Rundbrief

der

Familiengemeinschaft
 
 

GEBHARDT - PAULUS - HOFFMANN






Nr. 42 Stuttgart Im Juni 2001


 
 
 
 

INHALT
 

A. Bericht vom 126. Familientag

B. Familiennachrichten

Allgemeines

Einladung zum 127. Familientag in Kornwestheim

Einladung zur Familienwanderung 2001

Kassenbericht

Geburten

Eheschließungen

Sterbefälle

Predigt "Leitbild der Kirche: Jesus Christus"

Buchbesprechungen

70 Jahre Familienbuch der Familie Paulus

Erinnerung für die Zukunft

"Schwaben Land und Leute - Mythos und Wirklichkeit"

Bericht vom Familienwandertag 2000

Maria-Paulus-Stiftung

C. Mitteilung von Anschriften

Schlusswort
 
 
 

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A. Bericht vom Familientag

Am Sonntag, den 2. Juli 2000 fand unser 126. gezählter Familientag wieder in Kornwestheim im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus statt. Zuvor war ein Gottesdienst in der historischen Martinskirche. Dieser Gottesdienst war eine Gemeinschaftsveranstaltung besonderer Art: für Herrn Pfarrer Steck war es der letzte mit unserer Familiengemeinschaft, da er Ende Juli in den Ruhestand tritt und die Predigt hielt ein Verwandter von uns aus der Schweiz: Pfarrer Bernhard Brassel über Matth. 13, 44-46: "Der Schatz im Acker - die kostbare Perle". Zwingli ließ grüßen von der württembergisch reformierten Kanzel und dann sang erstmals ein Familienchor einen 4stimmigen Choral von Ernst Gebhardt. "Herrscher der Ewigkeit, König der Zeit, Schöpfer des Weltalls, Licht ist dein Kleid...".

Im Gemeindehaus begrüßte uns dann Werner Paulus und übermittelte uns Grüße von Brix Klaiber, Ingeborg Oberkampf, Hans Paulus, Line Fukas und Dieter Paulus und verlas einen Brief von Frieder Werner.

Das am Vortag aus dem Druck gekommene 100-Seitenbuch von Rudolf Paulus: "Kurze Geschichte der württembergischen Familie Paulus-Hoffmann" wurde zum Kauf angeboten (DM 12,-) und den Jüngeren und Eiligen aus der Familie zum Lesen empfohlen.

Der für Oktober 2000 geplante Familienausflug nach Klosterreichenbach und Baiersbronn wurde angesprochen. Manfred Gebhardt wird ihn organisieren.

Nach dem nunmehr gewohnt guten Essen erging sich ein Teil der Familie frisch gestärkt in Alt-Kornwestheim und im historischen Friedhof. Das schöne, angenehm warme Wetter lud ein zum Bänkchensitzen vor dem Gemeindehaus.

Inzwischen bereiteten die unermüdlichen Küchengeister Tee und Kaffee und schnitten die Kunstwerke guter, mitgebrachter Kuchen auf. Die Helfergruppe bestand diesmal aus: Sigrid und Gerhard Struve, Lore Paulus, Gertrud Paulus, Annegret Bleeser, Nora Hummel, Elisabeth Brassel, Brigitte Hoffmann und Rosmarie Lauber. Das gut genährte Familienvolk sagt herzlichen Dank! - Dann hörten wir gerne den Bericht von Arnold Paulus über ein neues Entwicklungshilfeprojekt in Indien, das von CARDS (=Community and Rural Development Society) durchgeführt wird, was Vision 2020 heißt. Dieses Programm ist vorläufig bis zum Jahre 2020 angelegt und soll durch Vergabe von Kleinkrediten in Höhe von 200 DM an Dalit-Frauen zum Erwerb einer Büffelkuh führen und dadurch in diesen 20 Jahren über 40 000 Dalit-Familien eine zusätzliche Nebenverdienstquelle eröffnen. Der Gewinn, den sie aus Milch, Kälbern und Mist ziehen, ermöglicht die Rückzahlung innerhalb von 10 Monaten und damit Weitergabe an andere Dalitfrauen. Ihre Kinder im Alter von 8-12 Jahren werden dadurch von der Arbeit befreit und können dann unterrichtet werden. Die Dalits sind die Kaste der Unberührbaren; sie nennen sich selbst Dalits = die Zertretenen - aus dem Sanskrit. Annegret Bleeser schildert dann noch zwischenmenschliche Erlebnisse, zum Beispiel, wie die Dalits langsam den Mut entwickeln, einen weißen Menschen zu berühren.

Sie gab noch eine Anregung ganz anderer Art: Die Franz-Marc-Ausstellung in Stuttgart brachte ihr zum Bewusstsein, wie wenig das Erleben im 2. Weltkrieg den Menschen in der Heimat dokumentiert und bekannt ist und sie schlug vor, Briefe und Berichte aus dieser Zeit, auch von Gefallenen zu sammeln,damit sie unter Umständen wenigstens in der Familie herausgegeben werden könnten. Diesem Gedanken schloss sich auch Werner Paulus an. Rudolf Paulus berichtete, dass von offizieller Seite keinerlei Interesse zum Beispiel an Briefen seiner Eltern und Tagebüchern samt Frontfotos seines gefallenen Bruders bestünde. Auch Arnold Paulus unterstützte diese Pläne bewegt.

Anschließend wurde noch die offene Frage eines 2. Nachtrages des Familienbuches besprochen. Dies könnte als gebundenes Buch, in losen Blättern oder in Form einer Computer-Datei, verwirklicht werden . Rudolf Paulus ist bereit, seine gesammelten Daten zur Verfügung zu stellen, trotzdem meinte er, es würde eine Arbeit von 4-5 Jahren beanspruchen, weil viele seiner Datensätze nicht korrekt, unvollständig oder nicht vorhanden sind. Ein Verwandter der jüngeren Generation sollte diese Aufgabe übernehmen. Eberhard Weiss bezweifelt dieses Ausmaß an Arbeit die der Nachtrag bedeuten würde und will sich diesbezüglich mit Rudolf Paulus besprechen. Werner Paulus gab uns als Hausaufgabe, weiter Daten und Berichte zu sammeln und nach jemandem oder mehreren zu suchen (so um 40jährig), die diese Aufgabe übernehmen könnten. Mit dem In-Kauf-Nehmen der Unvollständigkeit steigt die Wahrscheinlichkeit des Erscheinens.

Dieses Mal waren es 53 Teilnehmer. Die Entferntesten reisten aus der Schweiz an: Manfred Paulus und Frau Ursula mit 3 Kindern und Bernhard Brassel mit Frau Elisabeth und seiner Schwester Rosmarie Tholozan aus dem Elsass. Zum Abschluss wurde im Gedenken an unsere letztes Jahr noch so munter teilnehmende, geliebte Dutti Ott der Anfang ihres Lieblingsgedichtes von Helmut Paulus (aus "Die kleine Gartenwelt") vorgetragen: "Am 9. Mai ist Bohnentag" ihr Geburtstag war ja der 9. Mai 1907. Die 5. Strophe endet: "Lass ruhen sie und schlummern schön, Gott schenk dazu das Auferstehen!"

Eva Matthecka
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B. Familiennachrichten
 

Allgemeines

Am Sonntag, den 30. Juli, fand unter großer Beteiligung der Gemeinde in Kornwestheim die Verabschiedung von Herrn Pfarrer DIETRICH STECK statt. Nach dem Festgottesdienst in "seiner" Martinskirche, einer Ansprache des Dekans und sehr beeindruckender Chordarbietungen wurde die Veranstaltung im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus mit Ansprachen, Darbietungen und - wie könnte es auch anders sein bei einer so musikalischen Familie - mit vielen schönen musikalischen Einlagen fortgesetzt. Auch das leibliche Wohl kam mit schwäbischen Maultaschen nicht zu kurz. Es ist uns ein tiefes Bedürfnis, Dietrich Steck am Übergang zu seinem dritten Lebensabschnitt, dem Ruhestand, ganz herzlich für seine große Bereitschaft und Unvoreingenommenheit, uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, zu danken. Elf Jahre, seit 1990, konnten wir nun unsere Familientage im schönen Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus abhalten. Ja, Kornwestheim ist uns in diesen vielen Jahren zu einer wirklichen Heimat geworden. Wir wünschen ihm und seiner Frau viele gesunde und schöne Lebensjahre auf der geliebten Alb. Wir freuen uns, dass er uns am nächsten Familientag quasi zum Abschied noch einen Vortrag halten wird. Wir hoffen sehr, dass wir auch mit seinem Amtsnachfolger, Herrn Pfarrer Rau, zu einem guten und vertrauensvollen Verhältnis kommen dürfen. Für die lange Zeit, in der wir nunmehr das Gastrecht im Gemeindehaus haben konnten, möchten wir heute auch der evang. Kirchengemeinde gegenüber unseren herzlichsten Dank aussprechen.

Am 29. April 2000 widmete das "Schwäbische Tagblatt" eine ganze Seite der 100. Wiederkehr des Geburtstages von HELMUT PAULUS, diesem vergessenen schwäbischen Dichter, unter dem Titel "Von Genkingen nach Chicago - Spurensuche nach dem schwäbischen Dichter Helmut Paulus, der heute hundert Jahre alt geworden wäre". Es ist dies eine sehr gute Betrachtung unseres verehrten "Hapee" aus der Feder von Kurt Oesterle.

Im "Theater-Blättle", dem Informationsblatt des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg e.V., schreibt der Präsident dieses Verbandes, Helmut Kuhn, zum Tode unserer BEATE PAULUS (513 323): "Der Landesverband trauert um Beate Paulus. Am 13. April 2000 verstarb im 85. Lebensjahr Beate Paulus. Wie kaum andere hat sie über Jahrzehnte das Puppenspiel in Baden-Württemberg geprägt. Sie rief das Ruiter Puppenspielertreffen ins Leben und organisierte danach mit Bernhard Morgenstern das internationale Puppenspielertreffen in Ravensburg. Vor zehn Jahren hat sie sich aus dem "Großen Geschäft" zurückgezogen und vorwiegend in sozialen und kirchlichen Einrichtungen gespielt. Hoch geachtet von der nationalen und internationalen Puppentheaterszene waren die Puppen ihr Lebensinhalt. Für ihre Leistungen, vor allem im sozialen Bereich, wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Die Ehrenmedaille des Landesverbandes war ein bescheidener Dank für ihre unermüdliche, immer mit vollem Einsatz geführte Arbeit im "Arbeitskreis Puppenspiel" des Landesverbandes. Wir werden ihr immer ein ehrendes Andenken bewahren."

Am 8. Dezember 2000 wurde im PHILIPP-MATTHÄUS-HAHN-MUSEUM in Albstadt-Onstmettingen eine Ausstellung unter dem Titel "Im Festgewand zum Schattenland" eröffnet, die bis zum 25. März dieses Jahres andauerte: eine Ausstellung archäologischer Funde aus Gräbern und Siedlungen der Bronzezeit. Die hervorragend didaktisch aufgebaute Sonderausstellung konnte, auch mittels Unterstützung des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, seltenste und kostbare Exponate aus Gräbern präsentieren, die vor rund 3500 Jahren auf der Alb im Bereiche Onstmettingen angelegt wurden und von denen einige nach ihrer Entdeckung ins Museum für Vor- und Frühgeschichte Schloss Charlottenburg Berlin gelangt waren. Viele Besucher, hauptsächlich auch Schulklassen, besuchten diese Ausstellung.

