott, Günter Maisch, Line Gnann, Gudrun Wagner, Luzi und Erika Grüninger.

Ein Wunder geschah auch: nach 20 Jahren fand Gottfried Paulus wieder den Weg zum Familientag. Er brachte eine Kiste mit Büchern des Dichters Helmut Paulus (HaPe) mit, zu Gunsten der Familienkasse.

Es war insgesamt ein reichhaltiger, froher Familientag.

Eva Matthecka

Dank an Werner Paulus

Man lese im Rundbrief Nr. 40 Seite 6, spätestens da wird klar, dass Werner Paulus in aller Stille und Bescheidenheit die Rolle des Familienvaters unserer Gemeinschaft inne hatte: Wer kennt die Familie wie seine Hosentasche und ist immer bereit, Auskünfte zu geben und Zusammenhänge zu erklären? Wer nimmt durchreisende Verwandte auf und zeigt ihnen Familiensehenswürdigkeiten? Wer sammelt alle Familiennachrichten und bereitet sie fürs Blättle auf? Wer plant liebevoll die Familientage und trommelt die Familie zusammen? Das alles ist natürlich Werner Paulus unterstützt von seiner tüchtigen Lore. Mögen die Wünsche seines Großvaters Dr. Immanuel Paulus in unserer Familie weiterwirken: "seid einig, einig, einig".

Lieber Werner! Manche Berufenere sind nicht mehr da, die Dir aus dem Überblick über Dein Wirken während 40 Jahren unser aller Dank aussprechen könnten, so nimm ihn stellvertretend für viele von uns an.

Eva Matthecka

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B. Familiennachrichten

Allgemeines

Auch dieses Mal gibt es einiges aus dem Zeitraum zwischen unseren Familientagen zu berichten:

Gleich zu Anfang sei gesagt, daß über die Erstellung eines weiteren Nachtrages in Buchform das letzte Wort noch nicht gefallen ist. Um sich eine wirkliche Meinungsbildung machen zu können wäre es sehr hilfreich, wenn sich weitere Familienglieder zu dieser Sache melden würden (siehe im letzten Rundbrief Nr. 40, S. 3 ff).
Im Jahre 1999 waren Ausstellungen und Jubiläen, welche für unsere Familiengemeinschaft von Bedeutung waren besonders zahlreich. So die großen Ausstellungen zum Brenz-Jahr des Hällisch-Fränkischen Museums Schw. Hall (28.02.-24.05.) sowie des Württ. Landesmuseums Stuttgart (11.06.-03.10.). Das umfangreiche Begleitbuch dieser Ausstellungen wurde von Dr. Isabella Fehle, einer uns sehr vertrauten Museumspädagogin erstellt, welche 1992 die Beate Paulus-Ausstellung in Kornwestheim zum 150. Todestag unserer Ahnmutter erarbeitet hatte.
Im Juni fand in Weil der Stadt ein Brenz-Symposion des Vereins für Württ. Kirchengeschichte statt, begleitet von einer kleinen, doch äußerst gehaltvollen Ausstellung der Heimatgemeinde des Reformators, welche bis zum Jahresende andauerte.
Am 9. Juni 1999 wurde im Landeskirchlichen Museum Ludwigsburg die Ausstellung "Apokalypse - Entzeiterwartungen im evang. Württemberg" eröffnet, welche noch bis zum 15. Juli 2000 andauert. In dieser Ausstellung werden viele für die Familiengemeinschaft bedeutungsvolle Persönlichkeiten und Begebenheiten angesprochen. Ein Besuch der Friedenskirche in Ludwigsburg lohnt sich sehr. - Doch auch in anderen Kommunen wurden zur (bürgerlichen) Jahrtausendwende besinnliche Ausstellungen aufgebaut, so auch in Kornwestheim, doch wurde hier leider ein völlig falsches Porträt von Phil. Matth. Hahn gezeigt.
Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten anläßlich der 175. Wiederkehr der Gründung der Ev. Brüdergemeinde Wilhelmsdorf, die sich über das ganze Jahr 1999 erstreckten, wurde am 9. Juli eine umfangreiche, 167 Seiten umfassende Festschrift vorgestellt. Sie zeigt das Wachstum der Gemeinde seit den schweren Gründungsjahren in eindrucksvoller Weise auf. Auch hier wurden im Juli Ausstellungen gezeigt.
Vom 11. Juni - 2. Juli zeigte die Naturschutzbund (NABU) - Ortsgruppe Oberndorf/Sulz in der Kreissparkasse Sulz am Neckar eine Ausstellung anläßlich des 100. Geburtstages des NABU mit dem Titel "Lina Hähnle und Jonathan Paulus - Zwei Menschen aus Sulz aktiv für die Natur". Lina Hähnle war die Gründerin des NABU. Jonathan Paulus (FN 516 6) wurde in Sulz-Hopfau geboren und war Sekretär am Deutschen Generalkonsulat in Jerusalem. Von ihm wurden 41 Aquarelle der palästinensischen Flora und Fauna gezeigt.

Am letzten Familientag konnten dank der Vermittlung von Eva Matthecka (FN 516 632) diese Bilder zum 125. Familientag allen Anwesenden gezeigt werden! Es sind hervorragende Aquarelle, 17 Orchideen- und 24 Schmetterlingsmotive, welche vor über 100 Jahren gemalt worden sind. Diese wunderschönen Gemälde fanden großes Interesse und bereicherten unseren >Jubiläumsfamilientag< sehr! Von einer weiteren bemerkenswerten Ausstellung muss ebenfalls berichtet werden: Im denkmalgeschützten Kommohaus der Gemeinde St. Johann-Würtingen wurden vom 15.-18. Oktober Bilder dreier ortsansässiger Künstler gezeigt. Einer davon war Ingeborg Oberkampf (FN 513 113). Ingeborg stellte Kinder-, Tier- und Landschaftsbilder vor, die ein ganz besonderer Blickfang der zahlreichen Besucher wurden. Besonders Ingeborgs Kinderbilder und ihre Pferdebilder strahlten eine unwahrscheinliche Lebendigkeit und seelenbezogene Natürlichkeit aus - wie sie eben nur Ingeborg entstehen lassen kann!

Auch in Onstmettingen war Jubiläum: "Zehn Jahre lebendiges Museum im Kasten" so lautete das Motto des diesjährigen >Tages der Begegnung< im Philipp-Matthäus-Hahn-Museum, welcher immer am dritten Sonntag des Oktobers stattfindet; und so lautete auch der Titel der Festschrift der Reihe >So war es in Onstmettingen< -Folge 17-, die diese Jahre in sehr anschaulicher Weise dokumentiert. Immer wieder muss es gesagt werden: dieses Museum der Albstädter Museen ist wirklich eine Perle und jeder Besuch wird einen von neuem sehr bereichern!

Am 24. November 1999 wurde der von der Stadt Kornwestheim 1989 gestiftete und mit 5000 DM dotierte Philipp-Matthäus-Hahn-Preis in einer würdigen Feierstunde zum vierten Mal verliehen. Ausgezeichnet wurde die Münchner Geologin Dr. Martina Kölbl-Ebert für ihre wissenschaftlich-historische Arbeit "Zusehen wie Gebirge entstehen - Maria Grahams Bericht über das Erdbeben in Chile 1822". Nach zwei Preisvergaben im theologisch-pietistischen Bereich 1989 und 1996 wurde Frau Martina Kölbl-Ebert nach 1993 die zweite Preisträgerin aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich.

In Filderstadt-Sielmingen wurde ein Historischer Rundweg aufgezeichnet. Unter anderem sind Gedenktafeln an der Ev. Martinskirche und am Hahn'schen Haus. Dieses ehemalige Wohnhaus der berühmten Schultheissenfamilie Ha(h)n trägt noch im Dachgiebel die Initialen des Schultheissen Hans Han mit der Jahreszahl 1587 (1587 HH). Am Sonntag, dem 26. September 1999 wurde an der Hauptstraße ein großes Denkmal, ein drei Meter hoher Sandsteinblock zum Andenken an den >Schwäbischen Geistesvater< Jörg Hahn und seiner berühmten Nachkommen eingeweiht. Auf dem Stein sind die Worte eingemeißelt: "Zum Andenken an/Jörg Hahn/Als Schultheiss zu Sielmingen/Erwähnt seit 1498/Seine Frau Agatha geborene Schwab/und ihre Nachkommen". Es folgt das Wappentier der Familie, der Hahn, und darunter sind -bis jetzt- 17 Namen berühmter Nachfahren verzeichnet. Drei Namen von Familienangehörigen sind aufgenommen: Philipp Matthäus Hahn, Beate Paulus und Christoph Ulrich Hahn.

Das Bildungs- und Sozialwerk des Landfrauenverbandes Württemberg-Baden stellt periodisch Arbeitshilfen seinen Ortsverbänden zur Verfügung. Im letzten Sommer wurde in der betreffenden Ausgabe ein detailliertes Lebensbild mit Bild von Beate Paulus an die Basis weitergegeben.

Im Gemeindebrief der ev. Gesamtkirchengemeinde Nürtingen vom Juli 1999 ist eine Würdigung des "Predigers von Buchenwald", des Pfarrers Paul Schneider enthalten, welcher vor 60 Jahren am 18. Juli 1939 im Konzentrationslager Buchenwald umgebracht worden ist. Paul Schneider war der Schwager von Antonie Paulus geb. Dieterich (15.09.1897 - 09.03.1990, FN 513 12). Somit ist Paul Schneider ein Onkel von Arnold Paulus (FN 513 125).

Der Kornwestheimer Oberbürgermeister Ernst Fischer ist 1999 aus dem Amt geschieden. Es ist uns ein großes Bedürfnis, Herrn Oberbürgermeister i.R. Ernst Fischer für sein großes Verständnis für die Anliegen unserer Familiengemeinschaft durch viele Jahre hindurch ganz herzlich zu danken. Wir sind gewiss, dass dieses Verständnis auch zum Wohle der Stadt Kornwestheim gewesen ist. Wir wünschen Herrn Fischer viele gute Jahre im verdienten Ruhestand!

Noch ein Dank nach Kornwestheim ist geradezu überfällig: Herr Hermann Wagner pflegt und betreut in aller Stille den ehrwürdigen Alten Friedhof und damit auch das Grab von Beate Paulus. Manch frische Blumen werden von ihm an dieser Grabstätte abgelegt. Schulklassen, die zur Besichtigung kommen, wird an den Gräbern Kornwestheimer Geschichte von ihm lebendig nahe gebracht, auch die Geschichte des "Salons", die ja ein Teil der Geschichte Kornwestheims ist.

Im Berichtszeitraum ist nur ein Besuch aus dem Ausland zu vermelden: Robert Hoffmann (FN 518 2841) aus dem Staate Victoria, Australien, weilte vom 30. Oktober bis 3. November für ein paar Tage hier.

Abschließend noch ein wichtiger Hinweis: Unsere Familiengemeinschaft ist seit 1999 im Internet unter der Adresse http://home.t-online.de/home/gstst abrufbar. Wir dürften der erste Familienverband sein, der diesen Schritt unternahm und sich hier dargestellt hat. - Es wird auch zum wiederholten Male gebeten, uns E-Mail Adressen zukommen zu lassen. Dies würde die Kommunikation heutzutage sehr erleichtern!

Our family association is to be found in the internet since 1999. Please visit our site http://home.t-online.de/home/gstst and also send us email addresses of relatives. This simplifies communication. Thank you.
 
 
 
 

Werner Paulus

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Einladung zum Familientag

Wie die Jahre zuvor treffen wir uns auch in diesem Jahre wieder im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus in Kornwestheim, Kirchstraße 17, zu unserem 126. Familientag am Sonntag, den 2. Juli 2000:

9.30 Uhr Evang. Martinskirche: Gottesdienst mit Pfarrer Bernhard Brassel, Rehetobel

10.45 Uhr Ph.-M.-Hahn-Gemeindehaus: Begrüßung durch Werner Paulus

11.30 Uhr Gemeinsames Mittagessen

13.00 Uhr Gang durch Alt-Kornwestheim, Pfarrhaus und Friedhof

14.00 Uhr Arnold Paulus/Annegret Bleeser "Neues aus Indien: CARDS und die Vision 2020" Vortrag mit Dias

ab 14.30 Uhr gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen mit Berichten u. Diskussionen u.a. über den Fortgang und Weiterentwicklung unserer Familiengemeinschaft

Wie alljährlich bitten wir wiederum um Kuchenspenden. Wir hoffen und wünschen, dass diesem Familientag wegen seinen interessanten Themen und seinen wichtigen Diskussionen und Entscheidungen ein reger Besuch zuteil wird!

Familienwanderung im Herbst 2000

Es ist definitiv vorgesehen diese Wanderung im Raume Baiersbronn/ Klosterreichenbach durchzuführen. Klosterreichenbach hat eine alte romanische Bausubstanz und steht unter Denkmalschutz. Im Augenblick kann jedoch noch kein Termin genannt werden. Möglicherweise kann dieser am Familientag festgelegt werden.

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Weihnachtsgeschenke

Zugegeben, es ist noch etwas früh, jetzt schon an Weihnachtsgeschenke zu denken. Aber es bietet sich die Gelegenheit, auf dem Familientag ein Buch und/oder einen Kalender zur Familiengeschichte zu zu bestellen. In beiden Fällen geht es nicht darum, wissenschaftliche Entdeckungen in der trockenen Sprache der Wissenschaft der Öffentlichkeit vorzustellen. Vielmehr sollen sie das Interesse der jüngeren Generation an der Familie wecken. Der Preis ist so kalkuliert, dass neben den Selbstkosten (u. a. Vervielfältigung und Porto) einige Euro an die Maria-Paulus-Stiftung gehen.

Als Erstes wird ein "Kalender für das Jahr 2001 zur Geschichte der Familien Gebhardt-Hoffmann-Paulus" angeboten. Er ist im Format DIN A4 und enthält für jeden Monat ein Bild zur Familiengeschichte. Neben dem Porträt der Beate Paulus geb. Hahn enthält der Kalender u. a. ein Bild von der mechanischen Rechenmaschine von Philipp Matthäus Hahn, ein Aquarell der Tempelkolonie Haifa um 1865 und eine Miniatur des Korntalgründers Gottlieb Wilhelm Hoffmann in Farbe. Als Schwarz-weiß Bilder sind u. a. Porträts von bedeutenderen Familienmitgliedern wie dem in den USA führenden Geologen August Hermann Bucher und eine Fotografie vom Familientag 1934 aufgenommen. Eine Seite Text erläutert die einzelnen Bilder. Dieser Kalender kostet 25.--DM pro Stück. Er kann aber auch als Zip-Diskette (21 MB Speicherplatz und Softwaresystem WINWORD 97) zum gleichen Preis erworben werden, damit auf dem eigenen PC mehrere Exemplare erstellt werden können, die an mehrere Familienangehörige verteilt werden.

Das zweite Weihnachtsgeschenk ist eine "Kurze Geschichte der Familie Hoffmann/Paulus". Sie wird voraussichtlich etwa 150 Seiten DIN A5 dick werden. In diesem Buch sind 10 Fotografien und 9 Stammbäume enthalten. Es soll in deutscher und englischer Sprache noch vor Weihnachten erscheinen. In diesem Werk wird die Geschichte der Familien Paulus und Hoffmann in ihren großen Stationen nachgezeichnet. Einzelne Kapitel handeln von dem Aufstieg der Familie Paulus im 17. Und 18, Jahrhundert, vom Wappen der Familie Paulus, vom schorndorfer Hofrat, von Beate Paulus geborene Hahn und der Salonschule, vom Korntalgründer Gottlieb Wilhelm Hoffmann, vom Weg der Tempelgesellschaft über den Kirschenhardthof nach Israel und von dort nach Australien, von dem Sänger des Kreuzes Ernst Gebhardt und seinem Familienzweig, von der Entwicklung der Familientage, der Entstehung des Familienbuches usw.

Die Schrift soll an die Familiengeschichte heranführen. Deswegen findet man in ihm keine katalogartige Darstellung von Lebensläufen einzelner Familienangehöriger. Ja, es werden überhaupt keine kompletten Lebensläufe gegeben. Vielmehr wird versucht, die großen Linien nachzuzeichnen. Einzelne Familienangehörige erscheinen nur insoweit, als sie an dieser Entwicklung mit beigetragen haben. Auch die Stammbäume erfassen nicht alle Familienangehörigen, sondern nur diejenigen und ihrer Vorfahren, die im Text erwähnt werden. So ist der Text auch für der Familie bisher ferner Stehende leicht lesbar. Wer es dann genau wissen möchte, kann dann zum "Familienbuch Paulus" mit seinem Nachtrag, zu den Familienrundbriefen oder der in Fußnoten angegebenen Literatur greifen.

Auch dieses Werk wird als Buch oder auf ZIP-Diskette (Speicherplatz 20 MB, WINWORD 97, Bilder in TIF- und JPG-Format) angeboten. Die Kalkulation des Preises ist noch nicht abgeschlossen. Der Preis wird aber bis zum Familientag vorliegen. Es wäre sehr schön, wenn sich viele Familienangehörige dazu entschließen könnten, das Werk nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kinder und Enkel zu erwerben.

Rudolf Paulus (FN 513 384) Herrengarten 10 D-56841 Traben-Trarbach e-mail: RuPaulus@VR-Web.de
 

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Kassenbericht zum 31. Dezember 1999

   

Guthaben auf Girokonto per 31.12.1998

DM

1.341,10

Kassenstand per 31.12.1998 

DM

0,00

Sparbuchstand per 31.12.1998

DM

10.132,61

Summe Guthaben per 31.12.1998

DM

11.473,71


 

Einnahmen in 1999

Beiträge

DM

1.456,38

Verkauf von Büchern

DM

35,00

Zinserträge

DM

265,25

Sonstige Einnahmen

DM

220,00

Summe Einnahmen

DM

1.976,63


 

Ausgaben

Kontoführungsgebühr

DM

62,60

Rundbrief 1999

DM

422,90

Porti

DM

480,50

Summe Ausgaben

DM

966,00

Einnahmen ./. Ausgaben in 1999

DM

1.010,63


 



 

Guthaben auf Girokonto per 31.12.1999

DM

2.086,48

Kassenstand per 31.12.1999

DM

0,00

Sparbuchstand per 31.12.1999

DM

10.397,86

Summe Guthaben per 31.12.1999

DM

12.484,34


 

Der Kontostand in Australien betrug am Jahresende 1999 AUS$ 1.962,19.
 