Der bisher umfangreichste Band Nr. 18 der Reihe "So war es in Onstmettingen", herausgegeben vom ARBEITSKREIS KASTEN e.V. (Förderverein des Philipp-Matthäus-Hahn-Museums), welcher bei der Ausstellungseröffnung vorgestellt wurde, hat ebenfalls die Thematik der Ausstellung zum Inhalt: "Spurensuche - Archäologische Forschungen in und um Onstmettingen". Hier konzentriert sich der Inhalt besonders auf einen Archäologen, welcher bemerkenswert viel bei den Ausgrabungen geleistet hat, auf den Altertumsforscher und Landwirt JOHANNES DORN (1853-1925). Es wird aufgezeigt, dass dieser Amateurforscher und Autodidakt durch den Kunsthistoriker, Dichter und damaligen Landeskonservator EDUARD v. PAULUS d. J. (FN 523 1) gefördert und bei seinen Forschungen unterstützt worden ist. Dieses Heft ist eine lesenswerte und interessante Publikation.

Die in der vergangenen Winterhälfte durchgeführte Vortragsreihe des SCHWÄBISCHEN HEIMATBUNDES stand unter dem Motto "Schwaben - Land und Leute - Mythos und Wirklichkeit" und hatte in sechs Vorträgen namhafter Persönlichkeiten zum Ziel, das besonders Charakteristische an der schwäbischen Eigenheit herauszuarbeiten, um feststellen zu können, ob es diese überhaupt gibt. Am 6. März 2001 versuchte dies Herr Staatsminister a.D. KARL MOERSCH, Ludwigsburg, mit dem Vortrag: "Der Schiller und der Hegel, der Schelling und der Hauff, das ist bei uns die Regel, das fällt nicht weiter auf", dem berühmten Vierzeiler des Dr. EDUARD PAULUS d. J. (1837-1907) und somit mit der anderen Seite, der Dichterseite, des "Schlurgers" (siehe hierzu auch Rundbrief Nr. 30, 1989, S. 25). Herr Moersch ist ein bekannter Autor einiger viel gelesener Bücher mit heimatkundlichem Inhalt. Eines davon sei erwähnt: "Bei uns im Staate Beutelsbach", welches zwei familienrelevante Kapitel enthält: "Heiliges Korntal" und "Vom Salon nach Palästina".

Der besagte Vers findet sich in dem bibliophilen kleinen Bändchen: "Arabesken" von Eduard Paulus, herausgegeben 1897. Der Redner hat in seinen Betrachtungen dieses Vierzeilers eine zeitkritische kulturgeschichtliche Studie entwickelt, die mit großem Beifall der zahlreichen Besucher bedacht worden ist. Herr Moersch hat uns erlaubt, seine Ausführungen in unserem Rundbrief allen Verwandten zur Verfügung zu stellen. Sie sind daher diesem Rundbrief beigegeben. Herzlichen Dank dafür!

Am 1. März 2000 hat unser Archivverwalter, DR. RUDOLF F. PAULUS (513 384) mitgeteilt, dass er das Familienarchiv seinem Sohn MANFRED PAULUS (513 384 2) in Schiers (Schweiz) übergeben hat. Da dies im letzten Rundbrief nicht besonders erwähnt wurde, soll diese Mitteilung nachgeholt werden. Vetter Rudolf hat durch viele Jahre unser Familienarchiv verwaltet, welches er von seinem Vater, Dr. Ernst Arnold Paulus (513 38) übernommen hatte. In treuer Arbeit hat er die vorhandenen Bestände gesichtet, inventarisiert und durch Vorträge, Berichte und Hinzukäufe vermehrt. Diese keineswegs leichte, sich selbst auferlegte Tätigkeit, war ohne Zweifel auch mit persönlichen finanziellen Einbußen verbunden. Wir danken Rudolf ganz herzlich für die treue, lange und unermüdliche Arbeit, die unserer ganzen Familiengemeinschaft zugute gekommen ist!

Die Anschrift des nunmehrigen Archivverwalters ist:

Dr. Manfred Paulus, Garglasweg 39, Ch-7220 Schiers

Tel.: 0041 81-32817 47
Fax: 0041 81-30755 77
E-Mail: manfred@paulus.com


Wir wünschen Manfred bei der Fortführung der Tätigkeit seines Vaters viel Erfolg!
 
 

Fünf Besuche aus Übersee, die uns bekannt wurden, sind im Berichtszeitraum zu vermelden:

Im Mai 2000 weilten JON und PHUONG BREISCH (518 243 11) aus Australien auf ihrer Hochzeitsreise einige Zeit in Europa und in Deutschland.

In der ersten Augustwoche konnten Mrs. QENNEFER BROWNE aus Thander Bay, Ontario, Kanada, sowie die Tochter SYLVIE BROWNE LÖRCHER mit ihrem Mann KERSTEN LÖRCHER und den beiden Kindern aus Troy, NY, USA, in Reutlingen und Maulbronn weilen. Qennefer Browne ist die Tochter von Emanuel Hahn (FN 531 28, 1881-1957), einem sehr bedeutenden Künstler Kanadas (siehe Rundbrief Nr. 40, S. 20). Von ihm existieren heute noch Umlaufmünzen in Kanada. Tochter und Enkeltochter konnten noch das Haus in Reutlingen sehen, in welchem Immanuel Hahn bis zur Auswanderung der elterlichen Familie in Reutlingen wohnte.

ROBERT STERLING (512 312 12) aus Kalifornien weilte von 26. August bis 10. September in Europa, anlässlich einer Fortbildungsveranstaltung in Holland, und besuchte vom 7. - 10. September Süddeutschland. Es besteht die Aussicht, dass Robert Sterling auch an diesem Familientag, am 1. Juli 2001, in Kornwestheim unter uns weilen kann.

THEA HESS (518 341 1), ebenfalls aus Australien, konnte im Oktober letzten Jahres ihre Verwandten in Nürtingen besuchen. Dadurch konnte Thea auch bei unserer Herbstwanderung in Klosterreichenbach dabei sein.

In den letzten Märztagen dieses Jahres konnten wir HERBERT HOFFMANN (518 322 2), auch aus Australien, in Stuttgart begrüßen. Herbert wird längere Zeit hier weilen, da er eine große Reise unternimmt, die ihn auch nach Nordafrika führt. Er wird mit Sicherheit am 1. Juli 2001 beim 127. Familientag in Kornwestheim anwesend sein.

Abschließend sei noch einmal nachdrücklich daran erinnert, uns bestehende E-Mail-Adressen mitzuteilen, die wir bei einer dringend notwendigen neuen Auflage unserer Anschriftenliste dann mit aufnehmen können.

Es soll auch hingewiesen werden auf den Umzug unserer Internetseiten zu www.gebhardt-paulus-hoffmann.org . Wer mit einer Email-Adresse der Form name@gebhardt-paulus-hoffmann.org erreichbar sein will, soll sich mit jens.paulus@gebhardt-paulus-hoffmann.org in Verbindung setzen

Werner Paulus
 
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Einladung zum Familientag

Wie die Jahre zuvor treffen wir uns auch in diesem Jahre wieder im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus in Kornwestheim, Kirchstraße 17, zu unserem 127. Familientag am Sonntag, den 1. Juli 2001:

9.30 Uhr Evang. Martinskirche: Gottesdienst

10.45 Uhr Ph.-M.-Hahn-Gemeindehaus. Begrüßung durch Werner Paulus, anschließend Berichte über:

Genealogie: Eberhard Weiss, Manfred Paulus Maria-Paulus-Stiftung: Michael Göz Erfassung von Dokumenten gefallener Soldaten: Annegret Bleeser Nachrufe und Familiennachrichten

11.30 Uhr gemeinsames Mittagessen

13.00 Uhr Gang durch Alt-Kornwestheim

14.00 Uhr Vortrag von Pfarrer Steck zum Thema: Das "Tausendjährige Reich Christi" - eine biblische Vision und ihre Nachwirkung

ab 14.30 Uhr gemütliches Zusammensein bei Kaffee und Kuchen

Wie alljährlich bitten wir wiederum um Kuchenspenden. Wir hoffen und wünschen, dass diesem Familientag wegen seinen interessanten Themen und seinen wichtigen Diskussionen und Entscheidungen ein reger Besuch zuteil wird!

Im nächsten Jahr wird der Familientag am 30. Juni 2002 in Kornwestheim stattfinden.
 

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Einladung zur Familienwanderung

am Sonntag, den 23. September 2001

  Unser diesjähriger Wandertag führt uns ins Zabergäu zum Städtchen Güglingen. Das Zabergäu, eingebettet in die Höhenzüge des Strom- und des Heuchelberges, ist eines der klimatisch günstigsten Gebiete Württembergs, wovon hervorragende Produkte des Acker- und Weinbaus zeugen. Güglingen ist leicht über die A 81 zu erreichen: Ausfahrt Ilsfeld, dann Richtung West über Lauffen, Brackenheim.

Treffpunkt: Mauritiuskirche in Güglingen, 10 Uhr zum Gottesdienst.

Anschließend an den Gottesdienst werden wir durch die Kirche geführt werden. Im Anschluss daran ist - genügende Beteiligung vorausgesetzt - eine Stadtführung vorgesehen. Danach wollen wir zum ca. 3 km entfernten Grillplatz auf dem Meisenberg wandern und dort vespern. Der Weg ist gut und nicht allzu steil. Hier hat man einen herrlichen Blick über das Zabergäu bis hinüber zum Michaelsberg, Brackenheim und zum Schloß Stocksberg, aber auch die Zaber aufwärts.


Stadt Güglingen

Nach der Grillpause wird uns Erwin Combé, Vetter von Gertrud Paulus, vom Weinbau im Stromberg berichten und uns beim Hinuntergehen durch die Frauenzimmerner Weinberge führen. - Kinder könnten auch den Freizeitpark Tripsdrill oder das Wildparadies Stromberg besuchen. Es soll dies alles nicht vorgeplant werden; wir können uns vor Ort für das eine oder andere entscheiden. Hauptsache wir erleben einen schönen und interessanten Wandertag!

Güglingen ist ein reizvolles Städtchen mit ca. 6 500 Einwohnern. Es wurde erstmals im Jahre 1188 erwähnt und hat in seiner Geschichte nicht nur Not- und Kriegszeiten mit all dem Schrecklichen was damit verbunden ist erleben müssen, sondern es musste Mitte des 19. Jh. in neun Jahren noch zehn Stadtbrände erleiden, wobei der Brand von 1849 weit mehr als die Hälfte der Häuser in Schutt und Asche legte, auch die Stadtkirche.

Unter Erhalt der äußeren alten Form stellt die Mauritiuskirche heute ein modernes Gemeindezentrum dar, wie auch die geglückte Synthese zwischen noch erhaltener alter Substanz und modernen Baustrukturen die Stadt Güglingen in vorbildlicher und sehenswerter Weise auszeichnet.