 

Die Konten der Familienkasse:

Deutschland und United States of America:

Eberhard Weiss, Agnesstr. 1, D-70597 Stuttgart
Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01) Nr. 7 441 600
Australien:
Werner Struve, 10 Barry Street, Moorabbin, Victoria 3189
ANZ Bentleigh Progress-Savings Account No. 5871-79248



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Geburten

6.11.1999 Andreas Erich Hoffmann (518 272 13), Sydney NSW Australien Eltern: Christoph und Jenny Hoffmann

19.03.2000 Maxim Julian Glaab (512 183 213), Augsburg Eltern: Christiane Lauber und Holger Glaab
 
 
 

Eheschließungen

20.03. 1999 Sydney, Beate Hoffmann (518 272 3) & Michael Kuerschner

29.05. 1999 Zürich, Sebastian Grüninger (512 154 23) & Carol Wittwer

29.04. 2000 Melbourne, Jon Breisch (518 243 11) & Phuong Luong
 
 

Herzlichen Glückwunsch!

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  Sterbefälle



Adolf Binder (513 255)

* Tieringen (Heuberg), 10. Januar 1911 † Göppingen, 17. Juni 1999

Pfarrer Adolf Binder hatte einen sehr bewegten Lebenslauf mit einer harten und entsagungsreichen Kindheit. Aufgewachsen mit fünf Geschwistern verlor er den Vater, Stadtpfarrer in Geislingen a.d. Steige, bereits mit neun Jahren. Er kam nach Korntal zu seinen Paten und durchlief alsdann die württ. Seminare in Maulbronn und Blaubeuren, studierte am Tübinger Stift Theologie sowie ein Sem­ester in Berlin. 1933 erfolgte das erste Examen und 1940 die zweite Dienstprüfung.
 Die sieben dazwischen liegenden Wanderjahre der Un­ständigkeit gestalteten sich als wirkliche Wanderjahre: nicht weniger als zwölf Pfarrgemeinden hatte Adolf als Vikar oder Pfarrverweser zu betreuen! Dies war die Zeit des Kirchenkampfes. Er hatte sich als Anhänger der "Bekennenden Kirche" gegen die Verfälschungen der wahren Lehre durch die "Deutschen Christen" des Reichsbischofs Müller zur Wehr zu setzen. Bedeutungsvoll wurde für ihn auch die einjährige Vikarszeit in Belgrad. In diesem ethnischen Schmelztiegel kamen Kontakte und Auseinandersetzungen mit der Orthodoxie und des Juden­tums hinzu.
 Nach dem zweiten Examen erfolge die Einberufung zur Wehrmacht und, während des 2. Weltkrieges die Eheschliessung. Nach Rückkehr aus engl. Kriegsgefangenschaft 1945 konnte die wirkliche Pfarrers- und Seelsorgerzeit beginnen, die ihn in die Kirchengemeinden Calmbach, Lomersheim, Zell u. A. und Hattenhofen führte.

Seine und seiner Familie eigentliche Heimat wurde Zell u. Aichelberg. Hier weilte er 44 Jahre bis zu seinem Tode, mehr als 20 Jahre davon als Ortsgeistlicher. Die Pfarrersfamilie Binder konnte in dieser langen Zeit viel für die kirchliche aber auch für die weltliche Gemeinde leisten. Hier hat sich Adolf auch schriftstellerisch eingesetzt. Nach der Renovierung der Zeller Martinskirche mit der Freilegung sehr alter Fresken hat er einen Kirchenführer erarbeitet. Viele Jahre beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte Zells unter dem Aichelberg. Das Ergebnis ist ein Buch über den Zeller Stab geworden.

Adolf Binder war ein treuer Familientagsbesucher und er hat unsere Familientage oft und sehr gerne mit einer tiefgründigen Andacht eingeleitet. Mit vielen Diskussionsbeiträgen hat er unsere Zusammenkünfte durch eine lange Zeitspanne hindurch sehr bereichert.
"Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht was er dir Gutes getan hat". Dieser 103. Psalm wurde ihm seit den Kindertagen im Geislinger Elternhaus zum Leitstern und zum Tröster durch ein langes Leben. So hat es Adolf selbst in seinen "biographischen Notizen" anklingen lassen.

Franz-Georg Binder - Werner Paulus

Friedrich Steller (518 355)

* Sarona/Palästina, 21. März 1908 † Stuttgart, 25. November 1999

Mein Vater, Fritz Steller, hat seinen Lebenslauf kurz, wie folgt, skizziert:
 "Am 21. März 1908 wurde ich in der Tempelkolonie Sarona bei Jaffa, Palästina, als fünfter und jüngster Sohn von Heinrich Steller und Rosine (Rösle), geb. Glenk, geboren.
 Aufgewachsen bin ich in der landwirtschaftlichen Kolonie Wilhelma, wo mein Vater einen Orangengarten angelegt hatte.

Während des Ersten Weltkrieges wurden wir Palästinadeutschen der Südkolonien für vier Jahre in Heluan in Ägypten interniert. Die Pyramiden und die Sphinx waren in der Nähe.

Nach meiner Schulzeit lernte ich das Bauhandwerk. Erst arbeitete ich acht Jahre lang in Palästina auf Baustellen und erwarb mir dabei breite Kenntnisse im Praktischen, daran anschließend absolvierte ich die Technische Hochschule in Lemgo in Westfalen und schloss dort mein Studium als Architekt und Ingenieur für Tiefbau ab.
Wiederum zurück in Palästina baute ich als selbständiger Unternehmer Wohnhäuser und den Wasserturm in Wilhelma. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg war auch noch die Sanierung/Renovierung der Grabeskirche in Jerusalem meine Aufgabe. Zum Kriegseinsatz musste ich dann per Stel­lungs­befehl nach Deutschland. Dort heiratete ich 1941 in Stuttgart Liesel Weiss aus der Tempelgemeinde Jerusalem. Als Soldat war ich drei Jahre lang im Krieg, auch an der Ostfront. Ich kam vor Kriegsende wegen Lungen-TBC ins Lazarett nach Kempten im Allgäu.

Meine Frau wohnte während des Krieges in Stuttgart, wo unsere beiden Söhne Günther (1942) und Rolf (1944) geboren wurden. Sie musste Stuttgart 1944 wegen der Bombenangriffe verlassen und hatte mit den beiden Kleinen in Tailfingen auf der Alb, dem heutigen Albstadt, Zuflucht finden können.

Bei Kriegsende konnte ich auf dem Bauamt der Stadt Tailfingen eine Anstellung finden, wo es meine Aufgabe war, Planungen und Aufsicht auszuführen im Wohnungsbau, Bau von Pumpstation und Quellfassung, sowie bei Erd- und Straßenbauten.

In Tailfingen wurden dann auch unsere weiteren Kinder geboren: Lore (1946), Manfred (1948), Heinrich (Jan. 1951) und Waltraud (Dez. 1951).

Zum Lebensbild meines Vaters: Sein Wesen war vom Sinn fürs Praktische, Nützliche und Solide geprägt, wobei er selbst mit großer Geschicklichkeit, mit Erfindergeist, Fleiß und Zielstrebigkeit werkte und schaffte.

Anfang der 60er-Jahre baute er in fast völliger Eigenarbeit in seinen Feierabendstunden ein Eigenheim für die Familie unter eifriger Mithilfe von uns vier Kindern.

Mein Vater musste im Laufe der Jahre den Tod von vier seiner Kinder verschmerzen, aber er hatte immer wieder die Kraft, positiv zu denken und vorwärts zu schauen.

Nach dem Tode unserer Mutter 1990 war er im Hause allein, pendelte zwischen Tailfingen und Esslingen, und zog bald ganz zu uns nach Esslingen, wo er sich zu Hause fühlen konnte; er hatte ja in den Jahren zuvor auch hier mit seinem Schaffen bewirkt, dass unser Haus eine gründliche Renovierung erhalten hatte.

Zweieinhalb Jahre später (1993) entschloss er sich, ins Lothar-Christmann-Haus in Stuttgart-Degerloch zu ziehen. Dort waren manche älteren Templer, mit denen er seit seiner Kindheit in Palästina gut bekannt und vertraut war.

Seine Lebensfreude kam in seiner Liebe zur - auch selbst gespielten - Musik zum Ausdruck und in seiner Bewunderung der vielfältigen Naturvorkommnisse und der darin verborgenen Schöpfungskraft.

Am 25. November 1999 durfte er nach zweiwöchiger Bettlägerigkeit still und friedlich einschlafen.
 

Lore Paulus

Kurt Steller

* Wilhelma, 30. Mai 1925 † Oakville, 15. Dezember 1999

Kurt Steller, Neffe von Friedrich Steller (518 355), war im australischen Staat New South Wales -NSW- Bauunternehmer.
 Aufgewachsen in Palästina (und zwar in der deutschen Templerkolonie Wilhelma), wurde er 1941 während des Zweiten Weltkrieges, sechzehnjährig, mit einem großen Transport internierter Deutschen von den britischen Mandatsbehörden auf der "Queen Elizabeth" nach Australien verbracht und im Lager Tatura im Staate Victoria interniert. Im Lager konnte Kurt seine Schulkenntnisse vervollkommnen und das (deutsche) Abitur ablegen. Nach der Auflösung des Internierungslagers 1947 konnten die Deutschen nicht mehr in ihre palästinensischen Heimatsiedlungen zurückkehren. Daher suchte er in Melbourne Arbeit zu bekommen, was ihm auch gelang.
 Nach einiger Zeit jedoch verzog Kurt nach NSW in die Sydneyer Gegend, wo er sich alsdann niederließ und sich als Bauunternehmer betätigte. Am 1. Oktober 1989 verheiratete er sich in zweiter Ehe mit Johanna (Hanni) geb. Gohl, deren erster Mann, Ernst Hoffmann (518 272), am 23. April 1987 verstorben war. Die zehnjährige Ehe war für beide Ehepartner sehr glücklich. Doch im März 1995 begann eine vierjährige Krankenzeit, denn Kurt bekam den ersten Herzinfarkt, welcher so stark war, dass sich trotz intensiver Krankenhausbehandlung eine Gehirnblutung einstellte und er fünf Monate in der Intensivstation verweilen musste. Langsam, sehr langsam, besserten sich die eklatanten Ausfallerscheinungen. Doch 1998 ereilte ihn der zweite Herzanfall, dem 1999 eine sehr heftige dritte Herzattacke folgte, der er, wahrscheinlich ohne selbst noch Schmerzen zu verspüren, in den Armen seiner Frau Hanni erlegen ist. Kurt hinterließ drei Töchter mit ihren Familien und drei Stiefkinder ebenfalls mit Familien.

Werner Paulus

Walter und Elisabeth Lienhard-Frauenknecht (512 1312)

Walter * Luzern, 24.März 1927 † Luzern, 27.11.99
Elisabeth * Zürich, 15.Juli 1922 † Luzern, 23.10.99

Seine Jugend verlebte Walter, ein Cousin zweiten Grades von mir, zusammen mit den Geschwistern Erika (genannt Heidi) und Ernst in Luzern. Nach der Schul- und Studienzeit, während der er sich zum Sozialpädagogen ausbilden liess, fand er in Zürich eine Anstellung im kirchlichen Sozialdienst, die er bis zu seiner Pensionierung beibehielt. Dort verheiratete er sich am 12. Juli 1954 mit Elisabeth Frauenknecht.
Walter hatte unsere Eltern wiederholt in Abtwil besucht, aber ich sah ihn dort so gut wie nie. Erst in Zürich bekamen wir etwas näheren Kontakt, da er in unserer Gemeinde ein Männerheim für Obdachlose zu betreuen hatte. Wenn man ihn antraf, war er immer gut gelaunt, obwohl er seit Jahren an Zuckerkrankheit litt und Elisabeth nach einer missglückten Fußoperation immer gehbehinderter wurde, bis sie schließlich ganz auf den Rollstuhl angewiesen war. Natürlich schränkte dies beider Lebensqualität empfindlich ein.
Da sie keinen eigenen Nachwuchs bekamen, adoptierten sie die beiden Kinder Markus und Regula. Es war für sie ein sehr großer Kummer und hat sicher an ihrer Gesundheit gezehrt, dass Regula schon während der Pubertät ins Drogenmilieu abrutschte und trotz aller Rettungsversuche nie mehr davon loskam, bis sie schließlich noch sehr jung an den Folgen ihres unsteten Lebens starb.
Nach seiner Pensionierung kehrte Walter in sein Elternhaus nach Luzern zurück, in das Elisabeth schon einige Jahre zuvor eingezogen war, weil die Zürcherwohnung nicht rollstuhlgängig war. Wir trafen uns noch hie und da in Walenstadt, wenn die beiden auf der Heimreise von einer Bibelwoche aus dem Bündnerland zurückkehrten. Diese jährlichen Erholungswochen, sowie die monatliche Zusammenkunft mit Ehepaaren, bestehend aus je einem gesunden und einem invaliden Partner in Zürich, brachten den Beiden Abwechslung und Freude. Walter hatte daneben noch die Möglichkeit, an der Seniorenbühne Luzern mitzuspielen, die zu den verschiedensten Anlässen aufgeboten wird.
Im letzten Sommer erkrankte Elisabeth so sehr, dass sie nach dem Spitalaufenthalt in ein Pflegeheim verbracht werden musste, in dem sie dann am 23. Oktober überraschend starb. Der Abschied von seiner geliebten Frau war für Walter offensichtlich so schmerzlich, dass er ihr nur fünf Wochen später, am 27.November, nach einem Herzinfarkt nachfolgte.

Erika Grüninger-Brassel

Helga Uhlherr geb. Hoffmann (518 285)

* Jerusalem, 21. November 1938 † Melbourne, 8. Januar 2000

Helga Beate Uhlherr war mit Prof. Dr. Peter Uhlherr verheiratet. Zwei Kinder, Ingrid und Alfred, wurden dem Ehepaar in 36jähriger glücklicher Ehe geschenkt. Leider kann nicht viel über Helgas Lebensweg gesagt werden, da die Entfernungen eben doch zu groß sind. Doch, ganz sicher, haben viele Verwandte diesseits des Ozeans in der schweren Zeit ihres Krankenlagers um sie gebangt und für sie gehofft. Daher sei nachstehend der Nachruf der Schriftleiterin des "Templer Record" -Nr. 614 v. Febr. 2000-, Herta Uhlherr, der Monatsschrift der Temple Society Australia, wiedergegeben:
"Helga was proud to be part of the Hoffmann family and felt a responsibility to live up to the name of our founder, her great-grandfather. When able to, she served the Temple Society in various ways, e.g. by writing the birthday cards for senior Templers for several years.
More especially, however, the TSA has reason to be grateful that Helga put her remarkable translating skills at its service. In 1979 she translated the Templer hymn. From 1997, encouraged by Eva Morna Kortschak, she worked on translating hymns for the new Templer hymnbook, often filling in gaps where verses we wanted were not available yet.
Translating poetry or songs is particularly difficult: you have to get the metre and the number of syllables right, find words that rhyme and render the true meaning. Sometimes this is just not possible, but Helga had a gift for getting closer than anyone else. 1 remember her and Morna`s triumph when, after weeks of frustration, they finally found a way to begin `Geh aus mein Herz und suche Freud` in English.
Helga was part of the translating/proofreading team for Dr. Sauer`s large, historical book >The Holy Land Called<, and Peter Lange`s >Templer Handbook<. She helped me give the final polish to >The Temple Society and its Settlements in the Holy Land (Occident und Orient)<. She translated the Sauer lecture which became the grey booklet >A brief Historical Introduction to the Temple Society<. More recently she worked with our President on the language of the Joint Statement of Australian & German Elders.
Helga was a brilliant scholar, who read widely, seeking meaning and wholeness, and was able to pass on much of what she learnt. After university, her life was punctuated by many ups and downs. The courage and perseverance with which she climbed back out of some pretty devastating lows impressed those close to her.

She was blessed with a strong union: Helga and her husband Peter cherished and protected one another through over 36 years of marriage, for better and for worse, and she was very dose to their children, Ingrid and Alfred, and to her sister, Emma Polacsek. Helga also had a wide circle of good friends.

Many people will miss her warm, wise companionship."

Werner Paulus

Hilde Gebhardt (512 181)

* Baiersbronn, 24. April 1912 † Sindelfingen, 26. Januar 2000

Meine Mutter war das einzige Kind ihrer Eltern Mathilde u. Karl Ling. Gerade vier Jahre alt, wurde ihr Vater 1916 im Ersten Weltkrieg als gefallen gemeldet. Sie ist aufgewachsen in Baiersbronn und wohnte dort zusammen mit Mutter und Großmutter in der Methodistenkapelle. Nach der Schulzeit besuchte sie eine Haushaltungsschule und Frauenarbeitsschule. Schon als junges Mädchen war sie aktiv in der Gemeinde, z.B. Gitarrenchor, Mädchenkreis etc.
1935 heiratete sie Pastor Ernst Gebhardt, ein Enkel des Sängervaters. Als Pastorenehepaar wurden sie in die Gemeinde Besenfeld/Freudenstadt berufen. Dort kamen die Tochter Elfriede und die Söhne Manfred und Erich zur Welt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Vater zum Kriegsdienst einberufen, im Sept. 1943 von Tübingen aus in Marsch gesetzt und Ende desselben Monats als vermisst bei Smolensk gemeldet. Nur durch ihren tiefen Glauben war es wohl möglich, dass sie die vielen Jahre des Wartens und vergeblichen Hoffens durchstehen konnte.
1946 erfolgte der Umzug zur Mutter nach Baiersbronn, wieder in ihr Elternhaus, die Methodistenkapelle. Drei Generationen unter einem Dach, in einer kleinen Wohnung, das gab wohl manche Konflikte. Sie nähte oft bis spät in die Nacht für ein Bekleidungsgeschäft und hatte neben dem Haushalt noch einige Harmoniumschüler. Vor allem aber setzte sie ihre Gaben in der Gemeinde ein. Sie nähte für Bazare, übernahm den Mesnerdienst (im Winter musste noch mit Holz geheizt werden). Sie war Organistin, verteilte Gemeindeblätter und Kalender, war Sonntagschultante, überhaupt für alle in der Gemeinde einfach "Tante Hilde".
1969 konnte sie mit Mutter und einem Sohn in die neu erbaute Methodistenkirche umziehen und tat dort weiter ihren Dienst, bis nach einem Herzinfarkt 1985 ihre Kräfte weniger wurden. Mit verschiedenen Pastorenfamilien lebte sie dort viele Jahre unter einem Dach. Vor allem ihre Demut, Bescheidenheit und Verschwiegenheit wurden sehr an ihr geschätzt. Mit ihrer Gebetsliste verbrachte sie täglich viel Zeit vor ihrem himmlischen Vater.
Ende Nov. 1996 entschloss sie sich ganz überraschend, bei ihrer Tochter und Schwiegersohn in Sindelfingen zu bleiben. Sie war uns eine so liebe und für alles dankbare Mutter. Mit ihrem Todestag am 26. Januar hat sie eine spürbare Lücke hinterlassen.

Elfriede Günther

Margarethe Dieterich geb. Hoffmann

* 16. Februar 1904 † 1. Februar 2000

Margarethe Dieterich war die letzte noch lebende Tochter des bedeutenden, langjährigen Ulmer Prälaten Konrad Hoffmann, welcher in sehr engagierter und pointierter Weise während des Kirchenkampfes zusammen mit dem damaligen Landesbischof Th. Wurm die Sache der "Bekennenden Kirche" in Württemberg vertreten hat. Sie war somit Enkeltochter des Berliner Oberhofpredigers Wilhelm Hoffmann und Urenkelin des Korntal-Gründers Gottlieb Wilhelm Hoffmann. Wir haben ihren in Ulm lebenden Bruder, Dr. Konrad Hoffmann, um einen kurzen Bericht zum Leben seiner Schwester gebeten:
 "In der Nacht zum 1. Februar 2000 ist Margarethe Dieterich im Alter von beinahe 96 Jahren in Oberstenfeld im Bottwartal verstorben. Die letzten 14 Jahre ihres Lebens hat sie dort alleine im Stift zugebracht.
 Früh verbunden mit Eberhard Dieterich, dem Theologiestudenten und Freund ihres Bruders (Hochzeit 1926) hat sie mit ihm ein bewegtes Leben an vielen Stationen zwischen Leipzig - Oberschlesien und mehreren Orten in Württemberg gehabt: Bildungsgang im altsprachlichen Mädchengymnasium in Stuttgart - Stellvertretung der oft leidenden Mutter, vor allem am jüngsten Bruder (dem Schreiber) - In den 20er Jahren Sekretärin am entstehenden Studentenwerk in Tübingen. Teilnehmend an den Bildungsströmen und sozialen Fragen der Zeit (Tillich)- mit ihrem Mann in der sozialistischen Arbeiterbewegung, unbürgerlich in einer Bildungs-Wohngemeinschaft in Leipzig, später auf dem Habertshof bei Schlüchtern (Jugendbewegung Neuwerk) und in Peterswaldau in Oberschlesien. Beide haben den Nachkriegs-Freundeskreis Habertshof geleitet. Im Jahre 1933 wurden sie schnell aus ihrer Arbeit vertrieben.

Kennzeichnend für die Mutter von fünf Kindern war: In den vielen Heimen war sie an deren Gemeinschaft immer ganz engagiert. Ein Beispiel die Wiederbelebung der Urspringschule bei Schelklingen, Evang. Landschulheim 1946, wo sie mit klarem Gespür für die nicht einfachen einzelnen Glieder der gewürfelten "Nachkriegs-Gesellschaft", alt und jung, sorgte und schuftete. Eberhard musste dort den inneren Zwisten weichen "sie hätte man schon gerne behalten". So auch ihr Einsatz in den Gemeinden und an den Wohnorten in der späteren Zeit, zuletzt im Stift Oberstenfeld und in dem dortigen "Goldenen Herbst".

Ihre geistige Lebendigkeit behielt sie fast bis auf den letzten Tag und ihr mit-fühlendes und mit-leidendes Leben für andere galt ebenso lange ihren zahlreichen Kindern, Enkeln und Urenkeln."

Konrad Hoffmann

Gertrud Ott (516 73)

* Alpirsbach, 9. Mai 1907 † Tübingen, 6. Februar 2000

Gertrud ("Dutti") Ott, unsere Seniorin, war die letzte noch lebende Tochter des Pfarrerehepaares Philipp Wilhelm ("Sirr") Paulus und Johanna geb. Großmann, somit auch Schwester des Dichters Helmut Paulus. Sie heiratete 1930 in Urach den Theologen Friedrich Martin Ott, welcher ihr nach 63 glücklichen Ehejahren 1993 im Tode voraus gegangen war (s. Rundbrief Nr. 35/1994). Fünf Kinder wurden dem Paar geschenkt.
Lebensstationen von Gertrud Ott waren die Pfarreien Essingen ab 1930 und Reichenbach a.d. Fils ab 1949, sodann ab 1958 Tübingen, wo Fritz bis 1967 als Geistlicher an den Kliniken wirkte. Den Ruhestand verbrachte das Paar bis zum Heimgang von Fritz in Reutlingen. 1994 zog Dutti nach Tübingen-Pfrondorf zu ihrer Tochter Magdalene Göz.
Gertrud Ott wurde nicht nur von uns allen, sondern von vielen, vielen Menschen geschätzt, geehrt und geliebt. Ein kleiner Ausdruck dafür war die große Schar, welche ihr auf ihrem letzten irdischen Gang auf dem Reutlinger Friedhof unter den Linden gefolgt ist. Der Ansprache des Pfrondorfer Ortsgeistlichen lag das Paulus-Wort an die Korinther zu Grunde: "Der Herr ist Geist: wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit". Er sagte u.a.: "Wenn wir nun Abschied von Gertrud Ott nehmen, darf sie uns noch einmal vor Augen stehen. Und ich vermute, dass die meisten nun das Gesicht der Mutter, Groß- und Urgroßmutter, der Tante, Freundin, der ehemaligen Pfarrfrau, der alten -geistig jungen- Dame vor Augen haben: freundlich, liebevolle Aufmerksamkeit, wache Zuwendung, oft auch ein Lächeln, das von Lebensfreude erzählte, mag uns da anschauen. Vielleicht hören wir sie auch erzählen bis zum Schluss engagiert, immer ganz dabei, ergriffen von Menschen und deren Geschick, in Sorge oder Freude um ihre Familie, um Freundinnen und Bekannte. Auch nachdenklich und fragend, immer wieder auf der Suche nach Antworten auf das Leben und zugleich von Vertrauen getragen, im Gespräch mit Gott kann sie in unserer Erinnerung aufleuchten! Das Leben heißt: in Bewegung sein, das lebte Gertrud Ott mit ihrer Familie, mit ihrem großen Freundeskreis und in den Kirchengemeinden, in denen sie zu Hause war".
So war unsere Dutti. Sie gab uns allen aus ihrem reichen inneren Lebensschatz Aufmunterung, Hilfen und Wegleitungen.

Werner Paulus

Beate Schilde verw. von der Wettern geb. Hoffmann (518 324 - 518 234)

* Jerusalem, 11. August 1914 † Köln, 23. März 2000

Am 23. März 2000 ist Beate Klara Maria Schilde, genannt Habbel, in Köln verstorben. Sie war bis etwa vor einem halben Jahr körperlich und geistig so gut daran, dass man ihre 85 Jahre nicht anmerkte. Sie besorgte nicht nur ihren kleinen Haushalt ohne Hilfe, sondern interessierte sich für vieles, nahm am Leben anderer Anteil, unternahm auch noch manches, zum Beispiel immer wieder Reisen von Köln zu den Verwandten nach Stuttgart - auch wenn sich eine zunehmende Vergesslichkeit bemerkbar machte. In den letzten Wochen steigerte sich das zu Momenten und dann Phasen der Verwirrung - sie hätte nicht länger selbständig leben können. Fünf Tage vor ihrem Tod wurde sie, wohl nach einem Sturz, s Krankenhaus gebracht, verlor nach zwei Tagen das Bewusstsein und wachte nicht wieder auf. Sie durfte gehen genau in dem Moment, in dem das Leben ihr zu Last zu werden drohte.

Habbel - ich gebrauche im folgenden den Spitznamen, weil kaum jemand ihren richtigen Namen gebrauchte - wurde am 11. August 1914 in Jerusalem geboren, als viertes von fünf Kindern von Christoph Hoffmann und seiner Frau Klara, geb Hoffmann. Beide Eltern waren Mitglieder der Tempelgesellschaft. In diese Gemeinschaft wuchs Habbel hinein und blieb ihr ein Leben lang eng verbunden. In den fünfziger Jahren fanden bei ihr im Hause religiöse Zusammenkünfte der im Raum Köln lebenden Mitglieder statt. Auch der enge Zusammenhalt mit vielen Verwandten und Freunden, wie er in den Siedlungen entstanden war, blieb für Habbel immer wichtig, und besonders wieder in den letzten Jahren ihres Lebens.

Er war auch in Halt für die Familie, die während Habbels Jugend fast immer in irgend einer Form getrennt war. Der Vater, zuerst Filialleiter einer deutschen Bank in Tripolis, dann Direktor in Jerusalem, musste von Berufs wegen dort bleiben, während die Familie nach Kriegsausbruch 1914 in Jerusalem blieb und 1917 mit dem Heranrücken der englischen Front, nach Deutschland floh. Erst 1923 konnte die Mutter mit den Töchtern zurückkehren, aber nun blieben die zwei Söhne zur Ausbildung in Deutschland. Als sie scgließlich zurückkamen, starb 1932 plötzlich der Vater.
Habbel hätte gern Abitur gemacht, aber das war in Palästina nicht möglich, und so blieb sie in Jaffa bei der Mutter, half den deutschen Kindergarten zu führen und neben her die 7 Jahre jüngere Schwester Charlotte zu erziehen - nicht immer zu deren Freude. 1938 kam sie zum Arbeitsdienst nach Deutschland und machte anschließend eine Ausbildung als Krankenschwester. Einige Tage vor Kriegsausbruch kam die Familie nach, weil die Brüder wehrpflichtig waren.

Nach der Ausbildung arbeitete Habbel nicht oder sehr kurz in ihrem Beruf, sondern - vielleicht wegen einer schweren Krankheit die sie durchgemacht hatte - in Berlin in einer Behörde. Dort lernte sie den 16 Jahre älteren Walter von der Wettern kennen, und 1944 schlossen die beiden eine Ehe, die trotz des Altersunterschiedes und mancher Schwierigkeiten glücklich und harmonisch blieb bis zum Ende.

In den Schrecken und Wirren des Kriegsendes und der ersten Nachkriegszeit zeigte Habbel, was an Mut und Tatkraft in ihr steckte. Sie floh mit ihrem Mann per Fahrrad durch das brennende Köln, und als er sich in den letzten Wochen des dritten Reiches noch vor möglicher Verfolgung verstecken musste, brachte sie ihm nachts das Essen ins Versteck. Sie half mit beim Wiederherrichten des beschädigten Heimes, und sie sorgte mit Energie und Erfindungsreichtum dafür, dass die Familie zu essen hatte.

Und die wurde immer größer. Im Durcheinander der ersten Nachkriegsmonate fuhr Habbel nach Stuttgart, um ihre Mutter und die Schwester Charlotte mit ihrem zweijährigen Sohn zu suchen und zu sich nach Köln zu nehmen. Sie blieben bei ihr, bis sie anfangs der 50-er Jahre nach Australien auswanderten, ebenso wie Habbels beide Brüder. Trotzdem blieb der Zusammenhalt der Geschwister stark. Habbel begleitete auch von hier aus das Leben der Familien dort und besuchte sie mehrmals. Und der letzte Höhepunkt in ihrem Leben war wohl der Besuch, zu dem sie Charlotte 1994 eingeladen hatte - ein halbes Jahr vor deren Tod.

Schon Anfang der 50-er Jahre wurde Walter von der Wettern krank, eine Venenerkrankung mit inneren Blutungen, die man damals weder klar erkennen noch sinnvoll behandeln konnte. Zwischen besseren Phasen war er immer öfter und immer länger schwer leidend. Habbel pflegte ihn aufopferungsvoll bis an den Rand ihrer Kräfte, bis zu seinem Tod 1964.

Danach erlitt Habbel einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch, Reaktion wohl auf den Verlust und auf die lange Überanstrengung. Aber sie fand auch die Kraft, die Krise zu überwinden. Im Sanatorium lernte sie Hermann Schilde kennen, der aus den gleichen Gründen dort war; die gleichartige Erfahrung verband sie, und 1967 heirateten die beiden. Auch diese Ehe wurde, trotz großer charakterliche Unterschiede, harmonisch. Mit der damals schon verheirateten Stieftochter Inge Pieck entwickelte sich ein gutes Verhältnis, und Habbel freute sich an dem kleinen Enkel. Dann erkrankte Hermann Schilde an Krebs, und noch einmal pflegte Habbel einen Ehemann aufopferungsvoll. Als es zu Hause nicht mehr möglich war, ließ sie sich ein Klappbett ins Krankenhauszimmer stellen, um bei ihm zu sein, bis er 1985 starb.

Nach seinem Tod entschloss Habbel sich schnell, das Haus, in dem sie 40 Jahre gewohnt hatte, aufzugeben und in ein Heim mit betreutem Wohnen zu ziehen. Vielleicht hat sie manchmal unter der gewissen Einschränkung gelitten, die das bedeutete - gesagt hat sie es nie. Es war nicht ihre Art, etwas nachzutrauern, was anders hätte sein können. Sie hat eine gegeben Situation akzeptiert und sich bemüht, das Beste daraus zu machen. Und ich denke, im Ganzen hat sie auch diese letzte Stufe ihres Lebens bejaht. Sie, die durchaus Anlagen zur Dominanz hatte, hatte sich ein ganzes Leben lang angepasst, nicht widerwillig, sondern aus eigenem Entschluss. Aber nun tat es ihr gut, ihr eigener Herr zu sein.

Es war ein langes, schwieriges, reiches Leben, eines mit vielen, auch widersprüchlichen Facetten. Habbel war hilfsbereit ohne Rücksicht auf sich selbst - manchmal auch über das sinnvolle Maß hinaus. Sie hatte dezidierte Meinungen und sagte sie offen - das konnte erfrischend sein, aber manchmal auch verletzend. Sie hatte den Mut, Entscheidungen zu treffen und die Folgen zu akzeptieren. Sie war großzügig und temperamentvoll und hatte Humor; es machte immer Spaß, sie erzählen zu hören - auch wenn man wusste, dass man nicht ganz alles für bare Münze nehmen durfte. Ich denke, viele werden sie in lebendiger Erinnerung behalten.

Brigitte Hoffmann


 
 
 

Norman Wittenfeld (512 313)

* Collinsville, Illinois, 8. Januar 1911 † Tacoma, Washington, 24. März 2000

William Norman Wittenfeld war der Ehepartner von Paula Wittenfeld geb. Morf, der Schwester unseres lieben, unvergessenen Theodore (Ted) Ferdinand Morf, welcher am 29. März 1993 kurz nach Vollendung seines 85. Lebensjahres verstorben ist. Norman war Psychologe, Professor der Psychologie. Das Ehepaar wohnte bisher in Bremerton, ebenfalls im Staate Washington und ist erst vor ca. einem Jahr nach Tacoma umgezogen, da hier eine bessere Versorgung im Alter gewährleistet war und der Sohn Bill sowie dessen Familie auch hier lebt. Anlässlich des Todes ihres Mannes ließ uns Paula folgende Nachricht zugehen:

"I was planning to tell you of the recent death of my husband Norman. His strength had been declining in the last months of 1999 and in early February we were told his heart was failing and that there was no chance of recovery. After that he became increasingly weak and tired until his death, in his sleep, on March 24. His passing was relatively easy. He never seemed in pain and was lucid until the end. He spoke repeatedly of what a wonderful life we had had sharing 67 happy years and having such fine and devoted children. I was able to take care of him at home until the end. While I miss him surely I am comforted by the memories of the many happy times we shared."

Werner Paulus


 
 
 

Beate Paulus (513 323 - 519 123)

* Wüstenrot, 22. August 1915 † Ostfildern-Ruit, 13. April 2000

Beate hat im Juni 1998 ihren Lebensweg selbst wie folgt aufgezeichnet:
"So war mein Leben:
Ich bin 1915 geboren,als drittes Kind. Ich hatte sieben Brüder und zwei Schwestern. Zur Schule ging ich in Tübingen.
1935 Abschluss der Kindergärtnerinnenausbildung. Als solche tätig im Heim und Kindergarten.
1939-1942 als Kindergärtnerin in Berlin tätig bei drei Adoptivkindern in einer Familie. 1940 wurden dem sechsjährigen Jungen beide Füße amputiert, da er und andere, Opfer eines Zugunglücks wurde. Der Unter­richt, den ich auf Bitten der Mutter übernahm, gestaltete sich sehr schwierig. Zu Weihnachten machte ich Handpuppen für ihn aus der Ar­mut des Krieges heraus. Zu meinem eigenen Erstaunen hatte ich das Mittel für uns gefunden. Ich nahm staunend wahr, welch große Möglich­keit mit diesen Puppen mir gegeben sind. Erst langsam wurde mir voll bewusst, wie Erziehen - Trösten - Lernen mit ihnen wesentlich fröhlicher und leichter möglich ist. Dies bei dem kranken Bub wie bei seinen gesunden Geschwistern.
Diese Erfahrung ließ mich nie mehr los und beeinflusste mein Leben weit mehr als ich damals ahnte. Denn in allen weiteren Stationen mei­nes Lebens waren immer die Puppen hilfreich dabei.

1942 ging ich zurück, nach Esslingen, wo die Eltern nach Vaters vorzeitig krankheitshalber vollzogener Pensionierung lebten. Mai 1945 durfte Vater heimgehen.

1949 starb die Frau meines Onkels Peter Eduard Paulus, Buchhändler in Esslingen. Nach einem Jahr bat er mich, zu Mutters Haushalt auch seinen mit zu übernehmen, neben meiner beruflichen Tätigkeit in Hauspflegen. Denn inzwischen arbeitete ich nach einer Zusatzausbildung freiberuflich als Hausschwester im Raum Stuttgart-Esslingen-Nellingen.

1958 legten wir Mutters und Onkels Haushalt zusammen und zogen in der Lindenstraße 10 ein. 1959 starb Onkel. 1969 starb Mutter.

Längst waren bei allen Hauspflegen die Puppen wichtige Mitarbeiter. Neben dem eigenen Spiel wurde die Sache des Puppenspiels wichtig in meinem Leben.

Ab 1953 entwickelten sich die "Ruiter Puppenspielertreffen" in der Sport- und Jugendleiterschule. In zweijährigem Rhythmus kamen 300-400 Amateur- und Berufsspieler, tauschten ihre Erfahrungen aus und spiel­ten sich gegenseitig vor. 1981 gab ich die Verantwortung für diese Großveranstaltung an Jüngere ab.

Beruflich machte ich mein letztes Examen mit großem Vergnügen. Noch einmal richtig "lernend fragen zu dürfen" genoss ich sehr bewusst. Ich arbeitete von da ab bis 1977 als verantwortliche Nachtwache im Esslinger Krankenhaus.

Mit dem Eintritt in den Ruhestand schloss ich die pflegerische Arbeit ab, nicht die des "Puppenspiels". Fünf Jahre lang spielte ich mit Stabmarionetten auf der Pflegestation im Samariterstift zusammen mit Gretel Gustorff, danach mit Pfarrvikar Gottfried Engele drei Jahre lang für die neue Gemeinde im Scharnhauser Park.