In Güglingen betrieb der Apotheker Immanuel Hahn (1773 - 1833) die Stadtapotheke und nach seinem Tode sein Sohn Franz. Immanuel Hahn war ein Halbbruder von Beate Paulus, denn er war der jüngste Sohn Philipp Matthäus Hahns aus erster Ehe. Drei Buben von Beate, Fritz (512), Wilhelm (513) und Philipp (514) konnten hier ab 1819 die gute Lateinschule besuchen, was den Grundstock ihres späteren Werdeganges bildete. Wilhelm konnte im Anschluss an die Schule bei seinem Onkel eine Apothekerlehre machen.

Jahre später, im Jahre 1844, heiratete in Korntal ein weiterer Sohn von Beate Paulus, Christoph, die Tochter Maria des Güglinger Apothekers; sie wurden die Vorfahren unseres Familienstammes 515.

Arnold Paulus/Werner Paulus
 
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Bücher zur Familiengeschichte

die beiden Titel zu unserer Familiengeschichte:

"In Erwartung der Königsherrschaft Christi"

"Beate Paulus - Was eine Mutter kann"
 
sind weiterhin erhältlich und können bei Werner Paulus und am Familientag bezogen werden, ebenso weitere familiengeschichtliche Publikationen.

 

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Kassenbericht zum 31. Dezember 2000

 


DM
Guthaben auf Girokonto per 31.12.1999
2.086,48
Kassenstand per 31.12.1999
0,00
Sparbuchstand per 31.12.1999
10.397,86
Summe Guthaben per 31.12.1999
12.484,34

 
 

Einnahmen in 2000
 
 


DM
Beiträge
1.591,33
Verkauf von Büchern
1.044,00
Zinserträge
340,55
Sonstige Einnahmen
0,00
Summe Einnahmen
2.975,88

 
 

Ausgaben in 2000
 
 


DM
Kontoführungsgebühr
66,10
Rundbrief
543,17
Druckkosten
1.105,74
Porti
400,00
Summe Ausgaben
2.115,01

 

Einnahmen ./. Ausgaben in 2000 DM 860,87
 
 
 
 


DM
Guthaben auf Girokonto per 31.12.2000
1.730,80
Kassenstand per 31.12.2000
0,00
Sparbuchstand per 31.12.2000
11.614,41
Summe Guthaben per 31.12.2000
13.345,21

 
 

Der Kontostand in Australien betrug am Jahresende 2000 AUS $ 2.078,00
 

Die Konten der Familienkasse:

Deutschland und United States of America: Eberhard Weiss, Agnesstr. 1, D-70597 Stuttgart
Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01) Nr. 7 441 600

Australien: Werner Struve, 10 Barry Street, Moorabbin, Victoria 3189

ANZ Bentleigh Progress-Savings Account No. 5871-79248
 
Der Beitrag beträgt ab 2002 mindestens 10,00 Euro

 

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Geburten
 
 
16.11.97
Elsa Lina Marjatta Effe (513 121 34) Oulu FIN Eltern: Gottfried und Marja Effe
23.10.98
Livia Elena Böttinger (513 382 24) Waiblingen Eltern: Dr. med.dent. Hans und Elke Böttinger
22.03.99
David Manuel Köster (518 451 44) Rottenburg Eltern: Sibylle und Hermann Köster
10.05.99
Martha Frieda Aurora Effe (513 121 35) Oulu FIN
Annimaria Ilona Felicitas Effe (513 121 36) Oulu FIN
Eltern: Gottfried und Marja Effe
11.09.99
Beate Ursula Zywietz (518 454 11) Ludwigsburg Eltern: Dorothee und Martin Zywietz
30.03.00
Jacob Kane Werner (516.922 31) Colorado Springs USA Eltern: Matt und Renée Werner
17.09.00
Charlotte Hun Breisch (518.243 111) Niddrie, Vic., AUS
Kelilah Phoenix Breisch (518.243112) Niddrie, Vic., AUS
Eltern: Jon und Phuong Breisch
01.12.00
Katja Elsa Hesse (518 255 42) Melbourne, Vic. AUS Eltern: Annette und Hein Hesse
06.01.01
Sebastian Sutterby (518 243 211) Melbourne Eltern: Diana und Stuart Sutterby,Vic. AUS
20.02.01
Richard Alexander Wahlen (513 121 311) Berlin Eltern: Catrin und Kay Wahlen

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Eheschließungen
 
 
28.12.96
Tübingen, Sibylle Roth (518 451 4) und Hermann Köster
06.06.98
Oulu FIN, Gottfried Effe (513 121 3) und Marja Pohjola
19.02.00
Kemi FIN, Catrin Saimi .Annemarie Effe (513 121 31) und Kay Wahlen
03.03.01
Santa Barbara CA USA, Anne Sterling (512 312 11) und Michael Beckner


Herzlichen Glückwunsch!

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Sterbefälle

Im Berichtszeitraum wurden zwei liebe Familienglieder abgerufen. Die Lebensberichte von Waltraut Goedecker (512 621) und Ursel Schlau (516 732) wurden uns von Angehörigen der Heimgegangenen übermittelt:

Waltraut Goedecker geb. Schmelzle (512 621)

* Mitteltal 10. Februar 1924 + München 9. November 2000
Meine Mutter Waltraut Goedecker war zeitlebens ein Kind des Schwarzwaldes. Ihr Vater Ernst Schmelzle war eine bedeutende Persönlichkeit in Baiersbronn-Mitteltal. Er hatte ein Sägewerk sowie ein Holzhaus- und Holzakkustikplattenunternehmen. Ihre Mutter Clara Schmelzle geb. Paulus war die zweite Ehefrau von Ernst Schmelze nach dem Tod seiner ersten Frau. Aus dieser ersten Ehe waren drei ältere Stiefgeschwister da. Waltraut Goedecker verbrachte eine sehr schöne und sorgenfreie Kindheit in ihrem Elternhaus. Vor allem auch die materiellen Sorgen weiter Bevölkerungskreise in dem damals noch sehr armen Schwarzwaldtal waren ihrem Elternhaus fremd. Nach der Grundschule in Mitteltal besuchte sie das Kepler-Gymnasium in Freudenstadt wo sie 1942 das Abitur ablegte. Die Wirren der Nazi- und Kriegszeit hatten ihren Lebensweg bis dahin nicht stark behindert. Die Hitlerjugend war in ihrem Heimatort eher unpolitisch und ist ihr durch schöne Wanderungen und gemeinsame Abende sogar in überwiegend positiver Erinnerung geblieben. Ihr ersehntes Studium konnte sie jedoch dann nicht gleich antreten. Statt Studium folgte der Arbeitsdienst sowie die Pflege des Vaters der einen Schlaganfall erlitten hatte und gelähmt war. Das Kriegsende erlebte sie somit auch in Mitteltal. Zum Glück verhielten sich die französischen Besatzungstruppen äußerst korrekt und die Familie hatte gute ja sogar freundschaftliche Kontakte mit den französischen Offizieren die mit im Haus wohnten.

Ende 1946 konnte sie dann endlich ihr Studium am Dolmetscher Institut in Heidelberg beginnen. 1947 belegte sie als erste deutsche Studentin nach dem Krieg in Frankreich einen Ferienkurs an der Universität in Nancy. Nach Beendigung ihres Studiums arbeitete sie einige Jahre als Dolmetscherin für eine deutsch-französische Rückversicherung. 1952 verheiratete sie sich mit Günther Goedecker und zog nach München, wo dieser eine Maschinenfabrik leitete. Die Erblindung ihres Mannes legte ihr große Bürden auf. 1961 wurde ihr einziger Sohn Stefan geboren. Drei Jahre nach dessen Geburt verstarb ihr Ehemann. In den folgenden Jahren widmete sie sich ganz der Erziehung ihres Sohnes sowie auch der Pflege ihrer Mutter Clara, die 1975 hochbetagt verstarb.

1993 entschloss sie sich nochmals umzuziehen. Sie gab das Haus in München, dessen Pflege ihre nachlassenden Kräfte überstieg, auf und zog in eine kleine Wohnung in dem landschaftlich so reizvollen Murnau am Staffelsee, südlich von München. Sie fand dort auch noch neue Freunde, blieb aber auch mit ihren alten Bekannten in München im Kontakt. Diese ansonsten sehr schöne Zeit in Murnau wurde durch mehrmaliges Aufflackern einer alten Krebserkrankung getrübt. Sie kämpfte jedoch sehr tapfer und auch erfolgreich gegen die Krankheit und konnte größtenteils einen normalen Lebenslauf führen. Sie machte auch noch oft Reisen, die letzte Italienreise lediglich zwei Monate vor ihrem Tod. Ende Oktober 2000 flackerte der Krebs nochmals auf. Diesmal versagte die ärztliche Kunst und sie verstarb am 9. November im Klinikum Großhadern in München. Ihre Beisetzung erfolgte auf dem Friedhof in ihrem Geburtsort Mitteltal.

So hat sich der irdische Lebenskreis meiner lieben Mutter im Schwarzwald in ihrem Heimatdorf geschlossen.

Stefan Goedecker

Ursula Schlau geb. Ott (516 732)

*Essingen bei Aalen 27. September 1933 + Winterbach 16. November 2000
Unsere Schwester Ursel wuchs in unserem fünfköpfigen Geschwisterkreis zuerst in Essingen, dann im Reichenbacher Pfarrhaus auf. Sie wurde von uns allen sehr geliebt. Sie war ja auch eine so liebevolle und getreue Schwester zu uns allen, bis zu ihrem Tode. Liebe und Treue waren zwei, ihrer besonders ausgeprägten Eigenschaften. Nicht nur unseren Eltern und Geschwistern, sondern auch ihren Patenkindern und Freundinnen gegenüber.

Nach ihrem Abschluss im Fröbelseminar arbeitete sie an mehreren Stellen als Kindergärtnerin. Als unsere Eltern zu Vaters letzter Arbeitsstelle als Klinikseelsorger nach Tübingen gingen, zog es auch sie hinterher. In Tübingen arbeitete sie mit viel Freude am dortigen Philosophischen Seminar. Doch dann ergriff sie die einmalige Gelegenheit zu einer Zusatzausbi1dung, nach deren Abschluss sie als Werk- und Zeichenlehrerin der schorndorfer Daimler-Realschule arbeitete. Dort konnte sie ihre eigenen künstlerischen Fähigkeiten und ihre große Kreativität einsetzen und persönlich weiterentwickeln. In dieser Zeit erschien in der Franckh'schen Verlagsanstalt ein kleines Werk von ihr: "Gestalten mit Ton - Töpfern ohne Scheibe".Über 20 Jahre war sie, bis zu ihrem Ruhestand, dort tätig.

Auf dem Paulus-Familientag lernte sie Karl-Otto Schlau kennen, der über Hanna Baumann (2. Frau von 516) auch zu diesem Kreis gehört. Sie fanden sich zusammen zu einer über 20 Jahre dauernden sehr glücklichen Ehe. Dadurch wurde unsere "Ursel" zu "Ulla". Neben ihrem Beruf fand sie noch die Zeit, ihren Mann tatkräftig bei seinen Recherchen und daraus folgenden Buchausgaben über das Baltikum, insbesondere über Karlos Heimatstadt Mitau zu unterstützen. Daneben fanden sie auch noch die Zeit, viele schöne gemeinsame Reisen zu unternehmen.