Mitte Februar 1993 wechselte ich von der Lindenstraße 10 in eine altengerechte Wohnung, Robert-Koch-Str.87/1. Meine geliebten Handpuppen haben mich nach dort begleitet. Ich wurde wieder Handpuppenspielerin, die ich zutiefst immer geblieben war."

Auf all ihren Reisen durch Deutschland oder Osteuropa begleiteten sie ihre Handpuppen. Sie durfte ruhig und getrost nach mehreren Schlaganfällen heimgehen.

Wir haben Beate viel zu danken. Sie scheute keine Mühe Verwandte aufzusuchen und Beziehungen zu vertiefen, sei es hier gewesen oder in den U.S.A. und in Australien. Besonders haben wir ihr zu danken, wie sie Familiengeschichte interessant darstellen und weitergeben konnte.

Sie sammelte an den Familientagen der 60er Jahre die junge Generation um sich und vermittelte ihr durch selbstgefertigte Abstammungsreihen und ihr Handpuppenspiel spielerisch komplizierte Zusammenhänge der Familienver­wandt­schaften. Es wurden in Beates Wesen durch die selbstlose Hinwendung zu ihren Mitmenschen, ob jung oder alt, viele Parallelen zum Leben unser aller Ahnmutter sichtbar deren Namen sie trug.
 
 

Dr. rer. oec. Eberhard Roemer (515 312 - 556 832)
* 16. April 1922, Schlawe/Pommern † 16. April 2000, Bad Liebenzell-Monakam

Ingeborg Roemer, geb. Kahlert
* 29. März 1925, Berlin-Neukölln † 20. Juli 1999, Neuhengstett

Eberhard studierte in Nürnberg Wirtschaftswissenschaften, legte dort sein Examen 1950 ab und promovierte am Lehrstuhl für Öffentliches Recht (Prof. Dr. Wolgast) zu Dr. rer. oec.. Nach erfolgreichem Doktorexamen am 21.5.52 war Eberhard zunächst am Finanzamt in Ulm tätig, ehe er zur Strickwarenfabrik Wagner nach Calw wechselte. Dort war er als Finanzchef tätig bis zur Liquidation der Firma Wagner.
 Inge studierte Fremdsprachen und war nach ihrer Heirat 1960 Fremdsprachenkorrespondentin bei der Firma Perrot­Regnerbau in Calw bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1985.
 Da Inge und Eberhard keine Kinder hatten und somit auf keine Schulferien angewiesen waren, konnten sie ihren Interessen nachgehen und viele Nah- und Fernreisen unternehmen. Diese führten sie weit über den Mittelmeerraum hinaus, doch ihr Herz schlug am höchsten im geliebten Spanien. Bereits während der Berufstätigkeit waren Inge und Eberhard über Weihnachten und Sylvester meistens auf Teneriffa. Sobald Inge den wohlverdienten Ruhestand erreicht hatte, konnten sie ihren langgehegten Wunsch verwirklichen und sich ein Domizil auf ,ihrer` Insel suchen. So wurde Medano ihre zweite Heimat und Inge und Eberhard verbrachten jedes Jahr von Mitte Oktober bis Mitte April dort. Von ihrer herrlich gelegenen Wohnung konnten sie das Geschehen in der Bucht von Medano, einem Starkwindsurfgebiet, mitverfolgen. In jedem Jahr unternahmen sie einen längeren Abstecher auf eine der benachbarten Inseln. Die letzte große Reise war ihnen vergönnt, anlässlich Inge`s 70. Geburtstag nach Margarita zu fliegen. Hiervon erzählten sie sehr, sehr oft. Doch im gleichen Jahr, im Oktober 1995 setzte ein Schlaganfall bei Eberhard allen weiteren Reiseplänen und einem Überwintern auf der Sonneninsel Teneriffa ein abruptes Ende.

Anfänglich konnte Eberhard noch zuhause gepflegt werden und er konnte sich auch am Stock fortbewegen, doch im Sommer 1997 ereilte ihn leider ein weiterer, noch heftigerer Schlaganfall, der zur Lähmung der linken Seite führte und auch die Gedächtnisfunktion zeitweise sehr stark und manchmal ganz gering beeinträchtigte.

Im Herbst 1997 entschied sich Inge, auf mein Anraten, für Eberhard einen Platz in einem Pflegeheim zu suchen, da die häusliche Pflege sehr stark an ihren physischen und psychischen Kräften zehrte. Eberhard wurde in dem Heim in Bad Liebenzell-Monakam aufgenommen und dort sehr umsichtig gepflegt.
Bis zum Frühjahr 1998 behielt Inge ihre geliebte Wohnung in Medano, immer in der Hoffnung, vielleicht doch noch mit Eberhard mal hinfahren zu können. Aber das war unmöglich. Im März 1998 war es schließlich soweit, dass die Pforten in Medano schweren Herzens von Inge geschlossen wurden. Ihre eigenen Worte, als sie nach der Wohnungsauflösung die Türe letzlich absperrte: "ich glaubte, mir hackt einer die Finger ab". Zum Glück hatte Inge eine langjährige Freundin mit in Medano. Doch als sie zurückkam, musste sie sofort ins Krankenhaus, da sich ihr Allgemeinzustand sehr verschlechtert hatte und sie sich den Arm gebrochen hatte. Im Gespräch mit den Ärzten wurde ihre Krankheit, nämlich Leberzirrhose deutlich. Ein Zusammenhang mit Eberhards Gesundheitszustand, der Inge "ganz krank machte", ist nicht auszuschließen. Über Weihnachten 1998 ging Inge ins Krankenhaus, um sich die Schrauben aus dem Arm nehmen zu lassen. Ihr Lebensmut ist in den letzten Monaten ziemlich gesunken und es zeigte sich auch darin, als sie auf den ungewöhnlichen Aufenthaltszeitpunkt antwortete, dass sie "da wenigstens aufgehoben ist". Eine Woche vor ihrem Tod, als ich Inge und Eberhard besuchte und wir drei zum letzten Mal beim Kaffeetrinken im Heim waren, war sie von dem fortgeschrittenen Zustand der Krankheit stark gezeichnet. Am 20. Juli holte sie früh noch die Zeitung und legte sich nochmals ins Bett. Kurz danach wurde sie erlöst.
Während der folgenden Wochen ging es Eberhard gesundheitlich erstaunlich gut. Sein Geisteszustand, seine Sprechfähigkeit und sogar die Möglichkeit zu telefonieren, waren reaktiviert. Doch leider hielt dieser erfreuliche Zustand nicht sehr lange an. Zu Weihnachten war er sehr nachdenklich, ohne Appetit und lustlos. Am 10. April wurde bei ihm ein arterieller Verschluss in der Bauchschlagader festgestellt, der zu einer Nichtdurchblutung des linken, gelähmten sowie auch des rechten Beines führte. Eine Amputation war angezeigt. Nachdem Eberhard von mir über seinen Gesundheitszustand informiert wurde und ihm die Frage hinsichtlich der Amputation eines oder beider Beine gestellt wurde, antwortete er so, wie wir ihn alle kannten: "ich will kein Holzbein". Er wurde wieder vom Akutkrankenhaus in das Pflegeheim verlegt, wo er an seinem 78. Geburtstag friedlich eingeschlafen ist.

Hans-Jürgen Krauße (Patensohn von Eberhard)


 
 
 
 
 
 
 
 

Geliebte, wenn mein Geist geschieden,

So weint mir keine Tränen nach;

Denn wo ich weile, dort ist Frieden,

Dort leuchtet mir ein ew`ger Tag!

Anette von Droste-Hülshoff





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Buchbesprechungen

Von Rudolf Paulus

Herbert Leube, Familie und christliche Diakonie

Familienkreis und Nachkommenschaft von Christian Zeller und Sophie Siegfried. Sonderveröffentlichungen des Martinzellers Verband e. V. Nr. 15 1999 ISBN 3-501-01379-5. 682 Seiten

Dieses Buch ist eine Familiengeschichte der Familie des Christian Heinrich Zeller (1779-1860) und seiner Frau Charlotte Dorothee Sophie geb. Siegfried (1791-1858), die im Jahre 1820 die freiwillige Armenschullehrer und Kinderrettungsanstalt in Beuggen am Hochrhein gegründet und bis zu seinem Tode 40 Jahre lang geleitet haben. Es ist in die folgenden Teile gegliedert:

Gesellschaftliches Wirken einer christlichen Großfamilie im 19. Jahrhundert

    Familie und Berufswahl

    Das Paar Zeller-Siegfried und seine Nachkommen

    Ahnen des Paares Zeller-Siegfried und ihrer Schwiegerkinder

Im 1. Teil werden die Lebensläufe der verschiedenen Familienangehörigen im 19. Jahrhundert zusammengestellt. Sie alle, Männer wie Frauen, haben sich aus ihrem pietistischen Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft in der Sozialarbeit engagiert. Die Darstellung bringt nicht nur das Leben der Männer. Auch der Einsatz der Frauen, die ja in solchen Anstalten einen großen Teil der Verantwortung z. B. für den Haushalt, aber auch für die seelische Betreuung der anvertrauten Kinder zu übernehmen hatten, kommt nicht zu kurz. Auf Grund ihrer Vorbildung in der Jugendzeit können sie vielfältige Aufgaben bis hin zum Unterricht übernehmen. Dabei waltete bis zur Zentralisierung der Anforderungen an die schulische Ausbildung durch das Deutsche Reich nach 1870 eine große Freizügigkeit in der Ausbildung zukünftiger Lehrer. Man konnte den Schwerpunkt auf die Heranbildung von Erziehern legen, die aus christlicher Verantwortung in den Schulen wirkten, wobei man der Ansicht war, man sollte vor allem einzelne wichtige Fächer wie Religion, deutsche Sprache und Mathematik lehren. Erst die Einführung der Mittleren Reife und der Reifeprüfung mit genormten Anforderungsprofilen machte diesem ein Ende. Insofern vollzieht sich auch hier die gleiche Entwicklung wie bei der Wissenschaftlichen Bildungsanstalt der Gebrüder Paulus auf dem Salon bei Ludwigsburg, die den Schwerpunkt ihrer Ausbildung auf die Erziehung zu einem geistig interessierten Menschen legten. Das Ende der Salon-Schule kam mit der Einführung der Mittleren Reife, die nur Wert auf Wissen legte.

Der 2. Teile enthält eine statistische Auswertung der ausgeübten Berufe der Familienglieder bis in die 4. Generation. Um aus diesen Tabellen allgemeine Schlüsse ziehen zu können, werden entsprechende Auswertungen auch für andere pietistische Familien vorgelegt. Darunter ist auch die Familie Paulus-Hoffmann, beginnend mit dem Ehepaar Carl Friedrich Paulus und Beate geb. Hahn aufgeführt. Bei allen ist die gleiche Entwicklung zu beobachten. Im 19. Jahrhundert dominieren die Theologen. Missionare und Erzieher. In den späteren Generationen treten dann die medizinischen und naturwissenschaftlichen Berufe hinzu, während die althergebrachten Berufe zahlenmäßig stark abnehmen.
Seitenmäßig am umfangreichsten ist der 3. Teil. Er enthält eine Nachfahrentafel des Ehepaars Christian Heinrich Zellers und seiner Ehefrau Dorothee Sophie geb. Siegfried. Hier hat man sich erfolgreich bemüht, die über die ganze Erde verstreuten Familienangehörigen zu erfassen. So ist ein wichtiges genealogisches Nachschlagewerk entstanden.
Leider ist im 4. Teil die Zusammenstellung der Vorfahren der einzelnen Familienangehörigen nur sehr kurz geraten. Ab etwa 1600 werden die Angaben nur noch summarisch gegeben. So fehlen von Baumeister Hans Zeller im 16. Jahrhundert alle Lebensdaten. Das ist insofern bedauerlich, weil auch die Nachfahren der 3. Frau des "Korntalgründers" Gottlieb Wilhelm Hoffmann geb. Baumann von ihm abstammen (Beilage Rundbrief der Familiengemeinschaft Gebhardt-Paulus-Hoffmann Nr. 11/1970 Tabelle D). Daher ist die Ausbeute dieses Werkes für unsere Familiengeschichte gering. Es behält aber seinen Wert durch eine der Familie Paulus-Hoffmann weitgehend parallele Entwicklung.
Zu bemängeln ist die hin und wieder zu summarische Darstellung. So wird Carl Friedrich Paulus (FN 51), der Ehemann von Beate geb. Hahn, als Rationalist in der Tradition seines Vetters und Schwagers, des Orientalisten Heinrich Eberhard Gottlob Paulus mit der Begründung vorgestellt, für ihn war Jesus der große moralische Lehrer, der für seine Ideen in den Tod ging (S. 197). Ich halte ihn für in der Tradition der liberalen Theologie lebend. Das was nach herkömmlicher Meinung einen Rationalisten in der Theologie auszeichnet, nämlich der Versuch, die überlieferten Wunder als natürliche Vorgänge zu beweisen, ist bei ihm nicht zu finden. Wenn dann weiter davon die Rede ist, dass es der Energie und dem Gottvertrauen seiner Ehefrau zu verdanken sei, dass die Söhne eine gute Ausbildung erhielten, so sollte man doch als dritten Faktor auch den Einsatz der Großfamilie würdigen. Immerhin wurde fast allen Söhnen dieser Ehe in ihren entscheidenden Schuljahren von Angehörigen der Großfamilie Kost und Logis geboten. Auf Seite 199 ist dann davon die Rede, dass der Apotheker Wilhelm Paulus (FN 513) 1859 auf den Salon als Mitinhaber kam. Das ist nicht richtig. Er kaufte die Gebäude mit den Grundstücken seinem Bruder Philipp (FN 514) ab und war ihr alleiniger Besitzer.

Es gibt noch andere Stellen, in denen zu pauschal dargestellt wird. Aber trotz dieser zugegeben geringen Mängel bleibt der Wert dieses Buches als eine Familiengeschichte eines Zweiges der Familie Zeller.

Apokalypse. Endzeiterwartungen im evangelischen Württemberg Katalog zur Ausstellung im Landeskirchlichen Museum Ludwigsburg vom 10. Juni 1999 bis 16. Juli 2000. 183 Seiten

Das Landeskirchliche Museum in der Garnisonskirche in Ludwigsburg versucht in wechselnden Ausstellungen aktuelle Themen zur geschichtlichen Entwicklung der christlichen Religion zur Diskussion zu stellen. Hatte man sich in den vergangenen Jahren der Rolle der Frauen im evangelischen Württemberg zugewandt, so wird die neue Ausstellung den Endzeiterwartungen im evangelischen Württemberg gewidmet. Das ist nun ein weites Feld, das aber gelungen in dieser Ausstellung präsentiert wird. Beginnend mit den entsprechenden Strömungen in der Reformationszeit wird der Bogen bis zur heutigen Zeit gespannt, wo der Beginn des 3. nachchristlichen Jahrtausend neue Spekulationen zu diesem Thema bringt. Dabei beschränkt sich das Gebotene nicht auf die württembergische Evangelische Landeskirche. Die New-Age-Bewegung, Jehovas Zeugen, die Neuapostolischen, die Moon- und die Selbstmord-Sekten werden im Lichte ihrer Endzeiterwartungen kritisch beleuchtet. Überhaupt enthält dieser Ausstellungskatalog viele zum Nachdenken zwingende Ausführungen über das Phänomen Zeit in religiös/weltanschaulicher Hinsicht. Dabei kann es nicht ausbleiben, dass astronomische Uhren von Philipp Matthäus Hahn (1739-1790), dem Vater der Beate Paulus in der Ausstellung gezeigt werden.

Von besonderem Interesse für die Familienangehörigen sind sowohl in der Ausstellung als auch im Katalog die Abschnitte über Bengel und die Folgen sowie die Geschichte der Tempelgesellschaft Johann Albrecht Bengel (1687-1752) hat durch seine Berechnung der Wiederkunft Christi auf Grund der Angaben in der Offenbarung Johannes im Jahre 1836 die Beschäftigung im württembergischen Pietismus mit diesem Thema neu belebt. So kommt in diesem Zusammenhang Philipp Matthäus Hahn zur Darstellung, der zunächst die Zeitangaben seiner astronomischen Uhren nach diesen Berechnungen anlegte, bis er nach 1780 die Richtigkeit dieser Rechnungen bezweifelte. Aber auch die Gründung der Brüdergemeinden Korntal und Wilhelmsdorf durch Gottlieb Wilhelm Hoffmann wird nicht vergessen. Sie sollten den an der Landeskirche verzweifelnden Christen die Möglichkeit geben, bis zur Wiederkunft des Herrn hier ihrem Glauben zu leben.

Die Geschichte der Tempelgesellschaft ist von Paul Sauer zusammengestellt, der ja vor Jahren das Standardwerk zu diesem Thema vorgelegt hat. Christoph Hoffmann und seine Freunde riefen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Sammlung des Volkes Gottes im Heiligen Land auf. Hier gründeten sie Kolonien, die sie dank der exportierten landwirtschaftlichen Produkte zur Blüte brachten.

So ist es dem Landeskirchlichen Museum wiederum gelungen, eine Ausstellung zusammenzutragen, deren Besuch sich für Familienangehörige lohnt.

Ferdinand Gregorovius,Eine Reise nach Palästina im Jahre 1882 Verlag C. H. Beck München 1995 ISBN 3-406-38546-X, 106 Seiten, 10 Zeichnungen

Der Balte Ferdinand Gregorovius (1821-1891) machte sich durch die Erforschung der Geschichte der Städte Rom und Athen im Mittelalter einen Namen. Nach Abschluss dieser Arbeiten begibt er sich als alter Mann auf eine Reise nach Ägypten und dem Heiligen Land.

Gregorovius vertraut seinem Tagebuch seine Eindrücke von Land und Leuten mit dem geschulten Auge des Historikers an. Der kurze Aufenthalt lässt aber keine tiefer gehende Analyse zu. Das macht sich bei seinen Ausführungen über die Kolonien der Tempelgesellschaft bemerkbar. Bei seiner Einreise in Jaffa wird er auf Empfehlung von stuttgarter Freunden von dem dortigen Leiter des Krankenhauses Dr. Lorch empfangen. Er übernachtet eine Nacht in dem von Ernst Hardegg (Familiennummer 518 1) geleiteten Hotel in Jaffa. In einem halben Tag Zeit besucht er die beiden Tempelkolonien Jaffa und Sarona und unternimmt einen Ausflug zum Nahr el Audje (Fluss).

Über das Leben und die Gastfreundschaft der deutschen Auswanderer im Heiligen Land findet er lobende Worte. Aber dem Fortbestand der Kolonien dieser kleinen Gruppe von Schwärmern (Seite 35) gibt er wenig Chancen. Die gleiche mystische Ansicht, dass, nachdem Christus die soziale Frage gelöst hat, Palästina das auserwählte Land sei, wo die christliche Brudergemeinde sich verwirklichen soll oder die messianische Erwartung der Wiederkunft des Weltheilands, kann schwerlich ausreichen, diesem halbkommunstischen Verein die Fortdauer zu sichern (Seite 36). Trotzdem erkennt er die geleistete kolonisatorische Arbeit an. Er genießt das Mittag­essen in Sarona und lobt die von den Kolonisten angelegte gute Fahrstraße (Seite 37) von Jaffa zur Kolonie Sarona. Aber er kann mit den Bibelzitaten im Gemeindehaus dieser Kolonie nichts anfangen. Sie sind für ihn nichts sagende Sprüche (Seite 37). Über drei Tage, die er in der Heiligen Stadt verbrachte, schweigt seine Niederschrift.

Das Buch gibt einen anschaulichen Bericht übe die Verhältnisse im Heiligen Land im Jahre 1882. Aber der in Glaubensfragen liberal eingestellte Verfasser kann das Bemühen der Tempelgesellschaft nicht verstehen.

Philipp Matthäus Hahn, Fingerzeig zum Verständnis des Königreichs Gottes und Christi. Betrachtungen. ISBN 3-7722-0360-4 Verlag Ernst Franz bzw. Sternberg-Verlag, Metzingen/Württemberg 1999, 160 Seiten Preis 19,80 DM

Im Jahre 1774 lies Philipp Matthäus Hahn anonym den Fingerzeig zum Verständnis des Königreichs Gottes und Christi drucken. Es handelt sich um sein erstes Werk, in dem er seine Theologie entwickelt. Ausgehend vom 1. Kapitel des Epheserbriefes entwickelt er hier seine Vorstellung von der Gnadenwahl Gottes und der Bedeutung von Jesus Christus für die Entstehung des Weltalls. Um seine Gedanken klarer zu machen fügte er einen Aufsatz von seinem Freund Jakob Friedrich Klemm Die große Schöpfungsleiter: Vom Staub bis zum Thronengel bei, der die Gesteins-, Pflanzen- und Tierwelt als eine stetige Abfolge der Entwicklung auf unserem Planeten sieht und damit zu einem Vorläufer der Evolutionstheorie ist.

Der Verlag Ernst Franz, bekannt durch seine Herausgabe pietistischer Literatur, bringt diese Schriften auf Anregungen aus württembergischen Gemeinschaftskreisen unter Zufügung der Aufsätze Von Gottes Dreieinigkeit und von der Versöhnung Gottes aus der Feder Hahns neu heraus. Abgerundet wird das Buch durch die Gedichte von Christian Gottlieb Kraft Ermahnung und Aufmunterung zur Treue in dem Werk des Herrn von Jakob Friedrich Klemm Ein Lied von der Erwählung und von Karl Freiherr von Pfeil, Die Tafel Gottes.

So ist ein Werk entstanden, das auf engem Raum die Theologie von Philipp Matthäus Hahn in ihren wesentlichsten Punkten entwickelt. Allerdings enthält es Gedanken, die aus verschiedenen Zeiten entstammen. Die einleitenden Aufsätze über Gottes Dreieinigkeit und Versöhnung Gottes entstammen aus den letzten Jahren als Pfarrer in Kornwestheim. Hahn ringt zu dieser Zeit um die Anerkennung als selbstständiger Theologe neben dem Schwabenvater Friedrich Christoph Oetinger. Um seine Ziel zu erreichen, muss er sich mit der traditionellen pietistischen Theologie auseinandersetzen, die von dem mystischen Weltbild des Schuhmachers und Philosophen Jakob Böhme geprägt ist. Dabei geht es um die Beschäftigung mit der Zeit, die vor dem biblischen Schöpfungsbericht war, und um den Grund für den Sündenfall. Da diese Gedankenwelt uns Heutigen sehr ferne liegt, ist es nicht einfach in diese Gedankenwelt einzudringen. Dagegen sind die ursprünglichen Bestandteile des Fingerzeiges auch heute noch leichter zu lesen. Geht es hier doch um die Rolle des Menschen in Gottes zukünftiger Welt.

Alle diese Schriften sind in die heutige Orthografie umgesetzt und in eine übersichtliche Gliederung gebracht. Daher lesen sie sich erheblich leichter als die Originale, die, um Geld für Papier zu sparen, auf solche Feinheiten keine Rücksicht nehmen. Wer sich innerhalb der Familie für die Gedankenwelt der Vorfahren interessiert, wird am Studium dieses Buches nicht herumkommen. Wegen seines niederen Preises wünscht man ihm eine weite Verbreitung.

Martin Brecht (Hrsg.), Gottes Wort ist mein Lobgesang. Philipp Friedrich Hiller. Der Liederdichter des württembergischen Pietismus. ISBN 3-7722-0350-7, Verlag Ernst Franz, Metzingen/Württemberg, 240 Seiten, 24.--DM

Irmgard Werth, Jesus Christus herrscht als König. Philipp Friedrich Hiller und seine Botschaft, ISBN 3-7722-0301-9, Verlag Ernst Franz Metzingen/Württemberg, 32 Seiten, 5.--DM

Zwei Schriften zum Gedächtnis des 300. Geburtstags von Philipp Friedrich Hiller, der durch sein Geistliches Liederkästlein zum Lobe Gottes von 1762, das bis auf den heutigen Tag immer wieder neu aufgelegt wurde, dem württembergischen Pietismus das Andachtsbuch für die tägliche Beschäftigung mit dem Worte Gottes gegeben hat.

Berta Fritsch (Zusammenstellung), So war es in Onstmettingen Folge 17. Zehn Jahre lebendiges Museum im Kasten. Herausgeber: Arbeitskreis Kasten Albstadt-Onstmettingen 1999, 116 Seiten.

Es handelt sich um einen Rechenschaftsbericht über die Aktivitäten des Arbeitskreises Kasten in Albstadt-Onstmettingen, der sich um das dortige Philipp-Matthäus-Hahn-Museum geschart hat. Das Studium dieser Schrift vermittelt ein reiches Leben in diesem Kreis. Da ist von Dauerleihgaben und Neuerwerbungen für das Museum genauso die Rede wie von den Veranstaltungen, um das Interesse wach zu halten. Immer wieder wird hier über Philipp Matthäus Hahn (1739-1790), dem Vater der Beate Paulus geb. Hahn (Familiennummer 51) berichtet, sei es durch eine Neuerwerbung einer Rekonstruktion der ursprüngliche Gestalt seiner ludwigsburger astronomischen Uhr, die heute in veränderter Form im Württembergischen Landesmuseum steht, und durch Vorträge, die sich mit ihm beschäftigen. Er war ja in Onstmettingen auf seiner ersten Pfarrstelle und hat seine Pfarrkinder in den Waagenbau eingewiesen, der heute dort eine wichtige Industrie ist. Die Fotografie der Rekonstruktion der ludwigsburger Uhr auf Seite 36 zeigt, wie schön ihr Gehäuse in den Formen des Rokoko ursprünglich war und wie wenig das heutige Gehäuse im klassizistischen Stil diesem Werk gerecht wird. Es lohnt sich, nicht nur dieses Buch gelesen, sondern auch das Museum in Onstmettingen besucht zu haben.

Alex Carmel und Ejal Jakob Eisler, Der Kaiser reist ins Heilige Land,

ISBN 3-17-015920-8, Verlag Kohlhammer Stuttgart, Berlin Köln 1999 200 Seiten mit vielen Abbildungen

Im Herbst 1898 unternahm der Deutsche Kaiser und preußische König Wilhelm II. eine Reise in die damalige Türkei. Nach einem Besuch von Konstantinopel besuchte er Palästina, um in Jerusalem die für die deutschsprachige evangelische Gemeinde bestimmte Erlöserkirche einzuweihen. Die durch Arbeiten zur Geschichte Israels und der Tempelgesellschaft im 19. Jahrhundert bekannt gewordenen Verfasser zeichnen in einem in der Aufmachung repräsentativen Buch diese Fahrt aus den Quellen nach. Dabei beschränken sie sich nicht auf die Reise. In einleitenden Kapiteln wird der christliche Beitrag zum Wiederaufbau Palästinas, Das englisch-preußische Bistum in Jerusalem und die Palästinareise des Kronprinzen Friedrich Wilhelm im Jahre 1869 dargestellt. Die Reise des Kaisers wird dann neben dem Text durch Wiedergabe der von Dokumenten bis hin zu der Liste der Teilnehmer und der Einladungen zu den verschiedenen Veranstaltungen sowie durch die Wiedergabe vieler Ansichten sehr gut dokumentiert. Der Stil des Textes ist flüssig und trotz seiner wissenschaftlichen Qualität gut und leicht lesbar. So zeichnen die beiden Verfasser ein farbiges und lebendiges Bild der Vorgänge.

Sowohl im Text wie in der Dokumentation kommen auch die von Christoph Hoffmann (FN 518) und Ernst Georg Hardegg seit 1869 in Palästina gegründeten vier Kolonien der Tempelgesellschaft zu Wort. So ist zum Beispiel das dem Kaiser von dem Vorstand Christoph Hoffmann II. (FN 518 2) am 28. 10. 1898 in Jaffa überreichte Kaiseralbum als Kopie vollständig wiedergegeben. Es gibt in einem einleitenden Text die Begründung und die Größe der vier Tempelkolonie in Jerusalem, Haifa, Jaffa und Sarona. Dann folgen die vier Aquarelle von Gustav Bauernfeind, die für jede der Kolonien eine bildliche Darstellung geben.

Für die an der Familiengeschichte Interessierten lohnt sich das Studium dieses Werkes. Allerdings ist es für die Familiengeschichte bedauerlich, dass die Verfasser bei der Darstellung der Reise des Kronprinzen im Jahre 1869 die Erinnerungen von Immanuel Philipp Gottlieb Paulus genannt Döte (FN 513 3) mit heranziehen, die im Jahre 1974 auszugsweise von der Familiengemeinschaft Gebhardt-Paulus-Hoffmann herausgegeben und an viele öffentlichen Bibliotheken versandt wurden1. Er war ein Vetter des Pfarrers der evangelischen jerusalemer Gemeinde Carl Hoffmann (Seite 37) und hielt sich zu dieser Zeit studienhalber in Jerusalem auf. In seine Lebenserinnerungen schildert er ausführlich den Besuch des Kronprinzen, wobei er sich auf Erzählungen des Begleitpersonals des Kronprinzen stützt, die mit ihm in der gleichen Unterkunft untergebracht waren. So muss dieser Bericht - wie auch die in der Salonia, im Christenboten und in einigen kleineren Bänden veröffentlichten Reiseindrücke von Palästina weiterhin auf seine wissenschaftliche Auswertung harren.

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Helmut Paulus zum Gedenken

geb. 29.04.1900

Eine ungewöhnliche Lebens- und Leidensgeschichte



Mein Boot
ist an eine fremde Küste gestoßen. Es haben
Die Stürme der Nachtgleiche seine Planken zerrissen. Ich habe
gerufen, aber es ist meine Stimme
Viel zu schwach gewesen. Vielleicht
Ist sie hinabgesunken in die Tiefe des Meeres,
Wo die Fische wohnen. Die sind stumm. So bin ich
Einsam geworden und muss
In der Ebene hausen, die fremd ist und die
Hügel und Berge nicht kennt, nach denen
Mein Herz sich sehnt...

aus der »Amerika Ballade« von Helmut Paulus



H.P. im Alter von ca. 55 Jahren
 

Was Helmut Paulus hier auf den letzten Seiten seiner letzten Veröffentlichung über sich selbst sagt, ist ein echter "Hapee" (wie er in der Familie genannt wurde) von der Sprache, vom schweren Inhalt, ja auch von der darin angedeuteten Biographie her. Nie war er laut, nicht in der Stimme, nicht in seinem Werk, nicht im Temperament. Schmächtig von Statur, liebenswürdig-freundlich, ruhig in der Rede, auch humorgewürzt, in etwas singendem Tonfall. So haben wir den Onkel in Erinnerung, wenn er mit der Familie den Weg zu uns von Marbach nach Winnendengefunden hatte und mit Zigarette und zur Doppelspirale gedrehten Beinen im Sessel saß. Wohl fühlte man sich von der ersten bis zur letzten Minute in der zusammen mit Frau Gertrude gestalteten, urgemütlichen Atmosphäre seiner Marbacher Erdgeschosswohnung. Das Arbeitszimmer gegen den Garten war voller Bücher, dazu Blumen, Tabakspfeifen, Kaffeetassen, Aquarium, Katzenwo­chenbetten in der Kommodenschublade. Und im Garten gab's schönste Blumen, Meerschweinchen, Frösche, Schlangen, Eidechsen. Pflanzen und Tiere wurden von H. P. und dem kleinen Heiner mit großer Liebe gepflegt. Liebenswürdig, gütig, hilfsbereit, auch - von klein auf - freigebig zu sein trotz seiner ständigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, das wurde ihm an Eigenschaften von seinen Schwestern und allen, die ihn kannten, in erster Linie nachgesagt.

*

Er hat es selbst gesehen, seine Stimme war zu schwach, und auch gerade dort, wo er seine größte Arbeitsleistung eingesetzt hat, in seinen Gesellschaftsromanen. Unlesbar sind sie zum größten Teil geworden... In der Sprache allzu schlicht und karg, bewegen sie sich im kleinbürgerlichen oder dörflich-bäurischen Milieu und sind bewohnt von einfachen und meist wohl bewusst eher unscharf gezeichneten Charakteren, die zumeist Anna oder Marie, Karl, Friedrich oder Ernst heißen, sich in meist dürftigen Dialogen wenig äußern, weil sie nichts zu sagen haben, weder untereinander noch etwa zum nicht sichtbar werdenden Zeitgeschehen, und das auch in einer Handlung, die nicht von Spannung weiter getragen wird. In ihrem Tun, positiv oder negativ, bleiben sie meist vom herkömmlichen Korsett des christlich- kleinbürgerlichen Sittenkodex gefangen. In seinem Erstlingsroman, der "Geschichte von Gamelin" , geht es um die Frage nach dem tieferen Sinn des Lebens. "Gamelin, der Knecht Gottes" , so der Beginn, wird an seinem dreißigsten Geburtstag von einem Tag zum andern zum "Aussteiger" , wie wir heute sagen würden, (völlig unnötigerweise, denn es geht ihm gerade sehr gut), hört nur noch auf seine innere Stimme, auf Gott, (von dem er sich wohl geknechtet fühlt?), auf den er aber lange warten muss. Es kann kaum anders sein: Der Antrieb muss aus seinen eigenen leidvollen Erfahrungen gekommen sein, jedoch dargestellt sind nur die Symptome, nicht die Diagnose. Man erfährt letztlich nicht, was Gamelin wirklich denkt, was ihn zu seinen oft menschlich unverständlichen Handlungen bewegt, aber sein Ziel findet er letztlich im extrem einfachen, kleinbäuerlichen Leben. Es klingt - ganz modern - nach Selbstverwirklichung, im Gegensatz zur autoritären Außenbestimmung. Nur, im Gegensatz zu manchen Nachrufen, mit "schwäbischer Innerlichkeit" hat das wohl kaum zu tun, sondern es ist der suchende H. P.

Aber damit ist unser Thema, über Helmut Paulus, den Vergessenen, anlässlich seines 100. Geburtstages nachzudenken, nicht erledigt, sondern fängt im Gegenteil erst an. Wir gewinnen dadurch Raum, um uns auf den Menschen zu besinnen, dessen Stimme so traurig verklungen ist.

*

Nun aber, es gibt noch andere Seiten seines Werkes, die wir nicht gerne in den Orkus abgleiten sehen wollen. Es sind da die beiden großen historischen Romane, "Der große Zug" und "Die tönernen Füße". Spannende Handlung, holzschnittartig gezeichnete Charaktere, in ihrer Schlichtheit jetzt einprägsame und mitnehmende Sprache, das findet sich dort mehr.

Die Gemeinsamkeit beider, so könnten wir es heute sehen: Politische Katastrophen in Konsequenz fanatisch verfolgter Ideologien. Den "großen Zug" , der Geschichte des dritten Kreuzzugs, entwirft H. P. in einem ganz einzigartigen Konzept aus einem Mosaik von genau erzählten Einzelschicksalen, so wie ihm überhaupt stets das Individuell-menschliche wichtiger scheint als das übergeordnete Ganze. Das Thema lag ihm biographisch auf der Hand. In Palästina hat er das Schlachtfeld von Hattyn besucht und noch weiter recherchiert, etwa zehn Jahre später hat er den Roman niedergeschrieben. Die eben genannte Motivation zu dem groß angelegten Unternehmen dürfen wir aber kaum unterstellen, sondern müssen sie eher im Rahmen des national-heroischen Zeitgeistes suchen.

Der zweite historische Roman erschien erst nach dem Kriege und hat die Geschichte der Wiedertäufer in der Stadt Münster zum Thema. Hier allerdings dürfen wir ihm ganz sicher als zugrunde liegendes Antriebsmotiv die entsetzlichen Folgen aus dem Handeln aufgrund einer verblendeten Ideologie unterstellen und sogar, dass er sie als Paradigma für die eben zurück­liegende NS-Zeit sehen wollte. Auch hier läuft die Handlung präzise und in stetiger Spannung ab, wieder unter ständigem Bezug auf die tragischen individuellen Schicksale. Tragisch, weil das Charakter-verbiegende der Ideologien gezeigt wird.

Ein Reifeprozess hat offensichtlich zwischen den ersten Werken und diesen historischen Romanen stattgefunden. Es liegen eine ganze Reihe von Novellen und kürzeren Erzählungen dazwischen, z.T. ebenfalls mit historischen Stoffen ("Der Bamberger Reiter" , "Die Träumenden" mit Marbach-bezogenen und anderen Geschichten aus dem Dreißigjährigen Krieg), die in der ihm eigenen antiquierenden Sprache stark an die Lutherbibel erinnern. Es sind ganz überwiegend Geschichten von Tragik und Leid. Der besondere Charakter seiner Sprache und auch seiner Erzählerfantasie kommt hier oft deutlicher und gültiger zum Ausdruck als in den Romanen. Viele mochten sie deshalb lieber.

Ganz einzigartig berührt uns zum Beispiel die "Jusi" -Erzählung (so der ursprüngliche Titel) von 1943 in dem Bändchen "Geliebte Heimat" , weil H. P. darin seine Rolle als ungewollter, jahrzehntelanger Emigrant vorweg nimmt. Dem Heimkehrer Michel Auwärter widerfährt das ihm selbst versagt gebliebene Glück, in die Heimat zurückzukehren, und, besonders schöne Idee, er nimmt sich die Zeit, sich derselben auf ihrem letzten Stück durch eine Wanderung von Metzingen nach Neuffen anzunähern. Das ist alles liebevoll, mit zarten Farben und ohne Rührseligkeit, eher mit einem Schuss Humor gezeichnet. Einen bezaubernden kleinen Film gäbe das noch heute. Und die Metzinger haben die darin vorkommende Geister-Weinsau jüngst in ihrer Fasnet fröhliche Urständ feiern lassen.