Ihre letzten fünf Lebensjahre waren überschattet durch ihre schwere Krankeit, der sie sich tapfer entgegenstellte. Doch zuletzt behielt diese die Oberhand, nur zehn Monate nach dem Tode unserer Mutter.

Viele Menschen, insbesondere aber ihr Mann und wir Geschwister können es nur schwer fassen, unsere geliebte Ursel-Ulla nicht mehr bei uns zu haben.

Magdalena Göz geb. Ott
 

Unsere herzlichste Anteilnahme gilt den schwer geprüften Verwandten und deren Familien.

Werner Paulus


Ohn` Dich wir hätten keinen
Der uns hier trägt und hält.
Wir aber sind die Deinen
Vom Anbeginn der Welt.
Du bist der große Treue
Im Leben und im Tod.
Wir bergen uns auf's Neue
In Dir, Du unser Gott!
Arno Pötzsch

 

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Predigt von Pfarrer Bernhard Brassel (512 154 3)

Leitbild der Kirche: Jesus Christus

Matthäus 13,44-46 "Der Schatz im Acker" - "Die kostbare Perle"

Christus spricht:

"Das Himmelreich ist gleich einem verborgenen Schatz im Acker, den ein Mensch fand. Und er verbarg ihn dort wieder. Und aus Freude über denselben ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und er kaufte damit jenen Acker.

Wiederum ist das Himmelreich gleich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Als er aber die Eine besonders kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und er kaufte damit jene Einzigartige."

Die Bibel zeigt uns einen großen Reichtum von verschiedenen Menschentypen und -Schicksalen: Jesus hat sie alle geliebt. Kann das nicht in uns das Vertrauen wecken, dass auch jedes von uns heute einen Platz in Gottes Herzen findet? Da war zum Beispiel jener forsche und begeisterungsfähige Jünger Petrus, aber gleich daneben auch jener zaudernde andere Jünger Thomas; hier die geschäftige Martha, und dort ihre so besinnliche Schwester Maria; hier jener reiche Jüngling, welcher so sehr nach dem innersten Lebenssinn gesucht hat, und sich dann im entscheidenden Augenblick trotzdem nicht entschließen konnte, Jesus zu folgen. Auch von ihm heißt es ausdrücklich, dass Jesus ihn "lieb gewann"! Und jetzt dieser Bauer im Gleichnis: Der sucht überhaupt nichts, aber er handelt dann trotzdem kurz entschlossen! Irgendwo in diesem reichen Spiel von Typen und Schicksalen sind wir alle vertreten, du und ich. So hilft uns Jesus Christus, in diesem Gleichnis uns selbst zu entdecken.

Wie finden wir denn Gottes Welt, das "Himmelreich"? Wie finden wir den verborgenen "Schatz im Acker"? Jesus zeigt uns zuerst Gott ist "verborgen". Für unsere Sinnesorgane, Gedanken und Gefühle liegt das Kostbarste nicht offen da, so wenig wie jener Schatz für den Bauern. Von meinem Auto kann ich sagen: 'Schau, dort ist es!' Oder: Ein gut gebratenes Rindsfilet macht heute unser Mittagessen besser - bombensicher! Aber was ist für uns bei Gott so bomben-sicher? Gibt es denn nicht für uns in dieser Welt so manche Rätsel? Warum hat Jesus Christus für sich gerade nicht den öffentlichen Weg des Triumphs gewählt? Warum setzte er nicht seine Legionen von Engeln mit dröhnendem Marschtritt in Bewegung? Warum betrat er gerade nicht die breite Straße des Erfolgs? Seine Jünger hätten wohl gejubelt: Oh, Herr Ministerpräsident Petrus, Herr Finanzminister Jakobus, Herr Generalfeldmarschall Judas! Ja, warum gerade nicht? Ihr verborgener König geht den andern Weg. Zuerst als bitter armes Flüchtlingskind. Und dann reift er zum Mann heran im winzigen Provinzkaff Nazareth, wo Füchse und Hasen einander 'gute Nacht' sagen. Er tröstet die Traurigen. Er segnet hilflose Kinder, legt Verzweifelten die Hände auf. Er lebt und leidet mit den Sündern und stirbt zuletzt am Kreuz, verraten, verspottet, einsam, grauenhaft. So wird er unser Bruder - gerade dort, wo wir scheitern und am Ende schließlich sterben. So will er uns begegnen, gerade dort, wo wir, vielleicht noch ganz verborgen, selber arm und elend sind. Gerade dort will er dabei sein. Dort macht er sich für uns noch ärmer, als wir selber jemals sind. Auch ich muss manchmal auf einem Weg ganz unten durch. Aber er trägt mich hindurch. Er schrie für mich die tiefste Not heraus. So bleibt er mein Bruder auch in meinen dunkelsten Stunden. Er hält mich über dem Abgrund. Er lässt mich niemals fallen.

Deshalb ist er in dieser Welt "verborgen". Er ist nicht auf den breiten Straßen von Erfolg und Macht zu finden. Er ist für uns Menschen der heimliche König, weil er auch dort an jenen äußersten Grenzen "unser Bruder" bleiben will. Dabei wird er aber nicht zum Spießgesellen unserer Sünden: Er will uns aus ihnen heraushelfen Ob Jesus z.B. übermächtige und nur zum Schein 'christliche' Staaten und Wirtschaftsmächte will, erscheint im Licht der Bibel mehr als fraglich. Und ob er jemals so professionell organisierte Kirchengebilde will, nach weiß nicht was für Mustern jener Staats- und Wirtschaftsmächte, eine Art von sog. 'Non-Profit-Organisationen', ist unvorstellbar, wenn wir uns an die Worte Jesu halten. Er sagt:

"Wenn jemand unter euch groß sein will, so sei er euer Diener!"

Er nimmt selbst die Schürze eines Sklaven und wäscht seinen Jüngern
die staubigen Füße, mit den Worten (Mt 20,28):

"Ich bin nicht gekommen, mir dienen zu lassen, sondern zu
dienen und mein Leben hinzugeben als Lösegeld für Viele."

Hier leuchtet klar die eine Perle auf: Jene einzigartig kostbare Perle ist der Herr Christus mit seiner leuchtenden Liebeskraft für uns Menschen. Wer diesen Herrn und seine tiefe Liebe zu uns findet, kann nicht länger hemmungslos den eigenen Vorteil suchen wollen. Wer diese Perle Jesus Christus lieb gewinnt, wird im Gottesvolk immer mehr Schwester oder Bruder werden. Der uneigennützige Dienst wird mehr und mehr für ihn zur großen Freude. Er oder sie wird nicht länger Andere herumdirigieren und beherrschen wollen. Da hebt nun eine stille Verwandlung an, wie sie uns Jesus anzeigt, wenn er sagt:

"Einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder" (Mt. 23,8).

Oder eben: "Schwestern"! Das und nichts Anderes ist Kennzeichen und Leitbild einer echten christlichen Gemeinde: Jesus Christus ist für sie die einzigartig kostbare Perle - ER, der von den Toten auf-erstanden ist, der "bei uns ist jeden Tag bis ans Ende der Welt" (Mt. 28,20). Er möchte, dass wir ihm begegnen. Mit seiner Liebe will er uns verwandeln. Er möchte, dass wir den verborgenen Schatz zu unserem eigenen machen. Wir dürfen die einzigartig kostbare Perle lieb gewinnen: Jesus Christus ganz persönlich.

Aber was ist jetzt mit dem "Acker" gemeint? Der Acker, in dem der Schatz verborgen liegt, ist nichts Anderes als unser Leben. Hier in unserm Leben ist Gott genau so verborgen, wie dort jener Schatz im Acker. Wie oft ist doch diese kostbare Perle in irgend einem Schmerz verborgen, der uns so plötzlich überfallen kann. Etwa in bedrohlichen Krankheitszeiten; oder am Grab eines geliebten Menschen; oder wenn Menschen uns bitteres Unrecht antun: Ja, gerade dort ist Jesus dabei, vielleicht noch ganz verborgen. Gerade dort will er uns begegnen. Im Leid will er uns segnen. Gerade dort sind wir von ihm hindurch getragen.

Der Landarbeiter auf dem Acker war wohl nicht schlecht erschrocken, als sein Pflug so unerwartet auf einen solch harten Widerstand auffuhr. 'Oh dieser verfluchte Stein!' Genau so werden wahrscheinlich auch wir schimpfen - aufbegehren über einen solch harten Brocken: Oh diese sinnlos scheinenden Klötze, die uns das Schicksal zwischen die Beine wirft! Und dann entpuppen sie sich unversehens als ein zuvor gut verborgener Schatz: Dort liegt die Perle, die jetzt auf uns wartet!

Hat nicht schon oftmals just in schweren Zeiten jene geheimnisvolle Perle aufgeleuchtet? Mir ist es in einer schwierigen Spitalzeit so ergangen. Im Rückblick kann ich heute auch die Zeit der Trauer über meine junge, früh verstorbene erste Gattin nicht mehr anders sehen. Vielleicht noch unter schwerem Schock, doch gerade dann durften wir etwas von einem Trost erfahren, von dem wir in sicheren Tagen noch keine Ahnung hatten. Könnte nicht solche Durchhilfe in schweren Stunden unseres Lebens ein einziger Aufruf sein, das Vertrauen in Gottes Liebe neu zu wagen? Die kostbare Perle ist sehr oft im Schmerz verpackt. Der Schatz liegt im zerpflügten Acker, gerade dort, wo wir auf harte Brocken stoßen.

Und noch etwas zeigt Jesus uns im Gleichnis: Dieser Mann bringt jedes Opfer, um nun diesen Schatz auch zu gewinnen. Und der Kaufmann opfert für jene einzigartige Perle sofort alle andern. Sie geben dafür einfach alles her - sogar wenn Andere denken: 'Nein, die spinnen!' Sie rufen aus, weil beide tun, wovon Andere höchstens träumen, und was sie niemals täten. Jener reiche Jüngling z.B. hat es damals wie so viele Andere nicht gewagt, für Jesus und seine Liebe alles herzugeben. Da wird auch für uns ein heikler Punkt berührt. Jesus Christus sagt uns: Auch Gott wird Dir niemals einfach nach-geworfen. Er gehört nicht zum billigen Plunder. Alles Gute hat seinen Preis in dieser Welt. Gott kostet uns etwas. Wenn wir anerkennen, dass Gott nicht nach dem unter uns vergötterten Leistungsprinzip handelt, sondern dass alles Heil seiner unbeschreiblichen Gnade entstammt, so hat Gottes Gnade trotzdem nichts mit jener gebratenen Taube zu tun, die einem von selber in den Mund fliegen soll. Der Glaube beginnt in unsern Tagen wieder etwas zu kosten. Christen werden in Europa zur Minderheit, vielleicht sogar in der Großorganisation, die sich 'Kirche' nennt, auch wo sie ihren Herrn verrät. Zwar ist es vielleicht da und dort noch beinahe windstill. Doch das Donner-grollen kündet Sturm an. Es mahnt uns deutlich: "Entweder- Oder!"