Andere dieser Erzählungen scheinen uns heute allerdings in fataler Nähe zum Zeitgeist zu stehen, und zwar dem bösen des Dritten Reiches. "Der Auserwählte" , zwar auch eine Leidensfigur, aber hier unerträglich ins Rassi­stisch-Arische gewendet, "Die elf preußischen Offiziere" . Vor dieser Erzählung steht ein Hölderlin-Wort: "Lebe droben, o Vaterland!, Und zähle nicht die Toten! Dir ist, Liebes! Nicht Einer zu viel gefallen." Im Jahre 1941, wo die "Heldentod" -Nachrichten alltäglich waren, wirkt damit die sonst so ergreifend geschriebene Geschichte heute geradezu wie vom NS-Propagandaministerium bestellt, bestellt beim -- Parteigenossen Helmut Paulus.

Parteigenossen? In der Tat, er war es geworden, der sich doch in einem Brief vom Oktober 1933 an eine der Partei nahestehende Base vom Nationalsozialismus distanziert hatte, so eindeutig wie wir es leider von kaum einem unserer konservativ-christlichen Elterngeneration kennen. Darin heißt es: "... ich lehne ab, in Kunst und Leben das rassisch Andere auszumerzen, nur weil es halt rassisch anders ist, ich lehne ab, dass Rust Freud einen Verbrecher nennt. Hitler hat in B. gesagt: >Die Einigkeit der Geister und der Überzeugung eines Volkes geht vor der Freiheit des Geistes und der Überzeugung des Einzelnen< ... das muss ich ganz entschieden ablehnen. Gibt es eine Freiheit, dann kann es auch keine Einigkeit der Überzeugung geben." Und weiter schreibt er dann, er könne wegen seiner Überzeugung nicht wie die vielen aus Nützlichkeitserwägungen mitlaufen.2

An dieser Stelle gilt es biographische Fäden aufzunehmen. H. P. war damals, 1938, in wirtschaftlicher Bedrängnis gewesen, aber er war dieses in seinem ganzen Leben nur für kurze Zeit nicht, bis ins Alter hinein.

Seine für einen schwäbischen, sogar überdurchschnittlich begabten Pfarrerssohn höchst untypische Lebensgeschichte begann in Genkingen am Fuße der Alb, Kindheit in Sindelfingen. Er war ein besonders fantasievolles Kind: "...wundervolles Spielen die ganze Kindheit hindurch. Als Kleinkinder bauten wir Städte und Schlösser. König und Königin tauchten auf in silbernen Kutschen. Stundenlang konnten wir phantasieren bis Papa zur Tür herein kam und mit dem Fuß Blöckle schoß: Krieg, Zerstörung durch Kanonen. Ich war immer tief empört." So erinnerte sich die zwei Jahre jüngere Schwester. Und weiter: "Später erzählte er uns abends im Bett lange Geschichten, sie konnten eine Woche lang weitergehen und waren hochspannend. Mit zwölf Jahren hat er was geschrieben..." Im Gymnasium in Böblingen bringt er Spitzenleistungen im Deutschen Aufsatz und in Botanik, aber Defizite in Latein und Mathematik , dazu kommen vermutlich Konfliktsituationen, auch mit dem Vater. Als er vor der Primareife veitstanzartige Symptome be­kommt, nehmen ihn die Eltern aus der Schule und lassen ihn eine Buchhändlerlehre machen. Dort erlebt er seine Sturm- und Drangjahre. Er dichtet, liest in jeder freien Minute, auch beim Gehen auf der Straße. Im letzten Kriegsjahr (1918) wird er noch eingezogen. Dann verschiedene Stellen als Buchhändler. Zwischendurch wurde ein Jahr Germanistik-Gasthörer in Tübingen möglich ("meine schönste Zeit" ), darauf folgen wieder wechselnde Stellen, darunter 1923 in Leipzig, wo er mit einigen Freunden eine literarische Zeitschrift "Muspilli" (die Feuersöhne der Edda) herausgibt, hektografiert im Selbstverlag. Vor ihrem Eingehen fand sie die Presse immerhin einer Notiz wert. Seine Jugendliebe entwickelt sich dramatisch und wird zu schwerer Krise, verbunden wieder mit neuralgischer Krankheit, aus der er 1923/24 nach Palästina entflieht, wo er bei den Großmann-Verwandten in ihrem "Hotel Tiberias" arbeiten kann. Die Alternative bürgerlicher Beruf statt Fortsetzung seines als Berufung gefühlten Weges führt brieflich, unter schweren Kämpfen, zur Auflösung der Verlobung (Gamelin-ähnlich!). Er kehrt verändert und reifer - was man an seiner Handschrift erkennt - mit neuen Plänen und Hoffnungen zurück. Zunächst jedoch arbeitet er weiter als Buchhändler, mit wenig Befriedigung in diesem Beruf. Seine freie Zeit nutzt er ständig zu schriftstellerischen Versuchen, die er ohne Erfolge an Zeitungen und Verlage schickt, aber auch zur Arbeit an den ersten Ro­manen. Dann Übersiedlung nach Magdeburg, wo er eine kleine Buch­handlung übernimmt. Er heiratet dort Gertrude Struve, mit der er eine zeitlebens glückliche Ehe führt.

Das Experiment mit der Buchhandlung misslingt, die junge Familie zieht nach Metzingen in eine Dachwohnung im gleichen Haus wie die Eltern, und er versucht, von der Schriftstellerei zu leben. Dabei ist der erste seiner frühen Romane zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal erschienen. Drei davon er­scheinen dann allerdings in schneller Folge bis 1938. Trotzdem: Mit der inzwischen fünfköpfigen Familie gerät er immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten. Da geschieht auch der erwähnte Parteieintritt. Er ist Voraussetzung für eine Stelle als Archivar am Schillermuseum in Marbach: Wirtschaftliche Nöte, Sicherheit für die Familie: Wer will es ihm verdenken, diesen Schritt gegen seine innere Überzeugung?

In Marbach findet H. P. in den Kriegsjahren berufliche Erfüllung, arbeitet daneben schriftstellerisch intensiv. Er wird aber infolge einer Denunziation im Herbst 1944 noch zur Wehrmacht eingezogen. Nach dem Zusammenbruch und kurzer Gefangenschaft aus Italien zurückgekehrt, gewinnt er die Stelle am Schillermuseum nicht wieder zurück, zunächst wegen seiner Parteizugehörigkeit, später weil ihm ein Universitätsabschluss fehlte, dann wohl wegen Hindernissen, die in seiner Person lagen.

Wieder versucht er, die Familie durch Schreiben über Wasser zu halten, arbeitet überhaupt intensiv an seinen letzten Romanen. Daneben entstehen Erzählungen, kleine Schriften, sogar ein ganz schönes Kinderbuch ("Die Freibeuter" ). Dazu manchmal Lesungen. Aber ohne eine feste Anstellung reicht all dieses nicht aus, trotz der Unterstützung aus Amerika durch die Verwandten seiner Frau. So zieht er die Konsequenzen und ergreift 1952 das Angebot von dort, nach USA überzusiedeln und vorläufig in deren tea room in Winnetka bei Chicago mitzuarbeiten: Letzter Lebensab­schnitt.

Er leidet dort unter der Arbeit des "Chickenbutchers" (s. Amerika-Ballade: "Dessen Hände ein Werk tun müssen, das sein Herz nicht kennt" ), bei der es bleibt, bis er schließlich von einer bescheidenen Rente leben kann. Er erlebt durchaus auch Freuden: Die Kinder konsolidieren sich im Beruf, er erlebt auf Ausflügen in der Nähe eindrucksvolle Landschaften, erhält Besuche aus Deutschland, der briefliche Kontakt zu alten Freunden reißt nicht ab, die zweite Auflage des Wiedertäufer-Romans. Aber seine Grundstimmung ist Resignation. Wir wissen nicht, ob er je ernsthaft geglaubt hat, in diesen 2 ½ Jahrzehnten noch einmal den Weg zu kontinuierlicher schriftstellerischer Arbeit zu finden und nach Deutschland zurück zu kehren, davon geträumt hat er sicher. Bestimmt hatte er aber nicht nur die Absicht, weiter zu schreiben, sondern hat dies auch ständig getan, soweit Zeit und Kräfte reichten. Jedoch nur ein Bändchen Lyrik, die "Amerika-Ballade" , ist neu erschienen, einiges war druckfertig (ein Jeremia-Drama, die "Ballade vom äußersten Abend" ), und Vieles blieb im Manuskript Fragment. Im Jahre 1972 erst konnte er es sich leisten, mit seiner Frau für einige Wochen die Heimat wiederzusehen, und zwei Jahre darauf ist er gestorben.

Wie stark er darunter gelitten hat, dass er sein Werk nicht weiter führen konnte und dass er literarisch langsam in Vergessenheit geriet, das sagt uns ganz eindeutig das hier über den Anfang gesetzte Zitat aus der "Amerika-Ballade" mit dem bewegenden Bild von der abgesunkenen Stimme: Das ist Ausdruck tiefster Resignation, in starke dichterische Sprache gefasst.

Helmut Paulus hat "gerufen", aber vielleicht zu undeutlich und auch nicht zur richtigen Zeit sowie - eben auch nicht mit kraftvoller Stimme. So konnte er das sich gesteckte Lebensziel nicht erreichen. Das ist seine Tragik. Aber er ist sich selbst treu geblieben, das ist sein Glück. Vielleicht. Uns, die wir ihn noch gekannt und menschlich so hoch geschätzt haben, nötigt seine Geschichte aber Respekt und noch nachgetragene Sympathie ab. Man kann in seiner Lebensgeschichte selbst den Stoff zu einem Roman sehen, der allerdings nie geschrieben werden wird. Es würde wieder eine Leidensgeschichte, wie sich durch sein ganzes schriftstellerisches Werk hindurch das Leidensmotiv zieht. Der Protagonist wäre mit kreativen Anlagen ausgestat­tet, die ihn dazu drängen, zu schreiben, zu gestalten, mit einem Künstlergemüt, aber auch mit zweiflerisch-grüblerischem Charakter der schwäbischen Variante, zur Schwermut neigend, gleichzeitig vorbelastet von der christlich-pietistischen Familientradition der Paulusfamilie, von der er sich wohl äußerlich, aber nie innerlich ganz frei machen konnte So gerät er "zwischen die Zeiten", wie es sein schwäbischer Dichterkollege Hermann Kurz einmal von sich sagt. Er versucht zwar, mit einer bewundernswerten Zähigkeit das sich gesteckte Ziel einer Dichterexistenz gegen alle Widerstände zu verfolgen, muss aber letzten Endes scheitern. Seine Arbeitsleistung ist phänomenal, wenn man bedenkt, dass er sich innerhalb weniger Jahre mehrere Romane im wahrsten Sinne abgerungen hat, darunter solche, für die er auch sehr intensiv recherchieren musste.

Helmut Paulus, ein Vergessener. Eine Neuauflage seiner Werke? Undenkbar. Aber sein nicht geschriebener Lebensroman kondensiert in einem H. P.-Lesebuch? Dieses vielleicht ließe sich sogar vorstellen. Aber das letzte im Manuskript Vollendete, die "Ballade vom äußersten Abend" und das Jeremia-Drama, in dem wir noch einmal viel von ihm Ureigenem ahnen, das müsste darin schon enthalten sein.

Frieder Werner, im März 2000

Die Schriften von Helmut Paulus: Der Auserwählte (Novelle, 1934); Die Geschichte von Gamelin (Roman, 1935); Mutterschaft (Gedichte, 1935); Der Bamberger Reiter (Novelle, 1936); Ring des Lebens (Roman, 1937); Der große Zug (Roman, 1938); Ein Weg beginnt (Roman, 1939); Die Trübsale des Georg Sibelius (Erzählung, 1939); Jahreszeiten (Idyllen, 1941); Elf preußische Offiziere, Erzählung, 1941); Frieder und Anna (Roman, 1942); Die kleine Gartenwelt (Gedichte, 1943); Geliebte Heimat (4 Erzählungen, 1943 und 1956); Die Träumenden (3 Erzählungen, 1947); Die drei Brüder (Roman, 1949); Die Freibeuter (Kindergeschichte, 1952); Die tönernen Füße (Roman, 1953, 2. Aufl. 1962, sowie in niederländischer Übersetzung "De koneng van Sion" ); Amerika Ballade (Gedichte, 1957).


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Ernst Gebhardt

- seine Kollektier- und Sängerreise mit seiner Tochter Maria nach Amerika (August 1881 - Juli 1883)

1. Ernst Gebhardt und Christiane (Nane)

Ernst Gebhardt, 1832 in Ludwigsburg geboren, war Schüler auf dem Salon. Nach dem Studium der Landwirtschaft in Hohenheim und einigen Jahren als Farmer in Chile, kam er nach Ludwigsburg zurück. Dort lernte er die Methodistengemeinde kennen. Er entschied sich, Pastor zu werden und studierte am Seminar der Methodistenkirche in Bremen. 1860 heiratete er Christiane Paulus, Apothekerin (20 und 28 Jahre alt) Sie war aktives Mitglied der Methodistengemeinde in Ludwigsburg. Ihr Vater war Dr. Carl Friedrich Paulus (ältester Sohn der Beate Paulus).
Die Methodistenkirche entstand aus einer Reformationsbewegung Anfang des 18. Jahrhunderts in England. Sie breitete sich besonders in Amerika aus. Nach Deutschland kam sie um 1840 - auf Wunsch von ehemaligen Auswanderern. Damals war sie ein Kirchenbezirk der deutschsprachigen Methodistenkirche von Amerika (es gab seit 1784 englischsprachige, seit 1835 auch deutschsprachige Kirchenbezirke in Amerika).

In Deutschland war die Methodistenkirche in den 30 Jahren ihres Bestehens gewachsen, an vielen Orten mussten Kirchen gebaut werden.

Da die Zinsen zur Abtragung der Kirchenbauschulden kaum mehr tragbar waren, beschloss die "Missionskonferenz" (Synode) 1880, einen "Kollektor" nach Amerika zu schicken, um in den Gemeinden der deutschsprachigen Kirchenbezirke Geld zu sammeln. Die Konferenz bat Ernst Gebhardt um diesen Dienst, da er durch seine Redner- und Sangesgabe dafür besonders geeignet war. Er sagte zu, mit Gottes Hilfe diese schwere Aufgabe zu übernehmen, wenn auch seine Frau zu diesem Opfer bereit sei - ihre acht Kinder waren zwischen vier und neunzehn Jahre alt.

2. Kollektierreise durch Nordamerika

Am 15. August 1881 verließ Ernst Gebhardt, damals Pastor in Biel, seine große Familie und Gemeinde. Seine 20jährige Tochter Maria begleitete ihn - seine Frau hatte dies zur Bedingung gemacht, damit sie für ihn sorge. Auch unterstützte sie ihren Vater bei seinem Dienst, denn sie besaß eine schöne Mezzosopranstimme und hatte das Konservatorium besucht. Jeden Tag schrieb Maria ihre Erlebnisse in ein Tagebuch. Nach diesem wurde der folgende Bericht geschrieben.

(Die drei Tagebücher sind im Familienarchiv bei Dr. Rudolf Paulus. Rudolf und seine Frau haben sie in mühevoller Arbeit mit der Schreibmaschine abgeschrieben - dadurch wurde dieser Bericht möglich.) Auf dem Weg nach Bremen besuchten Ernst Gebhardt und Maria Verwandte und Freunde und hielten Gesangsgottesdienste in etwa fünfzehn Gemeinden und christlichen Sängerkreisen. Am 11. September verließen sie Bremerhaven mit dem Dampfer "Oder" und kamen nach einer unruhigen Überfahrt (nach 12 Tagen) am 23. September "in der neuen Welt" an, wo sie erwartet wurden.
Nach einigen Tagen in New York ging die Reise weiter nach Berea, Ohio zum Schwager von Ernst Gebhardt, Prof. Dr. Carl Friedrich Paulus. Dieser lehrte am Wallace College der deutschsprachigen Methodistenkirche Theologie. (Das Wallace College war der englischsprachigen Baldwin-Univ. angegliedert).
Von Berea aus unternahmen sie vier Reisen durch alle sieben deutschsprachige Kirchenbezirke der Bischöflichen Methodistenkirche von Nordamerika:
1. Reise 7 Monate - Ohio, Indiana, Illinois, Missouri, Kansas, Kentucky
2. Reise 2 ½ Monate - Ohio, Indiana, Michigan

3. Reise 2 Monate -New York City, Connecticut, Massachusetts, New York State, New Jersey, Maryland, Pennsylvania

4. Reise 6½ Monate - Indiana, Illinois, Wisconsin, Minnesota, Iowa, Louisiana, Texas, Californien

Sie durchreisten 20 Staaten, von New York bis San Francisco, von Minnesota bis an den Golf von Mexiko.

Die Reise war gut vorbereitet, meistens wurden sie vom Pastor abgeholt, bei dem sie herzliche Aufnahme fanden und ihre Briefe erhielten. Sie übernachteten bei ihm oder bei einem Gemeindeglied, waren zum Mittagessen hier, zum Abendbrot dort eingeladen und machten viele Besuche.

Waren die Beiden an ihrem neuen Bestimmungsort angelangt, so hatte Maria immer viel zu tun, sie brachte ihre und ihres Vaters Kleidung in Ordnung, hatte viel zu nähen und zu flicken. Und dann war sie beschäftigt mit Schreiben: in ihr Tagebuch, die Briefe an ihre Lieben zu Hause und an ihren Bräutigam - bei ihrem ersten Aufenthalt in Berea hatte sie sich mit ihrem Jugendfreund August Bucher aus Zürich verlobt, der drei Jahre zuvor nach Amerika gekommen war und Pastor der Methodistenkirche wurde.

Maria hatte selten ein eigenes Zimmer, und manchmal teilte sie ihr Bett mit einer Tochter des Hauses. Oft mussten sie schon am frühen Morgen die gastliche Familie wieder verlassen, wenn die Reise weiterging, denn sie sangen und kollektierten in vielen Gottesdiensten in Stadt und Land. In den zwanzig Monaten - von Oktober 1881 bis Juni 1883 - waren sie jeden Monat im Durchschnitt in 28 Gottesdiensten an 19 Orten, z.B. im Dezember 1882 in 34 Gottesdiensten an 26 Predigtplätzen; denn an Sonntagen hielt Ernst Gebhardt meist zwei bis drei Gesangsgottesdienste.

Die Gottesdienste wurden oft von Ernst Gebhardt geleitet. Meist waren es deutsche Gemeinden, manchmal auch englischsprechende oder gemischt. Dann wurde die Predigt übersetzt oder er sagte das Notwendigste in englisch, und sie sangen auch einige Lieder englisch. Beide sangen Duett und Solo, die Ernst Gebhardt auf dem Harmonium selbst begleitete. Zum Schluss erzählte er von der Methodistenkirche in Deutschland, und dann wurde kollektiert (Korbkollekte oder Kollektenbüchlein).

Oft musste die Gemeinde auf sie warten, denn die Verkehrsverhältnisse damals waren recht schwierig. Die Eisenbahnen hielten sich nicht immer an den Fahrplan, so dass sie lange Wartezeiten hatten, oder der Zug blieb einfach stehen für einige Stunden, niemand wusste warum. Sie reisten selten in Salonwagen, meist auf harten Eisenbahnbänken oder im Güterzug. In Omnibussen und Pferdekutschen wurden sie auf schlechten Wegen durchgeschüttelt. Sie fuhren in offenen Kutschen bei Hitze und Sand, bei Sturm und Regen, in Eis und Schnee.

Maria schreibt im Sommer 1882 in Ohio: "Die Fahrt war außerordentlich unangenehm und lästig wegen dem schrecklichen Staub, der uns ganz weiß machte und in den wir vollständig gehüllt waren" Auch bei Regenwetter ging es weiter: "Wir fuhren im offenen Wagen 22 Meilen, während es vom Himmel wie mit Kübeln voll herab schüttete". In Missouri mussten sie, um zu einer Gemeinde zu kommen, drei Flussläufe durchfahren. Beim ersten kamen sie gerade noch durch, obwohl das Wasser beinah in den Wagen kam. Beim zweiten fuhren sie fast bis zur Mitte und hatten die Strömung noch nicht erreicht, "da sanken unsere Pferde so tief, dass wir sie eiligst zurückziehen mussten, und nur mit Anstrengung konnten wir in dem tiefen Wasser den Wagen umkehren, um wieder herauszukommen Und in Illinois: "So fuhren wir nach kurzem Aufenthalt weiter, und jetzt gieng erst der schlechte Weg los. Berg auf und Berg ab, indem die Pferde samt Wagen tief einsanken in den Schmutz. Einmal mussten wir so steil den Berg hinab, dass es uns drohte, ausgeleert zu werden und wir nur mit knapper Noth endlich unten ankamen. Auch mussten wir wieder einen Bach passieren, der ziemlich tief war, und kamen über eine kleine Brücke, die drohte, mit uns zusammenzubrechen. Aber glücklich kamen wir durch und gelangten wohlbehalten an, wo unser schon die Gemeinde in der kleinen Kirche harrte, und ihr Gesang tönte uns von weitem schon entgegen".

Im Winter fuhren sie viele Meilen mit dem Pferdeschlitten. Konnte wegen starkem Schneesturm kein Zug fahren, versuchten sie ein Gespann zu bekommen, denn sie wollten ihre Reiseroute einhalten. Dabei blieben die Pferde im Schnee stecken und sie mussten bei der nächsten Farm Hilfe holen - oder sie warfen um und fanden sich im Schnee wieder - oder sie verirrten sich - kamen aber zum Schluss immer zur Kirche. In Wisconsin erlebten sie solch eisige Kälte, dass sie bei den Fahrten in offener Kutsche das Vieh erfroren bei den Farmhäusern liegen sahen.

Einmal verpassten sie wegen Zugverspätung ihren Anschluss und mussten die halbe Nacht im kalten Wartesaal zubringen, "wo man sich nicht bequem hinsetzen konnte. Papa legte sich schließlich auf den Fußboden auf seinen Schal und nahm seinen Handkoffer als Kopfkissen, dabei sang er das Lied >Bricht mir wie Jakob dort Nacht auch herein<." Morgens angekommen, fuhren sie nach längerem Warten bei eisiger Kälte in offener Pferdekutsche zur Methodistenkirche, die sie erst nach einigen Irrfahrten fanden. Sie konnten sich kaum etwas richten und frühstücken, sofort ging es 7 Meilen weiter auf schlechtem Weg. Von der Kirche tönte ihnen schon Gesang entgegen. Anschließend 7 Meilen zurückgefahren, wartete wieder eine Gemeinde. Dann konnten sie ein Stündchen ruhen bis zum Abendgottesdienst, wo er zum drittenmal an diesem Tag zu predigen hatte und beide einige Lieder sangen.

Bei diesen Strapazen war es ein Wunder, dass sie nicht ernsthaft krank wurden. Wohl waren beide ab und zu erkältet, und besonders Maria litt oft unter Kopfschmerzen, weshalb sie jedoch keinen Gottesdienst ausfallen ließ.

3. Andere Reiseerlebnisse

Ernst Gebhardt dachte nur an seine Aufgabe und nahm sich kaum Zeit für die Schönheiten des großen Landes. Darum machten sie nur zwei Tagesausflüge: Im Sequoia-Park bestaunten sie die uralten Riesenbäume. Und von den Niagarafällen schreibt Maria: "Ich rechne diesen Tag zu einem meiner Schönsten, die ich in Amerika erleben durfte..."

Sie waren auch in einem Zoologischen Garten, besichtigten Fabriken, eine Kohlenmine, ein Wasserwerk und soziale Einrichtungen: Blindenheim, Soldatenheim, Irrenanstalt, Kinderheim... Von New York schreibt Maria: "Das ist ein Leben und Treiben, von dem man sich keinen Begriff machen kann.."
In Washington besichtigten sie vielerlei. Im Weißen Haus sahen sie den großen Empfangsaal, wurden dann von einem Mann ins War Department (Kriegsmuseum) geführt, der dann 75 cent von ihnen wollte. Auch im Capitol hängte sich wieder ein Führer an, was sie 50 Cent kostete. Doch konnten sie später das Innere mit Ruhe und Muße betrachten...
In Los Angeles waren sie besonders beeindruckt von den prächtigen Gärten, den Orangenbäumen, goldgelben Zitronen, Palmen... "Die ganze Luft war erfüllt von dem köstlichen Duft der Blüten."
In San Francisco fuhren sie mit einer Drahtseilbahn den Berg hinauf zu ihrem Gastgeber. Im Chinesenviertel interessierte Maria besonders die kleinen Buben mit Zopf und die Chinesenfrauen mit ihren weiten Hosen, langer Jacke und komischen Haartracht und eigenartigen Schuhen, mit denen sie nur auf den Zehen laufen konnten.
In Salt Lake City, der Mormonenstadt, besichtigten sie den Mormonentempel, der 12 000 Personen fasst.

In Texas unterhielten sie sich oft mit ihren Gastgebern über die Negerfrage. Maria schreibt: "Sie sind hier alle angesteckt von dem Rassenunterschied, während wir nicht glauben, dass wir als Christen unseren schwarzen Bruder hintenan setzen sollen". Ernst Gebhardt besuchte in Austin eine Neger-Methodistenversammlung, von der er sehr befriedigt zurückkam und sagte, dass die amerikanischen Argumente gegen die Neger nur Vorurteile seien. Besonders empört war Maria, als in einem Zoologischen Garten bei den Krokodilen eine nobel gekleidete Dame meinte, man sollte einen Negerknaben hinein werfen, dann würden sich die faulen Tiere vielleicht rühren...

Auf der Reise nach Californien erzählten die Gastgeber von den Indianern, denn es kam immer wieder vor, dass weiße Amerikaner von ihnen getötet wurden. In Texas standen die Bewohner vor kaum einem Jahrzehnt noch auf stetem Kriegsfuß mit ihnen. Endlich bekamen sie welche zu sehen, Maria schreibt: "In Nevada sahen wir viele Indianer, auch Frauen mit ihren Kindern, die sie eingebunden haben auf eine Art Brett mit Schnüren umwunden. Frauen und Männer kleiden sich mit bunten Wolldecken, haben eine braune Gesichtsfarbe, lebhafte schwarze Augen und hervorstehende Backenknochen. Manche haben ihr Gesicht rot bemalt, alle ließen ihre glänzenden schwarzen Haare lang über die Schulter herabhängen..."

4. Besuche

Natürlich besuchten sie auch viele Bekannte, Freunde und Verwandte. So mieteten sie sich in Acklex, Iowa, einen Wagen und fuhren 4 Meilen zu der Farm von Vetter Philipp Paulus. Maria schreibt: "Die Begrüßung war herzlich in gutem Schwäbisch, ganz Paulusisch, tat mir in der Seele wohl..."

Auch waren sie in allen drei deutschsprachigen Hochschulen der Bischöflichen Methodistenkirche (in Berea, Warrenton und in Galena). Und sie sangen einige Lieder vor den schwarzen Studenten der Fisk-Universität in Nashville-Tennesse, deren Sänger sie einige Jahre zuvor in Straßburg kennengelernt hatten. (Ernst Gebhardt hat als erster Negro-Spirituals ins Deutsche übersetzt, seine "Jubiläumssänger")

5. Heimwärts

Es war keine leichte Aufgabe für Ernst Gebhardt, fast zwei Jahre lang von Gemeinde zu Gemeinde zu reisen und um Geld zu bitten. Denn gerade die deutschen Gemeinden bestanden aus Einwanderern, die oft selbst nicht allzu viel hatten, und die Englischsprachigen interessierten sich wenig für seine Sache. Die Reise neigte sich dem Ende zu. Maria fiel der Abschied schwer von ihrem Bräutigam, den sie nochmals bei ihrem Onkel in Berea traf. Am 2. Juni 1883 bestiegen sie den Dampfer und kamen am 14. Juni in Bremerhaven an, wo sie von Frau bzw. Mutter und einigen Freunden aus Bremen abgeholt wurden. Von dort fuhren sie über Köln nach Heilbronn. Dort besuchten sie die Bäschen Maria und Elisabeth Schauffler und Vetter Immanuel Paulus (Mably) kam um sie nach Cleversulzbach einzuladen - seine 6 Buben waren 1/2 bis 8 Jahre alt.

In Heilbronn fand gerade die"Jährliche Missionskonferenz" ( Synode) statt. In einer Konferenzsitzung erhielten sie Geschenke, und Ernst Gebhardt berichtete über seine Reise.
Das finanzielle Ergebnis der schweren Arbeit waren 32 201,50 $ (132 024 Goldmark), wovon 5672 Mark Reisekosten anfielen, die aber Maria durch Verkauf ihrer Fotografien deckte. Sie konnte sogar noch einen Überschuss davon ihrem Vater geben.
Sie fuhren dann, Freunde und Verwandte besuchend, über Ludwigsburg, Tübingen und Zürich nach Biel. Am Bahnhof wurden sie von ihren Kindern bzw. Geschwistern mit Freudentränen begrüßt. Auch die halbe Gemeinde war da, und so ging es in langem Zug der Methodistenkirche zu, um dort zuerst einen Dankgottesdienst zu halten.

Maria schließt ihr Tagebuch: "Unsere liebe Mama war wohl am allerglücklichsten, und wir Kinder mit ihr, und unser theurer Papa freute sich mit den Seinen. Ja, wieder daheim. Der Herr hat alles wohl gemacht, gebt unserm Gott die Ehre!"

Rosmarie Lauber, Juni 1999

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Predigt

am 11 Juli 1999 in der evang. Martinskirche in Kornwestheim

"Johannes Brenz - Reformator und Gestalter der Kirche" Pfarrer Dietrich Steck

Reformation in der Kirche, das ist so etwas, wie der Einschlag eines Blitzes. Da geschieht plötzlich etwas Starkes und Heftiges. Da werden alte Formen gesprengt, da wird Raum geschaffen für Neues. Reformatoren sind Menschen, in deren Leben ein solcher Blitz eingeschlagen hat, und die diese Energie, die dadurch freigesetzt wird, weitergeben - hinein in das Leben der Kirche.

Unser württembergischer Reformator Johannes Brenz ist ein Mensch, an dessen Leben sich das besonders gut beobachten lässt. Als Mann der ersten Stunde in Schwäbisch Hall, 16 Jahre jünger als Martin Luther, von ihm beeindruckt, hat er gleich, als in Württemberg noch gar nichts geschehen konnte, in der Freien Reichsstadt Schwäbisch Hall das Werk der Reformation in Angriff genommen. Und er ist dann auch zugleich der Mann der zweiten Generation, der Mann, der die neu geformte Kirche geordnet hat, ihr eine Gestalt gegeben - hieß es dann im alten Herzogtum Württemberg. Dies war möglich, weil - im Gegensatz zu den übrigen Reformatoren - er der einzige ist, der über 70 Jahre alt und als sehr junger Mann zum Reformator geworden ist. So hat er den ganzen Weg von diesem Einschlag des reformatorischen Blitzes bis zur Gestaltung und Ausformung der Kirche in seinem Leben mitvollzogen.
Wie wird man Reformator? Wie hat das praktisch ausgesehen? Für Johannes Brenz ist das ganz einfach zu beantworten. An Allerheiligen 1517 hatte Luther bekanntlich in Wittenberg seine berühmten Thesen angeschlagen und damit unerwartet Aufsehen erregt. Und dann wurde Luther von seinen Ordensbrüdern - er war ja ein wichtiger Funktionär im Augustiner-Eremiten-Orden - gebeten, seine Thesen, seine Behauptungen, seine Anfragen an die Kirche auch außerhalb zu vertreten, auch an anderen Universitäten. Und in diesem Zusammenhang kam Martin Luther im Sommer 1518 nach Heidelberg zu einer berühmten Disputation, das wäre heutzutage ein Podiumsgespräch vor großem Publikum. In der heutigen Zeit geschieht so etwas im Fernsehen, aber damals konnten nur die Anwesenden das Geschehen mit vollziehen. Aber wenn man die Wirkung in ganz Süddeutschland betrachtet, muss man annehmen, die Wirkung einer solchen Disputation in einem Heidelberger Hörsaal war so groß wie die Wirkung eines Podiumsgesprächs im Fernsehen oder noch viel größer. Da war etwa Luthers Ordensbruder Johannes Mantel, Ordenspriester an der Leonhardskirche in Stuttgart, der ganz begeistert zurück kam und ab da mitten in einer noch katholischen Kirche evangelisch predigte und damit den eigentlichen Beginn der Reformation in Württemberg legte. Eigentlich müsste man 1518 als Württembergische Reformation feiern und nicht die offizielle Einführung von oben herunter 1534. Und da war eben auch der gerade 19-jährige Johannes Brenz, der sich als Student sofort begeisterte für Luthers Ideen, für Luthers wieder freigesetzte Predigt der Rechtfertigung allein aus Glauben. Wenige Jahre später - 1522 - wurde er zum Prediger an die Michaelskirche in Schwäbisch Hall berufen und im Gebiet dieser damals Freien Reichsstadt konnte er, auf diesem kleinen Territorium, mustergültig eine reformatorische Kirchenordnung durchsetzen.
Und wie geschah Reformation? Reformation geschah auf einem Weg, den wir uns heute kaum mehr vorstellen können, nämlich von der Predigt aus. Es ist für uns Pfarrer heutzutage immer wieder schwer, zu sehen, dass von unseren Predigten im Grunde Erbauung, vielleicht auch einmal ein wenig Belehrung erwartet wird, dass es aber kaum mehr möglich ist, der Kirche eine Richtung zu geben durch die Verkündigung, die wir betreiben. Es geht nicht darum, dass wir Pfarrer alleine die Kirche leiten wollen - das können und sollen wir nicht. Pfarrer und Kirchengemeinderat leiten gemeinsam die Gemeinde - so steht es in unserer Württembergischen Kirchenordnung und so ist es auch richtig. Aber wer kann heute noch Kirche durch die Predigt leiten? Wo gibt es das noch? Vielleicht in manchen neu aufgebrochenen Kirchen, bei uns kaum mehr. In der Reformation war es so. Da hatte man zunächst einmal noch die Priester, die man immer gehabt hatte. Und da man von ihnen keine ordentliche Ausbildung in der Predigt erwarten konnte, weil sie das nie gelernt hatten, hat man nun besondere Prediger mit einer höheren theologischen Bildung berufen - so eben Johannes Brenz nach Schwäbisch Hall und später an die Stiftskirche nach Stuttgart. Und von ihrer Predigt erwartete man die Impulse für die Neugestaltung der ganzen Kirche. Relativ schnell zeigte sich, dass man dem eine Form geben musste. Der ungeheure Impuls, der so ausgelöst war, musste jetzt in bestimmte Formen gegossen werden. So wurden reformatorische Bekenntnisse verfasst. Das wichtigste ist das Augsburgische Bekenntnis, das 1530 vor Kaiser und Reich abgegeben wurde, Grundlage aller lutherischen evangelischen Kirchen und in unserem Gesangbuch übrigens vollständig abgedruckt, wer es einmal nachlesen will. Und da müssten auch die durchschnittlichen Menschen und die Kinder in der Schule verstehen können, um was es denn hier ging auf der Grundlage des Evangeliums. So wurden Katechismen geschaffen, die man auswendig lernte - heute nicht mehr sehr populär, damals eine Form für Leute, die wenig Lesen und Schreiben konnten, das neue - oder besser gesagt - das wiederaufgetretene alte und ewige Evangelium weitertragen zu können, indem man es in einigen wenigen biblisch geprägten Sätzen sich merkte und es auch den Kindern beibringen konnte. Ein landesweites Schulwesen, eine Regelung der Ausbildung von Theologen. das war freilich nicht in den kleinen Reichsstädten, sondern nur nachher im ganzen Württemberg möglich, und die Regelung des Verhältnisses von Kirche und Staat - das alles gehörte dazu zur Reformation.
Es war eine ungeheuer reiche und lebendige Zeit, freilich auch eine Zeit voller Widersprüche, in der Neues mit Altem kämpfte und die verschiedensten Ideen sich Ausdruck verliehen. Und schnell merkte man, man musste sich auch abgrenzen. Das ist ja immer schmerzhaft, dass man neue Bewegungen auch gegen andere neue Bewegungen abgrenzen muss. Aber die Reformatoren mussten schließlich Entscheidungen treffen. Die erste große Entscheidung war die (die sie lange vor sich hergeschoben haben): Unterstützen wir den Aufstand der Bauern? Dass die Bauern im sozialen Bereich Recht hatten, das war klar, das bestritt schließlich niemand mehr. Nur warnten die Reformatoren, vor allem Luther, nach ihm dann auch Brenz, dass dadurch das gesellschaftliche und staatliche Leben so beschädigt würde, dass es nicht mehr in normale Bahnen zurückfließen würde. Ob sie damit Recht hatten, weiss man bis heute nicht. Jedenfalls haben die Reformatoren sich dafür entschieden, die Bauernaufstände nicht zu unterstützen, sondern zu sagen:
Wir brauchen, gerade weil wir sündige Menschen sind, eine klare staatliche Ordnung - im damaligen Sprachgebrauch: Wir brauchen eine Obrigkeit, der wir untertan sein müssen. Das ist damals, das ist Geschichte, es wird immer neu diskutiert. Abgrenzen wollten sie sich schließlich auch von Menschen, die aus den Kirchen die Bilder entfernten. Überall rannten die Bilderstürmer durch die Kirchen. Vor dem Ulmer Münster wurden Berge von wertvollsten Altären verbrannt, die man einfach herausgerissen hatte. Es war auch die Wut der armen Leute, die jahrelang finanziell ausgepresst worden waren, um diese wertvollen Kunstwerke beschaffen zu können. Und trotzdem: unersetzliche Verluste. Es ist bekannt, dass Luther ja in Sicherheit auf der Wartburg bei Eisenach war und diese Sicherheit aufgegeben hat. Wegen was? Um den Bilderstürmern in den Arm zu fallen, weil er sagte: Die Bilder, die uns über Gott etwas Gutes sagen, die uns wichtige, vorbildliche Menschen vor Augen stellen, die dürfen nicht vernichtet werden, die brauchen wir. Wir brauchen auch etwas für unser Auge und nicht nur das Wort für unser Ohr. Und so kommt es, dass ein großer Teil der Bilder schließlich doch erhalten blieb - ich denke jetzt z. B. jetzt an die Medaillons oben in dem Netzgewölbe, die wären genauso zerstört worden, wenn das nicht gebremst worden wäre; auch der Kruzifix, der Korpus wenigstens, ist ja aus vorreformatorischer Zeit. Auch diese Bilder wären vernichtet worden, hätte man die Bilderstürmer gewähren lassen. Aber, indem man die Bilderstürmer abwies, grenzte man sich zugleich ab gegen radikalere Formen der Reformation, die auch in anderen Dingen weitergingen. Überall zogen sie umher und sagten: Die Säuglingstaufe ist wertlos, ja sie ist gotteslästerlich! Ihr müsst euch aus Glauben erneut taufen lassen und müsst euch die strengen Gebote Gottes hundertprozentig auferlegen, euch dazu bekennen - und so breiteten sie die Glaubenstaufe aus. Auch das eine schwere schmerzliche und ein Stückweit auch über`s Ziel hinausgeschossene Entscheidung, die Großtaufe grundsätzlich abzulehnen. Die Reformatoren haben die Großtaufe grundsätzlich abgelehnt. Wir wissen alle, dass wir heute in unserer Kirche mehr oder weniger die Säuglingstaufe, die Kindertaufe und die Großtaufe von Erwachsenen als gleichberechtigte Formen nebeneinander haben, wenn auch die Säuglingstaufe nach wie vor das weit Überwiegende ist. Damals sah man die Kirche untergehen, wenn man diese Freiheit gewährt hätte. Man gewährte sie nicht und grenzte damit auch alle die aus, die das strenge Fürstenregiment, das Obrigkeitssystem ablehnten. Sie waren dieselben, die auch die Glaubenstaufe forderten. Und man grenzte auch die Humanisten aus, etwa Erasmus von Rotterdam, der schließlich eben nicht evangelisch werden wollte, weil er den Menschen einen freien Willen von einer guten Natur aus zuschrieb, während Martin Luther lehrte, der Wille des Menschen sei unfrei und könne nur durch den Heiligen Geist aus einem sündigen in einen guten Weg gebracht werden. Ein Streit, der in dieser Form nach beiden Seiten zu extrem ist. Im Grunde hatten beide irgendwo Recht. Aber es führte zur Ausgrenzung eines breiten Stromes hochgebildeter Menschen. Das muss man auch heute noch bedauern. Aber damals musste man diese Entscheidungen als in der Epoche notwendig sehen. Es ging darum, ein karges Kirchenwesen zu ordnen. Brenz konnte dies in Schwäbisch Hall tun, dann kam der Schmalkaldische Krieg - ich gehe jetzt nicht zu sehr in die Einzelheiten -, Brenz musste sich verstecken, weil ganz Süddeutschland wieder, wenigstens äußerlich, katholisch gemacht wurde. Aber das hielt nicht lange an, dann hat der Kaiser den Krieg verloren und man durfte wieder evangelisch sein. Johannes Brenz kam wieder aus seinem Versteck hervor, und 30 Jahre nach seinem Beginn in Schwäbisch Hall, nämlich jetzt im Jahre 1552, bekam er ein viel größeres Wirkungsfeld - das damalige Herzogtum Württemberg, nicht so groß wie das heutige Württemberg, etwa die Hälfte nur, aber für damals war das ein großes Gebiet. Und er bekam einen Partner, der ihm zum Freund wurde - Herzog Christoph, den Nachfolger Herzog Ulrichs. Und mit dem zusammen konnte er nun in diesem Jahr in aller Ruhe, Schritt für Schritt, das bauen, was viele von uns noch irgendwie aus der Geschichte als das alte evangelische Württemberg kennen: einen Staat mit einer starken Staatsverwaltung, einem starken Herzog - das hat man in all den Jahrhunderten ja spüren dürfen und spüren müssen -, einen Staat, der aber auch der Kirche, so sehr er sie am Gängelband führte, große Aufgaben anvertraute. Die Schule, die neben den Kirchen stand, war unter kirchlicher Aufsicht, und die Pfarrer waren mit den Kirchengemeinderäten, soweit man von solchen sprechen kann damals, für das Schulwesen verantwortlich. Davon versprach man sich, dass dann eben wirklich bis ins letzte Dorf hinein die Schulen auch betrieben und baufsichtigt wurden, und die Leute die Kinder nicht zum Arbeiten zuhause behielten. Das Arztwesen, das bürgerliche Schreiberwesen, alle möglichen anderen Geschäfte, die eigentlich mit der Kirche nichts zu tun haben, hat man der Kirche anvertraut oder aufgebürdet - wie man sagen will. Bis ins letzte Jahrhundert hinein gab es kein Standesamt; ein Kind musste getauft werden, damit die Geburt überhaupt registriert werden konnte, auch wenn die Eltern vielleicht dies eigentlich aus geistlichen Gründen abgelehnt hätten.