"Entweder - Oder!" Das gilt zuerst im persönlichen Leben: Will ich aus Liebe zum Herrn persönliche Opfer bringen? Was war mir bis jetzt noch wichtiger als Jesus Christus? Mein Lebensstil? Oder auch eigene Vorteile auf Kosten eines andern Menschen? Ein paar Gewinn maximierte Aktien auf Kosten einer Arbeitsstelle im Land oder in der ach so fernen dritten Welt? Ein Trick oder eine Manipulation der Wahrheit für eigenen Erfolg und Ehre? Will ich im Dienst seiner Liebe auf solches verzichten? Wir alle haben dazu wahrhaftig Hilfe nötig: Ohne eine lebendige Verbindung mit Jesus Christus wird nichts gehen: Im betenden Gespräch mit ihm, indem wir sorgfältig auf seine Botschaft horchen und uns von ihm leiten lassen! Nicht wahr - im andern Fall stürzen doch das Vertrauen und die Liebe in uns ab, wie ein Computer bei Stromausfall abstürzt. Es sind im Sturm schon wahre Glaubenseichen umgefallen, wenn die Wurzeln schwach und die Blätterkrone sich allzu üppig entfaltet hatte: Bei Jesus Christus fest verwurzelt bleiben, darauf kommt es in den Stürmen an!

"Entweder - Oder!" Und das nicht weniger in der Kirche. Haben wir auch "unsere Herzen beim Herrn", wie es in der katholischen Messliturgie so klar heißt? Lassen wir Ihn mitten unter uns sein? Im Gottesdienst? Im Aufbau der Gemeinde? Oder sind uns unsere persönlichen Befindlichkeiten und Erfolge wichtiger? "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon" (Mt. 6,24)! mahnt uns Jesus.

Entweder mit Jesus Christus eine Vertrauens- und Liebesgemeinschaft - oder dann eben nur eine zusammengebastelte Organisation mit Vorgesetzten, Funktionären und Beamten zur Befriedigung sogenannter 'religiöser Bedürfnisse' mit einem Kirchenvolk, das Gefahr läuft, von diesem Apparat völlig dominiert und manipuliert zu werden. "Entweder-Oder!" Die gute Alternative wäre eine Gemeinde von Schwestern und Brüdern, mit dem auferstandenen Christus "mitten unter ihnen" (Mt.18,20; Mt 28,20). In einer solchen Gemeinde lernt jedes Glied das andere achten. Niemand wird im Stich gelassen. Jedes Glied hilft jedem, wagt dabei, auf Eigenruhm und materielle Vorteile zu verzichten. Das gehört zum Grundbestand des christlichen Lebens: Traurige Sache, das Verzichten? Weit gefehlt! In einem solchen Gesicht ist Freude abzulesen: im Gleichnis steht, er sei aus Freude hingegangen, alles Andere zu verkaufen. Er habe keine Leidensmiene aufgezogen, weil man jetzt aus dem Glauben eben seine Konsequenzen ziehen müsse. Nein! Der Glanz der einzigartig kostbaren Perle verändert Herz und Augen. Die Perle macht ihm so viel Freude, dass er kaum mehr an die früheren Perlen denkt! Wie anders sieht doch mein Mitmensch aus, wenn in meinem Leben Jesus Christus aufleuchtet! Sind wir denn nicht beide von ihm geliebt? Auch mein Mitmensch trägt diesen heimlichen Schatz in sich. Auch er trägt so etwas wie eine goldene Kette unter seinem noch befleckten Hemd. Oh, wir beide haben diesen Schatz, die kostbare Perle Jesus Christus nötig, ganz besonders, wenn wir uns bis jetzt nicht leiden konnten!

Da merken wir: Wer Jesus Christus finden darf, wird frei zur Freude. Der Zwiespalt, welcher das Gemüt zerfraß, wird heilen.

Wenn Jesus sagt: "Nur Weniges ist Not" (Lk. 10,42)!" so will er uns helfen, das Andere freudig loszulassen, was uns noch von ihm ablenkt. Es ist sein Ruf zum Frieden.

Denn dort, bei ihm, werden uns die ruhigen Augen und ein langer Atem von Menschen zuteil, welche sich in Ängsten und Sorgen nicht mehr aufzureiben brauchen. Es gelingt uns dann öfters, zurück-zustecken, wo die Welt gedankenlos mittanzen würde. Wir lernen wieder lachen, wo man sonstwo die Nerven verliert. - Sind heute unsere Augen ob dem Gleichnis Jesu wieder heller geworden? Kehrt vielleicht heute Nacht sogar ein ruhiger Schlaf zurück? Das wäre ein Geheimnis und Geschenk aus seiner Liebe!

Wir fassen zusammen. Was hat uns Christus mit dem Gleichnis jetzt gesagt? Das Glück der Freude an der besten Perle in den Augen und seine Liebe zu den Menschen in den Herzen: So hebt die gewaltige Umwertung aller Werte in uns an, die in ein ewiges Leben mündet. 0 Gott, hilf uns die Perle finden, die so einzigartig kostbar ist! Sie heißt: Jesus Christus. Amen.
 

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Buchbesprechungen

Blätter für württembergische Kirchengeschichte 99. Jahrgang 1999

Dieser Band enthält die folgenden vier Aufsätze, die auch für die Familiengeschichte Paulus/Hoffmann von Interesse sind:
 
1. Paul Sauer, Die Anfänge der Brüdergemeinden Korntal und Wilhelmsdorf(Seite 113-127).

Es handelt sich um ein Referat, das während der Jahrestagung des Vereins für württembergische Kirchengeschichte 1998 gehalten wurde und gibt eine zusammenfassende Darstellung des Geschehens um die Gründung der beiden Brüdergemeinden Korntal bei Stuttgart und Wilhelmsdorf bei Ravensburg. Beide Gemeinden wurden durch den "Korntalgründer" Gottlieb Wilhelm Hoffmann gegründet und spielen auch in der Geschichte der Familie Paulus eine wichtige Rolle.

2. Christel Köhle-Hezinger, Reich Gottes im Oberland - Gedanken zum 175-jährigen Bestehen Wilhelmsdorfs. (Seite 128 - 135).

Vortrag im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten "175 Jahre Wilhelmsdorf" gehalten am 24. September 1999 in Wilhelmsdorf.

3. Monika Zeilfelder-Löffler, Anfänge der Inneren Mission in Württemberg (Seite 136-153).

Die Verfasserin stellt dar, wie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts in Württemberg die Sozialarbeit entwickelte. Dabei spielt auch der "Korntalgründer" Gottlieb Wilhelm Hoffmann als Gründer von "Rettungsanstalten" in Korntal und Wilhelmsdorf eine wichtige Rolle. Leider wird hier nicht darauf hingewiesen, dass die Brüder Paulus um 1835 in Korntal geistig behinderte Kranke bei sich aufnahmen, was heute sehr modern anmutet. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der Inneren Mission wird das Wirken von Christoph Ulrich Hahn (Familiennummer 565) dargestellt. Er gründete 1830 die "Evangelische Gesellschaft", die sich um die Unterstützung sozial Benachteiligter kümmerte und auch bei der Gründung der Inneren Mission in Württemberg eine wichtige Rolle spielte. Schließlich gründete Hahn 1863 den "Württembergischen Sanitätsverein" als Organisation des Internationalen Roten Kreuzes und paraphierte als offizieller Gesandter des Königreichs Württembergs 1864 die erste Genfer Konvention. Leider wird hier nicht auf die in dem kürzlich von unserer Familiengemeinschaft herausgegebenen Lebenserinnerungen von Christoph Paulus (Familiennummer 515) hingewiesen, der ausführlich das Wirken des jungen Christoph Ulrich Hahn an einer Privatschule in der Schweiz und die durch ihn dort hervorgerufenen Auseinandersetzungen beschreibt.

4. Rainer Prewo, Protestantische Ethik und Gewerbegeist im Nagoldtal (Seite 186-207).

Eine Untersuchung über die Gültigkeit der von Max Weber zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgestellten Thesen zur "innerweltlichen Askese" der Protestanten. Hier wird auch auf Philipp Matthäus Hahn, den Vater der Beate Paulus (Familiennummer 51) verwiesen, der in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts als Pfarrer feinmechanische Geräte konstruierte, bauen ließ und vertrieb.
 

Dr. Rudolf Paulus (Familiennummer 513 384)
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70 Jahre Familienbuch der Familie Paulus

Schon seit über 150 Jahren gibt es bei der Familie Paulus ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Das äußerte sich im 19. Jahrhundert in der gemeinsamen Arbeit auf dem von den Familienangehörigen betriebenen Privatgymnasium auf dem Salon bei Ludwigsburg. Nach dem diese Anstalt geschlossen wurde, kam es zu den jährlich stattfindenden Familientagen. Noch vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges begann der Kunsthistoriker Dr. Richard Paulus (FN 583 21) mit der Zusammenstellung eines Familienbuches. Leider setzte ein tragisches Ereignis seinen Arbeiten ein Ende. Er brach am 1. Februar 1929 im Eis des Starnberger Sees ein. Er konnte zwar gerettet werden, doch er verstarb noch am gleichen Tag auf dem Weg zum Krankenhaus an Unterkühlung.


Richard Paulus (1883-1929) (Familiennummer 583 21) mit seiner Ehefrau Sophie Dorothea geb Gräfin von Bothmer (1884-1962)

Dieser Tod war für die Erforschung der Familiengeschichte der Familie Paulus ein schwerer Schlag. Wie sollte nun seine Arbeit zu Ende geführt werden? Zur Klärung dieser Frage suchte der pforzheimer Nervenarzt Ernst Arnold Paulus (FN 513 38) Ende Juli 1929 die Witwe von Richard Paulus, Sophie Dorothea geb. Gräfin von Bothmer (in der Familie nur Gräfin genannt) auf und sah die Manuskripte ihres Mannes durch. Er stellte fest:

1. Die Paulusfamilie-Manuskripte sind in einem Paket auf den Bücher-ständern, müssen nicht erst zusammengeführt werden.

2. Der Textteil ist seit Jahren so gut wie druckfertig.

3. Der Stammbaum muss vollständig neu geschrieben werden und nach vorhandenen losen Blättern ergänzt werden.

Ernst Arnold machte der Gräfin den Vorschlag, die gesamten Unterlagen an ihn zu schicken damit er sie genauer durchsehe, ergänze und zum Druck bringe. Sie gab das gesamte Material aber zunächst an den Archivar Dr. Gustav Wulz in München. Er sollte einen Vorschlag erarbeiten, wie weiter verfahren werden sollte. Dazu geraten hatte ihr der Vormund ihrer Kinder, ohne dessen Zustimmung sie keine rechtlichen Schritte unternehmen durfte.

In seinem Gutachten vom 26. Februar 1930 führte Herr Wulz aus, dass die Darstellung der Vorfahren des markgröninger Amtsbürgermeisters Johann Eberhard Paulus (FN 0) gemäß dem Wunsch des Verfassers und wegen der zu erwartenden geringen Anzahl der Interessenten im Deutschen Geschlechterbuch veröffentlicht werden sollte. Damit wäre sie für jeden Familienforscher leicht zu finden. Die Familiengeschichte seit dem markgröninger Amtsbürgermeister und die Nachfahrentafel würde am besten als ein getrenntes Buch gedruckt werden. Man könne mit 180 bis 200 Abnehmern rechnen.

Der Wille ihres Mannes war für die Witwe zwingend und so plädierte sie für den Druck der Frühgeschichte im Deutschen Geschlechterbuch. Der ganz reizend geschriebenen Familiengeschichte, die ich nach dem stark korrigierten Manuskript von einer Schreibkraft in Maschine rein schreiben ließ, will ich das Porträt des verstorbenen Verfassers voran setzen, dann die nach Originalen hoch interessanten Briefe einiger prominenter Paulus-Gelehrten folgen lassen, dann die bewusste "Nachfahrentafel" und schließlich im Anhang eine Reihe sehr schöner Porträtreproduktionen.

Nach einigem hin und her gab die Gräfin das Manuskript an Pfarrer Reinhold Paulus (FN 513 36), der die Endredaktion übernehmen sollte. Am 3. Juli 1930 bestätigte er den Empfang von 113 Blatt einer Stammtafel und 323 Blatt einer Nachfahrentafel. Die Familienchronik folgte später in einer von der Gräfin veranlassten Reinschrift mit Schreibmaschine.

Reinhold nahm für die Drucklegung im Deutschen Geschlechterbuch den Kontakt mit dem dafür zuständigen Hauptmann Wiest in Stuttgart auf, mit dem schon Richard verhandelt hatte. Dieser setzte für die Überarbeitung und Anpassung an das Format des Geschlechterbuches einen Termin von einer Woche, falls der Beitrag in den nächsten Band aufgenommen werden sollte. Wäre der Termin nicht zu halten, müsse man ungefähr vier Jahre auf die Herausgabe des nächsten Bandes warten.


Reinhold Paulus (1882-1953) (Familiennummer 513 36) mit seiner Ehefrau Maria geb. Schnizer (1889-1947).

So schnell konnte die Reinschrift nicht hergestellt werden. Aber man wollte auch keine 4 Jahre bis zum Vorliegen der Frühgeschichte der Familie Paulus im Druck warten. So fassten die Brüder Reinhold und Ernst Arnold Paulus den Entschluss, das gesamte Werk, also die Stammtafel, Nachfahrentafel und Familienchronik zusammen mit den von Richard und Ernst Arnold bei den Familienangehörigen gesammelten Bilder und Fotografien in der Bode'schen Druckerei in Pforzheim mit einer Auflage von 200 Stück drucken zu lassen. Sie konnten dort mit einem günstigen Preis rechnen, weil der Leiter der Druckerei Johann Armin Bode der Schwiegervater des pforzheimer Nervenarztes war. Zur Finanzierung des Druckes hatte dieser schon im Juli 1925 alle Familienglieder zu einer außerordentlichen Umlage zur Ermöglichung der Drucklegung des Familienbuchs von mindestens 10 Mark von jedem selbständigen Mitglied aufgerufen. Dieser Aufruf hatte bei den in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA und in Palästina wohnenden Familienangehörigen ein großes Echo gefunden und hatte Spenden in der Höhe von 1 143,47 Mark eingebracht. Das war ein Grundstock für die Finanzierung des Druckes.

Reinhold machte sich noch im Herbst 1930 an die Erstellung einer Reinschrift der Familiengeschichte. Neben einer Überarbeitung des vorhandenen Textes führte er ihn für die Nachfahren von Karl Friedrich Paulus (FN 51) und seiner Ehefrau Beate geb. Hahn bis an die unmittelbare Gegenwart fort. Außerdem fügte er einen Abschnitt über den Zweig des Bruders Karl Wilhelm Paulus (FN 52) bei. Die übrigen Zweige der Familie konnten nicht in die Familienchronik aufgenommen werden, da dazu alle Vorarbeiten fehlten. Außerdem war die Gräfin der Ansicht, dass der Zweig ihres Mannes von ihrem Sohn, dem Schüler Herbert Paulus (FN 583 211) später zusammengestellt werden sollte, um dann in einem Nachtrag oder einer 2. Auflage des Familienbuches aufgenommen zu werden.

In die Nachfahrentafel übernahm Reinhold alle Unterlagen, die er in den Papieren Richards fand. Diese waren für die Nachfahren des markgröninger Amtsbürgermeisters unvollständig. Wegen des Zeitdrucks, unter dem seine Redaktionsarbeiten standen, konnte er diese Lücke nicht durch eigene Forschungen füllen. Er rief am 10. September 1930 alle Familienangehörigen, deren Adresse er hatte, auf, postwendend die Angaben über Name, Geburtsorte und -tage, Trauungen, Todestage eurer sämtlichen Familienmitglieder bis 23. September an ihn zu schicken.

Er brauchte den ganzen Winter 1930/31 um die Reinschrift der Manuskripte herzustellen. Zu guter Letzt kam er noch unter Termindruck, weil das Buch unbedingt Anfang Juni 1931 am Paulus'schen Familientag vertrieben werden sollte, der wie immer an Fronleichnam stattfand. Ernst Arnold berichtete darüber seinem Bruder Reinhold am 2. Juni 1931: Bis gestern Abend um 10 Uhr wurde gesetzt. Heute früh um 6 Uhr musste noch ein Setzer antreten und die Korrekturen verbessern. ... Um 10 Uhr wurden sie dann gedruckt und kommen noch nach Karlsruhe zum Binden. Wir hoffen Mittwochabend noch 100 Stück gebunden zu haben. Am darauf folgenden Donnerstag war Familientag und der pforzheimer Nervenarzt konnte eine größere Anzahl der Familienbücher absetzen. In den folgenden Monaten liefen viele Bestellungen von Familienangehörigen aus Österreich, der Schweiz, den USA und Palästina ein. Damit konnten die Kosten für den Druck gedeckt werden.

Von all dem erfuhr die Gräfin nichts. Entsprechend groß war ihre Überraschung als Reinhold sie am 26. Mai 1931 zum Familientag in Stuttgart einlud. Bei dieser Tagung wird mitgeteilt, dass die Chronik mit Nachfahrentafel nun gedruckt wurde. Im Gegensatz zu Ernst Arnold und Reinhold hatte sie gehofft, durch das Familienbuch eine neue Geldquelle für sich zu erschließen, weil sie in diesen Jahren der großen Wirtschaftskrise auf jeden Pfennig angewiesen war, um ihren zwei Kindern eine gute Ausbildung mit auf ihren Lebensweg zu geben. Deswegen antwortete sie am 3. Juni: Wohl wunderte ich mich über das lange Schweigen, denn wie Sie in meinem Schreiben von 24. 6. 1930 lesen, darf ohne meine Einwilligung und Besprechung mit meinen beratenden Juristen keinerlei Vertrag mit einer Druckerei abgeschlossen werden. Dann bat sie um Übersendung des Vertrages mit der Bode'schen Druckerei, um mich insoferne vor Unannehmlichkeiten schützen zu können, als es mir jederzeit gestattet bleibt, das Manuskript meines Mannes anderswo zu veröffentlichen. Reinhold antwortete nach dem Familientag am 6. Juni 1931, man habe zunächst Angebote von anderen Druckereien eingeholt, die alle einen so hohen Preis gefordert hätten, dass man das Manuskript nicht hätte drucken können. Dann habe man mit Hans Bode darüber gesprochen, der sich bereit erklärte, das Buch zum Selbstkostenpreis zu drucken. In diesem Fall sind also naturgemäß kein Vertrag und keine "Vertragsrechte" vorhanden. Das Buch erscheint ja nicht im Buchhandel aus leicht begreiflichen Gründen. Als die Gräfin am 14. Juni die Exemplare für sich und ihre Kinder zugestellt bekam, konnte sie sich ein Bild davon machen, in welch solider Ausführung das Manuskript ihres Mannes gedruckt worden war. Deswegen gab sie sich mit dem Erreichten zufrieden.


Ernst Arnold Paulus (1888-1954) (Familiennummer 513 38)

Für Ernst Arnold war aber die Arbeit am Familienbuch noch nicht zu Ende. Er war mit der Darstellung des Lebens der beiden Brüder Philipp (FN 514) und Immanuel Paulus (FN 516) nicht zufrieden. Da er keine Mitarbeiter fand, die die entsprechenden Beiträge verfassten, übernahm er selbst diese Aufgabe. Außerdem stellte sich heraus, dass irrtümlich anstelle des Bildes von Philipp Paulus das seines Sohnes gedruckt worden war. Dann ließ er einen Nachtrag drucken. Da die zweiten hundert Exemplare des Familienbuches noch nicht gebunden waren, konnte man ihn dort mit einbinden. Den Besitzern der bereits verkauften Exemplaren sandte man den Nachtrag als lose Blätter.

Schließlich wollte er noch klären, wer denn auf den neben Seite 64 des Familienbuches eingebrachten Miniaturen dargestellt ist; denn er war anderer Meinung als Richard und hatte das auch im Familienbuch zum Ausdruck gebracht. Richard hatte sie bei der Familie von Rad in Augsburg gesehen und eine Druckvorlage erstellen lassen. Sie stammte in weiblicher Linie vom schorndorfer Hofrat Eberhard Gottlieb Paulus (FN 5) ab. Die letzte Nachfahrin dieser Linie war aber nach dem 1. Weltkrieg verstorben.


Johannes Armin ("Hans") Bode (1867-1931)

Für Ernst Arnold war aber die Arbeit am Familienbuch noch nicht zu Ende. Er war mit der Darstellung des Lebens der beiden Brüder Philipp (FN 514) und Immanuel Paulus (FN 516) nicht zufrieden. Da er keine Mitarbeiter fand, die die entsprechenden Beiträge verfassten, übernahm er selbst diese Aufgabe. Außerdem stellte sich heraus, dass irrtümlich anstelle des Bildes von Philipp Paulus das seines Sohnes gedruckt worden war. Dann ließ er einen Nachtrag drucken. Da die zweiten hundert Exemplare des Familienbuches noch nicht gebunden waren, konnte man ihn dort mit einbinden. Den Besitzern der bereits verkauften Exemplaren sandte man den Nachtrag als lose Blätter.

Schließlich wollte er noch klären, wer denn auf den neben Seite 64 des Familienbuches eingebrachten Miniaturen dargestellt ist; denn er war anderer Meinung als Richard und hatte das auch im Familienbuch zum Ausdruck gebracht. Richard hatte sie bei der Familie von Rad in Augsburg gesehen und eine Druckvorlage erstellen lassen. Sie stammte in weiblicher Linie vom schorndorfer Hofrat Eberhard Gottlieb Paulus (FN 5) ab. Die letzte Nachfahrin dieser Linie war aber nach dem 1. Weltkrieg verstorben.

Ernst Arnold hatte einen Studienfreund in Augsburg, der auch ein Kunstsammler war. Ihn bat er, vor Ort Nachforschungen über den Verbleib der Miniaturen anzustellen. Dieser nahm den Kontakt mit dem Evangelischen Waisenhaus auf, mit dem die Familie von Rad sehr verbunden gewesen war. Nach der Inflation von 1923 hatte nur eine großzügige Spende dieser Familie das Waisenhaus vor dem Bankrott bewahrt. Man konnte sich an die Miniaturen erinnern, aber niemand wusste etwas über ihren Verbleib. Der Studienfreund sah aber zufällig im Schaufenster eines Juweliers einen Rahmen, der genauso aussah wie der auf dem Bild. Allerdings war er nicht für vier sondern nur für zwei Bilder ausgelegt. War es der richtige Rahmen, so hatte man die Bilder mit den beiden Rahmen später zusammen kopiert. Auf sein Befragen erfuhr er, dass dieser Rahmen von einem Herrn von Rad stamme. Der Juwelier glaubte sich zu erinnern, dass die Bilder an einen Kunsthändler in Landau in der Pfalz verkauft worden seien.