Ich sagte gerade, viele kennen das noch - erlebt von uns hat das niemand; denn dieses alte Württemberg ist spätestens mit dem Ende der Monarchie 1918 untergegangen. Und da hat unsere Kirche nun einen weiten Weg antreten müssen, auf dem sie bis heute immer noch ein bisschen hintendrein ist, möchte ich sagen, den Weg, zu einer freien Kirche in einem freien Staat und einer freien Gesellschaft. Das war damals nicht einfach. Man wurde bis dahin ja von den Fürsten gegängelt aber auch geschützt. Und nun musste man sich plötzlich selber wieder neue Ordnungen geben. Da war es ein Glück, dass seit dem 18. Jahrhundert schon die pietistischen Aufbrüche da waren, die ja schon immer eine neue Ordnung der Kirche gefordert hatten, die schon immer das landesherrliche Kirchenregiment abgelehnt hatten mit seinem starken Druck von oben. Der Pietismus war eine Bewegung von unten, er war aber zugleich auch eine Bewegung in der Mitte der Gesellschaft, in der breiten bürgerlichen Schicht, die man früher die Ehrbarkeit nannte. In dieser Schicht von Pfarrern, Lehrern und Beamten hatte der Pietismus seine Stütze und durch sie wurde er auch verbreitet. In dieser Schicht geschahen auch immer wieder neue Aufbrüche bis hinein ins letzte Jahrhundert, wo schließlich die Menschen auch die Geduld verloren und sagten, man müsse auswandern, man kann unter dieser Obrigkeit, unter diesem Druck nicht mehr leben. Wir können uns nicht christlich unser Leben gestalten, wenn wir immer an diese Ordnung gebunden bleiben. Man hat einen Teil der Auswanderer zurückhalten können. Sie sind in Korntal und Wilhelmsdorf zu Brüdergemeinden zusammen gekommen, in denen sie sich selber eine von unten ausgehende christliche Lebensordnung geben konnten. Andere sind von Ludwigsburg über den Kirschenhardthof als Templer ins Heilige Land gegangen. Die Familiengemeinschaft Gebhardt/Paulus/Hoffmann betrifft das ja besonders. Viele sind hinübergegangen zu einer freien Kirche, indem sie sich der Methodistenkirche angeschlossen haben, mit der wir heute geschwisterlich verbunden sind, die aber damals ein absoluter Gegenentwurf gegen die obrigkeitliche Landeskirche war. So kamen viele dieser Punkte, die die Reformatoren ausgegrenzt hatten aus der evangelisch-lutherischen Kirche, von außen oder auch von innen her wieder zurück: die Kirche musste und muss sich reformieren.

Und heute? Wo stehen wir? Es ist schwer zu sagen, weil wir keinen Abstand dazu haben. Es ist heute nicht mehr so schwierig zu sagen: Vor 500 Jahren war die Entscheidung gut und die Entscheidung segensreich -auch im negativen Sinn; aber wenn man mitten im Entscheidungsprozess drin steht, wie wir heute, hat man diesen Abstand nicht, aus dem heraus man da etwas sagen könnte.

Leben wir in einer Zeit der Abbrüche, der Verluste? Ganz sicher. Nicht nur im Glaubensleben und im geistlichen Erbe, auch in unserer Gesellschaft generell wird zwar viel neues Wissen erworben, aber es geht viel altes und wichtiges Wissen über den Menschen verloren, weit Traditionen abbrechen. Wenn wir heute zu unseren Alten in die Altersheime kommen, können wir mit ihnen noch Verse beten. Wie wird das in 50, 60 Jahren sein, mit Kindern, die nie einen Vers wirklich so intensiv auswendig gelernt haben, dass sie ihn ihr Leben lang behalten können? Ich weiss es einfach nicht. Das sind Abbrüche.

Leben wir in einer Zeit des Neuentwickelns? Der eine große Neubeginn, wie in der Reformation, den gibt es ganz bestimmt nicht. Vielleicht ist es ein gleitender Übergang von Abbrüchen und vielen kleinen Neubeginnen. Ich denke schon, dass es Neuanfänge unter uns gibt. Es gibt neue Formen von Gottesdiensten, es gibt eine Flut neuer Lieder, es gibt den Kirchentag, es gibt neue Aufbrüche in Gemeindegründungen - das alles hat noch keine rechte Gestalt angenommen. Wir sind unruhig und wissen noch nicht, wie es weitergehen wird. Wir leiden mehr unter dem Abbruch, als dass wir uns über das Neue freuen könnten. Es geht einfach noch nicht.

Was also sollen wir tun? Ich denke, dass wir in einer großen Ruhe und Aufmerksamkeit unseren Weg als einzelne Christen, als Gemeinde, als Kirche weitergehen müssen. Beten, wachen, arbeiten, das Rechte tun, das Gute bewahren, Neuem Raum geben, auch einmal etwas Altes abschließen damit Neues Raum gewinnen kann - dazu möge uns Gott seinen Heiligen Geist geben. Amen!


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Maria-Paulus-Stiftung (MPS)

35. Jahresbericht zum 31.12.1999

Für das vergangene Jahr ging kein termingerechter Antrag auf Unterstützung aus der Stiftung ein. Deshalb wurde kein Stipendium gewährt, was der Aufstockung des Stiftungskapitals zugute kam.

In Briefen haben sich die frühere Stipendiaten nach abgeschlossenem Studium und Promotion für die Förderung durch die MPS bedankt:
Julia Martin geb. Weiss (518 352 12): "Die eifrigen Bemühungen meines Vaters zur Vorbereitung des diesjährigen Familientages in Kornwestheim lassen meine Gedanken doch noch einmal sehr dankbar zur Maria-Paulus-Stiftung kehren. Auf diesem Wege möchte ich mich noch einmal für die wertvolle, jahrelange Unterstützung bedanken, die mein Studium doch in vielfältigster Weise bereichert hat. Seit März 1999 darf ich nun schon als "Dr. med." die Windeln meines Sohnes wechseln. Seit zwei Monaten hat sich diesen (durchaus bereichernden !) häuslichen Tätigkeiten noch eine 70%-Stelle als Ärztin im Praktikum in der Tropenklinik/Paul-Lechler-Krankenhaus hinzugesellt. Dort erlebe ich einen sehr beeindruckenden Gegensatz zwischen der Tropenambulanz mit all den Würmern, Parasiten und anderen reizvollen Mitbewohnern, die sich die zumeist jungen Patienten als Souvenir mitgebracht haben und den meist höchstbetagten Zeitgenossen meiner Station (geriatrischer Schwerpunkt!)."

Tilman Weiss (518 352 12): "1996 begann ich am Berliner Hahn-Meitner-Institut, ausgestattet mit einem Stipendium der Studienstiftung, mit der Arbeit an meiner Doktorarbeit, die ich am 11.11.99 mit dem Gesamtergebnis "magna cum laude" abschließen konnte. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Untersuchung neuer Materialien für neuartige, preiswertere Solarzellen. Im Dezember 1998 habe ich zusammen mit einem Studienfreund ein Unternehmen gegründet. Sein Name ist "twlux Halbleitertechnologien Berlin AG", hat derzeit neun Mitarbeiter und beschäftigt sich mit der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von neuartigen optoelektronischen Sensoren. Wenn dort aus großen Erwartungen eines Tages große Zahlen werden, werde ich mich an das damalige Stipendium der MPS gerne zurückerinnern. Für mich waren die Unterstützung ein willkommener Zusatz zu meinem Grundauskommen, vor allem aber eine Erinnerung an einen interessanten Teil meiner familiären Herkunft."
 
 
 
 

Guthaben zum 31.12.1999



Wertpapier

Kurs (EUR)

DM

1.

660

Inter-Renta-Anteile

17,15

22.138,04

2.

8

Dekafonds-Anteile

83,89

1.312,60

3.

486

Dekarent-International

17,65

16.155,55

4.


Sparbuch Landesbank-BW


4.403,10



Summe


44.009,29


 
 

Vermögen in US $
1. 59,839 Anteile Kanadische Investment Fund of Fund (FOF)
2. 133,365 Anteile Luxemburgische International Investment Trust (IIT)

Der Erlös aus diesen Anteilen wurde bereits weitgehend ausbezahlt.
 
 
 

Einnahmen 1999

Datum

Wertpapiere und Spenden

DM

23.2.

468 Dekarent-Anteile

823,80

21.7.

Bücher - und CD-Verkauf Familientag

463,00

5.8.

Spende M. Storz

100,00

5.8.

Bücherverkauf

100,00

4.11.

Spende R. und G. Wagner

88,20

4.11.

1 CD Familienarchiv

11,80

17.11.

585 Inter-Renta-Anteile

1.144,16

18.11.

Spende M. Göz

100,00

9.12.

2 CDs Familienarchiv

32,80

29.12.

Vermächtnis F. Steller

3.000,00

31.12.

Zins Sparbuch Landesbank-BW

29,65


Summe

5.893,41


 
 
 

Ausgaben 1999

2.2.

Depotgebühren Landesbank-BW

37,01

24.2.

Kauf von 8 Dekafonds-Anteilen

929,29

6.12.

Kauf von 75 Inter-Renta-Anteilen

1.315,50


Summe

2.281,80


 
 
 
 

Die Entwicklung bei der MPS

Die erfreuliche Steigerung der Spenden, ein Vermächtnis und der fehlende Aufwand für Stipendien hat zu einer weiteren Konsolidierung des Stiftungskapitals geführt.

Für an einem Stipendium Interessierte nachstehend ein Auszug aus der Satzung der MPS:
"Zweck der Stiftung ist die Förderung einer gediegenen Berufsausbildung der Nachkommen des Karl Friedrich Paulus (geb. 23. Mai 1763 in Balingen, gest. 20. November 1828 in Talheim Krs. Tuttlingen) und seiner Ehefrau Beate geb. Hahn (geb. 8. Januar 1778 in Kornwestheim, gest. 24. Januar 1842 in Salon bei Ludwigsburg).
Gesuche um Verwilligung eines Stipendiums können jeweils bis zum Jahresende beim Geschäftsführer eingereicht werden."
Einzahlungen oder Überweisungen werden auf folgendes Konto erbeten:

Konto Nr. 2 611 026 bei der Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01), auf den Namen Dr. Gerhard Struve, Oberer Kirchhaldenweg 82, 70195 Stuttgart, mit dem Vermerk MPS.

Gerhard Struve

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C. Mitteilung von Anschriften

512 15422 Theresia & René Vinatzer-Grüninger, Pilatusblick 41, CH-6015 Reussbühl

512 15423 Sebastian Grüninger & Carol, Gugozstr. 6, CH-8004 Zürich
513 2551 Binder, Hans-Martin, Jahnstr. 17/1, 71229 Leonberg

513 3751 Beutler, Thomas & Kerstin, Zwischen den Wegen 70, 75196 Remchingen

518 272 Hanni Steller, 69 Oleander Crescent, Riverstone NSW 2767 AUS
 
 

Schlusswort

Allen Verwandten und Freunden, die zur Gestaltung dieses Rundbriefes beigetragen haben, sei herzlich gedankt. Unsere Glück- und Segenswünsche wollen wir all denjenigen aussprechen, die einen besonderen Gedenktag feiern.

Den Erkrankten übermitteln wir unsere besten Genesungswünsche.

Werner Paulus, Esslingen a.N.
 
 
 
 

Ehrenvorsitzender: Werner Paulus, Urbanstr. 169 73730 Esslingen Telefon: 0711/3180782
Sprecherin des Vorstandes: Rosmarie Lauber, Sudetenstr. 22, 71263 Weil der Stadt Telefon: 070339676

Schatzmeister: Eberhard Weiss, Agnesstr. 1 70597 Stuttgart Telefon: 0711/7651178

Geschäftsführer der MPS: Dr. Gerhard Struve, Ob. Kirchhaldenweg 82 70195 Stuttgart Telefon: 0711/697000
Archivvverwalter: Dr. Manfred Paulus, Pajola 10 F CH 7240 Küblis Telefon: 081/3323893

Konto der Familienkasse:
Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01) Nr. 7 441 600
Eberhard Weiss, Agnesstr. 1, 70597 Stuttgart

Konto der Maria-Paulus-Stiftung
Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01) Nr. 2 611 026

Dr. Gerhard Struve, Oberer Kirchhaldenweg 82, 70195 Stuttgart


 

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1 Immanuel Philipp Gottlieb Paulus, Unsere Ahnen Seite 33-35

2 Den Brief, aus dem hier zitiert ist, verdanken wir Magdalene Göz