Weitere Nachforschungen nach dem Verbleib der Miniaturen waren erfolglos. Aber nun meldete sich ein Dr. Dietz aus München, der aus der Linie 53 stammte, die wiederum von der Familie von Rad abzweigte. Er meinte, die Bilder stellten einerseits D. von Alten und Frau andererseits den Finanzrat Paulus (FN 53) und Frau vor. Da es sich um meine direkten Urgroßeltern handelt, würde ich dieselben natürlich gerne besitzen und würden mir dieselben wohl näher stehen. ... Sie würden mir also einen großen Gefallen tun, mir die 2 Miniaturen nicht streitig zu machen. So gibt es jetzt also drei Zuschreibungen für die Personen, die auf den Miniaturen abgebildet sind. Aber gefunden wurden die Originale nicht. Damit beendete der pforzheimer Nervenarzt seine Bemühungen um weiteres Material für das Familienbuch Paulus.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde von einem Kreis um Werner Paulus (FN 513 363) (Sohn von Reinhold Paulus) ein weiteren Nachtrag zum Familienbuch Paulus zusammengestellt. Er trägt in der Nachfahrentafel der Nachkommen von Karl Friedrich Paulus und seiner Ehefrau Beate geb. Hahn die genealogischen Daten bis 1966 nach. Dann stellte Richards Sohn Herbert Paulus (FN 583 211) einen Nachtrag für das Familienbuch Paulus zusammen, der seinen Zweig erfasste. Leider war es bis heute nicht möglich, dieses Manuskript zu drucken. So existiert es nur in einigen Exemplaren.

Alle diese Bemühungen zeugen davon, dass man innerhalb der Familie Paulus den Zusammenhalt der Familienangehörigen pflegte. Sollte dieses Bestreben auch heute bei der jüngeren Generation bestehen, so wäre es an der Zeit einen neuen Nachtrag der genealogischen Daten zusammen zu stellen.

Rudolf Friedrich Paulus (FN 513 384)

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Erinnern für die Zukunft
 

Seit längerer Zeit beschäftige ich mich mit Erinnerungen an die Zeit des 2. Weltkrieges. Diese Zeit hat Auswirkungen auf mehrere Generationen gehabt, sei es durch Flucht und Vertreibung, durch den Tod vieler junger und alter Menschen, durch die Sprachlosigkeit und die Schwierigkeit, die Geschichte aufzuarbeiten und zu verstehen. Deshalb dachte ich zunächst an die Sammlung von Briefen der gefallenen Mitglieder der Familie, finde aber, dass die lebenden genau so viel zu sagen haben und in unserem speziellen Fall aus vielen Ländern etwas gesagt werden kann.

Deshalb rufe ich alle Familimitglieder auf, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir könnten auf dem nächsten Familientag darüber sprechen und einen Arbeitskreis bilden, der die Texte auswählt und familienintern zusammenstellt.

Annegret Bleeser
Zur "Aktion Erinnerung" des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge
Mit den Angehörigen der Kriegsopfer stirbt auch die Erinnerung. Nur ihre Gräber bleiben zurück und nüchterne, unfassbare Zahlen. Der Volksbund sammelt Informationen über die Opfer der Weltkriege, von Flucht und Vertreibung. So bleiben hinter den Zahlen die Menschen sichtbar. Auch damit tun wir etwas für die Würde der Kriegstoten. Und: Die nachwachsenden Generationen können erkennen, dass die Bilanz von Krieg und Gewalt aus zerstörten Menschenleben und nicht aus Zahlen besteht.
Möchten Sie an der "Aktion Erinnerung" teilnehmen? Wenn ja: Was könnten Sie über Ihren Angehörigen schreiben?

- Name, Vorname, weitere Namen

- Geburtsdatum, Todesdatum
- Todesursache, letzte Nachricht über ihn (evtl. Kopie beilegen)
- Lage seines Grabes
- persönliche Merkmale (Größe, Haarfarbe, Augenfarbe, u. a.)
- besondere Eigenschaften
- Informationen über die Familie (Eltern, Geschwister, Kinder)
- Lebenslauf (Stationen)
- besonders persönliche Erinnerungen (z. B. lustige Erlebnisse)


Bitte möglichst leserlich schreiben (am besten mit Maschine)! Wir heben Ihren Text auf und übernehmen ihn in unsere Dokumentation. Die Berichte sollen vor allem für die Jugend- und Schularbeit des Volksbundes verwendet werden. Machen Sie mit? Dann senden Sie uns bitte Ihren Bericht zu (Absender bitte nicht vergessen!). Gut wäre es auch, wenn Sie Fotos und anderes Material beilegen könnten (bitte vermerken, wenn Sie es zurückhaben möchten). Bitte schreiben Sie an:

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.

"Aktion Erinnerung"
Werner-Hilpert-Straße 2
34112 Kassel

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"Schwaben - Land und Leute, Mythos und Wirklichkeit"

Vortrag von Herrn Staatsminister Karl Moersch in einer Vortragsreihe des Schwäbischen Heimatbundes am 6. März 2001 in Stuttgart:

"Der Schiller und der Hegel,

Der Schelling und der Hauff,
Das ist bei uns die Regel,
Das fällt nicht weiter auf."


Nur noch wenige wissen, dass Eduard Paulus der Jüngere einst diesen Vierzeiler in die schwäbische Welt geschleudert hat. Der Vorstand des Schwäbischen Heimatbundes hat es jedoch gewusst, als er dem "Mythos Schwaben" in einer Vortragsreihe auf die Spur kommen wollte. Ob ich denn bereit wäre und Lust hätte, mir über den einst im Lande mit Stolz zitierten Spruch Gedanken zu machen und die Berechtigung des großen Anspruches im Rückblick auch mit Blick auf unsere Zeit zu prüfen, lautete die Frage. Als Begründung dazu hörte ich, dass ich mich doch seit Jahren mit schwäbischen, genauer gesagt, württembergischen Besonderheiten beschäftige und deshalb sicherlich Bescheid wisse. Wer könnte sich solcher Schmeichelei entziehen? Ich würde, so liest man in der Ankündigung, "hinterfragen", was es denn mit der geistigen Überlegenheit der Schwaben auf sich habe. Da ich immer noch nicht verstanden habe, was unsere Schweizer Nachbarn, die Erfinder des vor allem bei Theologen beliebten Terminus "hinterfragen" auf sich habe, will ich ganz einfach mitteilen, was mir bei der Prüfung des ganzen Textes sowie der Umstände, unter denen er entstand, aufgefallen und eingefallen ist.

Die erste Überraschung ergab sich bei der Nachprüfung des Zitats. Es findet sich in der 1897 von Eduard Paulus veröffentlichten Schrift "Arabes­ken". "Arabesken", das kann bedeuten: "maurische" vielleicht auch morgenländische Verzierungen". Da ich Teile der orientalischen Welt, nicht zuletzt den Jemen, das "glückliche Arabien", einst im Dienste der Bundesrepublik besucht hatte, verbinde ich mit dem Buchtitel "Arabesken" auch die Erinnerung an die Kunst des Märchenerzählens, die Erinnerung an wahre, wenn auch nicht wirkliche Geschichten. So eine Geschichte, eine nicht wirkliche, aber im höheren Sinne wahre Geschichte, hatte sich vor etwas mehr als hundert Jahren der schwäbische Kunsthistoriker und Poet Eduard Paulus ausgedacht.

Bevor ich darüber Näheres berichte, ist eine kleine, vielleicht nicht ganz unwichtige Berichtigung fällig. Eduard Paulus hat seinen Hymnus auf die großen Landsleute nicht, wie im allgemeinen und auch vom Vorstand des Schwäbischen Heimatbundes angenommen, mit Schiller aus Marbach begonnen, sondern mit Schelling, dem Philosophen aus Leonberg. Der "Schelling und der Hegel", zwei große Denker also, kommen vor den Dichtern, lvor Schiller und Hauff. Ob denn nicht statt Wilhelm Hauff der Friedrich Hölderlin, Eduard Mörike oder Ludwig Uhland in dem Vierzeiler hätten genannt werden müssen, das hat sich schon mancher Württemberger gefragt. Eduard Paulus war sich der Fülle schwäbisch-württembergischer Möglichkeiten sicherlich bewusst, aber er hatte keine Wahl - er benötigte den genialen, den großen Märchenerzähler Wilhelm Hauff, weil es sonst mit dem Reim gehapert hätte.

Unter welchen Umständen und mit Blick auf welche Zusammenhänge verfasste Paulus sein kühnes Schwabenlob - wenn es denn ein Lob sein sollte? In den "Arabesken" findet man, beginnend mit der Seite 61, einen größeren Abschnitt, der überschrieben ist: "Trümmer" aus einer politischen Komödie: "Götterdämmerung". Das Personalverzeichnis erinnert an die Edda. Der Autor läßt auftreten: "Germanische Götter, Wodan, Freia, Loki, dazu "Dichter" und "Geister von Dichtem" sowie "Chöre". Nicht verzeichnet sind zahlreiche Personen, die im Stück ebenfalls mitreden, zum Beispiel: "Die sieben Schwaben" oder ein "Chor der Arbeiter". Dazu ein "Chor der Gründer", auch ein "Chor der" - bismarckfreundlichen -"Nationalliberalen". Man sieht, der Einfallsreichtum des Autors war beträchtlich.

Als Schauplätze werden genannt: "Walhalla und Deutschland". Dahinter verbirgt sich neben dem germanischen, besser vielleicht Wagnerischen Walhall, auch ein Symbol preußischer militärischer Zucht, nämlich Jüterbog, einst und noch in unserer Zeit ein riesiger brandenburgischer Truppenübungsplatz, eine Art Hauptkasernenhof und Zuchtstätte entsprechenden Geistes.

Im Gespräch der Götter - Schauplatz ist das Walhall der alten Germanen, nicht das nachgebaute bayerische über der Donau bei Regensburg - verkündet Freia:

"Die Zeit ist um, in giftgeschwoll`nem Knäuel,

Steigt Volk auf Volk, zerstört sich Staat an Staat,
Und über all den unerhörten Gräuel
Erhebt sein Blutpanier der Demokrat."
 
Und 0din, der Einäugige verkündet:
 
"Verschwinden werden unsre Tagesgrößen
Wie wenn der Sturm in eine Tenne fegt."
 
An anderer Stelle verkündet der Germanengott:
 
"Ich höre schon die Donnerschläge rollen,
Die uns das Weltgericht verkünden sollen!"


Mit dem "Weltgericht" erinnert uns der 0din des Eduard Paulus an Schiller, der einst, möglicherweise in einer gewissen Anspielung auf den frommen Landsmann Bengel, behauptet hat, die "Weltgeschichte" sei das "Weltgericht". Bengel hatte darüber aus der Offenbarung des Johannes Genaueres entnommen, als er das "Weltgericht" mit dem Erscheinen des Tieres aus dem Abgrund exakt für das Jahr 1836 errechnete. Hätte es Bengel nicht so präzise geweissagt, wären unsere Landsleute einst weder zum Kaukasus in die Nähe des Berges Ararat gezogen, noch 30 Jahre danach, ins Heilige Land, um dort als Gerechte das große Gericht zu erwarten. "Jerusalemfreunde" nannten sie sich. Ihre Wortführer hießen Hoffmann, Hardegg und - Paulus. Es waren die Söhne der Beate Paulus, der Tochter von Philipp Matthäus Hahn.

Wir dürfen also rätseln, ob Eduard Paulus an Schiller oder ob er mehr an Bengel gedacht hat, als er den Germanengott 0din das Donnergrollen des Weltgerichtes verkünden ließ. Viele Schwaben, aufgewachsen zwischen zahlreichen Bergen in einer gewissen räumlichen und meist auch in einer häuslichen Enge, haben immer schon von der großen, der weiten Welt geträumt und versucht, diese große Welt, wenn nicht zu erleben, so doch geistig zu durchdringen, sei es beim Studium der Heiligen Schrift wie Bengel, sei es beim Nachdenken über den Sinn der Geschichte wie der Dichter Schiller oder der Denker Hegel. Schiller gelangte so zum Weltgericht, Hegel, der einer etwas anderen Spur folgte, entdeckte den Weltgeist.

Heutzutage ist der Geist, auch in Württemberg wie man leider vermuten muss, ein wenig entfleucht, aber die "Welt" ist uns immer noch geblieben, zumindest in dem alltäglichen "Weltmarkt". Davon haben die Götter des Eduard Paulus vor hundert Jahren in Württemberg kein Sterbenswörtchen verlauten lassen.

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der "Götterdämmerung" in der Version des Eduard Paulus. Darin verirrt sich, wie es in der Regieanweisung heißt, ein "halbverhungerter Dichter" auf der Heide im brandenburg-preußischen Jüterbog. Er klagt:

"Das freie Wort, die Wahrheit, auch der Trotz

Des deutschen Mannes, nimmermehr bekannt
Ist es in meinem großen Vaterland."


Man beachte hier vor allem den Hinweis auf das "große Vaterland". Für die Württemberger - siehe Uhlands "Vaterländische Gedichte" - war das Vaterland eine württembergische Einrichtung, keine alldeutsche: das "große Vaterland" lag nördlich der Grenzen Altwürttembergs und des Königreiches, vor allem nördlich des hessisch-thüringischen Berglandes. Der Begriff zielte nach der Bismarck`schen Reichsgründung auf die norddeutsche Tiefebene, auf alles, was preußisch war. Dass die Klage des hungernden Dichters den preußischen Verhältnissen galt, kann man auch den nun folgenden Textstellen entnehmen: Ein "Chor der Unzufriedenen" murmelt auf der schon genannten Heide bei Jüterbog vor sich hin:

"Der Bismarck war ein Rind

Und gegen alles blind.
Der Bismarck war ein großes Rind,
Derweil wir längst schon Ochsen sind.
Der Bismarck war ein Rind."


Schließlich gehört zur Dichterszene auf der Heide bei Jüterbog etwas ganz Unerwartetes, nämlich ein "Chor der sieben Schwaben". Der erste Schwab - das müsste nach der Geschichte der Sieben Schwaben der "Seehas" gewesen sein - sagt mit etwas weinerlicher Stimme:

"Wir wollen eine Eisenbahn,

Was geht uns dieses Preußen an,
Das nur Kasernen baut.
Die schmale Spur nicht schaden kann,
Wenn man darauf verladen kann
Das Fildersauerkraut."


Der "zweite Schwab" schwärmt, fern von Neckar, Donau und Bodensee, von seiner geliebten Heimat. In der Geschichte ist es der "Nestelschwab", der sich mit einem Rückenpanzer geschützt hatte, und am Ende den vom "Allgäuer" in Augsburg beschafften überlangen Spieß quer nahm, damit künftig kein Schwabe ganz vorne oder ganz hinten sein müsse. Der Nestelschwab also sagt bei Paulus:

"Mein Land ist doch das Beste,

Ein bess`res findst du nit!
Sechsbätzner an der Weste,
Am Rock den längsten Schnitt,
Drum sind so gern die Schwaben,
In Ihrem Ländle da,
Und wenn wir nichts mehr haben,
Geht`s nach Amerika."


Eduard Paulus, dieser Hinweis scheint mir wichtig, nimmt mit diesen Zeilen Anleihen auf bei zwei württembergischen Volksmännern: bei Ludwig Uhland (,,Ich hatt einen Kameraden") und bei Theobald Kerner. Er schrieb einst ein populäres "Auswandererlied", das mit den Worten endet "... und darum nach Amerika". Uhland und der asperggeprüfte Theobald Kerner, gehörten zu den Freunden eines Großdeutschland, organisiert als Bundesstaat oder Staatenbund, in dem das Königreich Württemberg nicht unter einer preußischen Vormundschaft hätte leiden müssen, sondern die beiden Großen in diesem Bund - Preußen und Österreich - gegeneinander hätte ausspielen können. Zwei große Mächte in einem Staatenbündnis sind eben allemal weniger als eine große Macht, die im Ausnahmefall das Kommando übernimmt.

Der Amerika-Hinweis des zweiten der Sieben Schwaben ermutigt, wenn wir dem Text des Autors folgen, den dritten Schwaben, zu einem geistigen Höhenflug. In der Originalgeschichte ist der dritte Schwabe der "Gelbfüßler" aus Bopfingen, der die an die Herrschaft abzuliefernden Eier auf dem Pritschenwagen mit den Füßen getreten hat, um mehr Platz zu schaffen für den Transport. Mitten im norddeutschen Tiefland, unweit von Berlin, spricht also der Gelbfüßler den Text, den wir für unsere Überschrift gewählt haben - allerdings versehen mit einer allgemeinen Einleitung:

"Wir sind das Volk der Dichter,

Ein jeder dichten kann,
Man seh` nur die Gesichter
Von unser einem an.
Der Schelling und der Hegel ... usw".


Drei der Sieben Schwaben hat Eduard Paulus in seinem Komödientext ausgespart: den Knöpflesschwab, den Blitzschwab und den Spiegelschwab. Der siebente Schwabe schließlich, der Allgäuer, verkörpert die landesübliche Biederkeit. Er kehrt vom poetischen Himmel auf die platte Erde zurück, indem er feststellt:

"Baudistel und Schwitzgäbele,

0 fürchtet nichts, ihr Schwäbele
Und hebt den Spieß zugleich,
Ein Hase kommt vorbeigerannt,
Die Sieben Schwaben sind bekannt,
Bekannt im ganzen Reich!"


Als die "Arabesken" erschienen, lebte in Stuttgart der vom siebenten Schwaben apostrophierte "Schwitzgäbele", vermutlich existierte auch der ebenfalls genannte "Baudistel". Im Einwohnerverzeichnis der Stadt hieß der "Schwitzgäbele" allerdings Georg Bassler. Er, ein gelernter Buchdrucker, arbeitete im sozialdemokratischen Dietz-Verlag als Redakteur, unter anderem redigierte er den "Wahren Jakob". Einer seiner Kollegen war Wilhelm Blos, der spätere erste Staatspräsident des Volksstaates Württemberg. In der Zeit des Sozalistengesetzes reisten Bassler und Blos in der Karwoche des Jahres 1883 zur zunächst geheimgehaltenen Delegiertenversammlung der deutschen Sozialdemokraten nach Kopenhagen. Die dänische Polizei, alarmiert von den Berliner Sicherheitsbehörden, kontrollierte die Gäste aus Deutschland. Bassler wurde prompt festgenommen. Nach seinem Namen befragt, antwortete er mehrfach auf schwäbisch: "I hoiß Schwitzgäbele". Die Dänen kannten diese fremde Sprache nicht und ließen Bassler alsbald wieder laufen. In Stuttgart sprach sich der Vorfall herum. Wer sich so erfolgreich dumm stellen konnte wie Georg Bassler, der hieß fortan eben "Schwitzgäbele".

Zurück zu den Sieben Schwaben in der Heide von Jüterbog.

Paulus zeigt, dass sie sich ins "Große Vaterland" verirrt haben und sich, einfältig wie sie nun einmal sind, in der germanisch-wagnerischen Götterwelt und im Königreich Preußen nicht zurechtfinden. Sie plagt das Heimweh, und sie erinnern sich in einer Mischung aus Stolz und Wehmut an die heimatlichen Gefilde, an die großen und die kleinen Dichter, auch an die ortsbekannten Verseschmiede, an den Nachbarn Schwitzgäbele und an die Nützlichkeit einer Eisenbahn für den Transport von Filderkraut...

Bernhard Zeller hat in seinem "Schwäbischen Parnass" betont, dass Eduard Paulus seine viel zitierten Verse "natürlich ironisch" gemeint habe. Ich will da nicht widersprechen, aber doch anmerken, dass Eduard Paulus die im Lande nicht allzu weit verbreitete Gabe der Selbstironie besaß. Dass bei Paulus die Philosophen. und Poeten "ganz selbstverständlich", nebeneinander stehen, erklärt Bernhard Zeller (als der, meiner Ansicht nach, beste Kenner der schwäbischen Geistesgeschichte), mit dem Umstand, dass die, "Philosophie in Württemberg der Dichtung, die Dichtung der Philosophie" stets gleich nahe stand. Man müsse, so Zeller, auch bedenken, dass zur "literarischen Geistigkeit in ihrer schwäbischen Ausprägung die Liebe zu spekulativem Denken" gehört.

Da ich mich nahezu ein Leben lang mit Politik befasst und dabei gelernt habe, dass man das Politische nicht vom Historischen trennen sollte - im Königreich Württemberg auch nicht von der Literatur -, fragte ich mich, als mir die Herren des Heimatbundes ihr Thema stellten, unter welchen Zeitumständen, unter welchen politischen Verhältnissen, der Paulus-Text denn entstanden sei. Was bewegte unsere Landsleute in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts?

Wenn man in alten Zeitungsbänden schmökert oder wenn man als Kind und Heranwachsender den Erzählungen eines politisch interessierten Großvaters und des politisch engagierten Vaters gelauscht hat - beides württembergische Demokraten -, dann weiß man, dass die "Arabesken" des Eduard Paulus in eben diesen Jahren entstanden sein müssen, in denen - nach dem Tod des alten Kaisers Wilhelm und nach Bismarcks Entlassung - das oft zitierte "wilhelminische Zeitalter" mit all seinem Glanz und Gloria, mit seinem Kraftprotzentum, mit dem Ruf nach dem "Platz an der Sonne", einen ersten Höhepunkt erreicht, und die alten württembergischen Demokraten erbost hatte. Emanuel Geibel posaunte damals ganz ohne Ironie oder gar Selbstironie in die Welt hinaus "und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen". Ein kritischer Zeitgenosse veröffentlichte in jenen Tagen im "Postillion", einem Satireblatt, einen "offenen Brief". Darin empfahl der Briefschreiber dem "deutschen Michel":

"Gib Dir Mühe, Dir das militärische Schnarren oder das noch vornehmere Näseln anzugewöhnen, da halten Dich die Leute für einen Reserveoffizier und liegen vor dir auf dem Bauch".

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dreißig Jahre nach dem Krieg von 1866, hatte das nicht nur bei Königgrätz, sondern auch bei Tauberbischofsheim siegreiche Preußen gegenüber dem Königreich Württemberg hinreichend demonstriert, wer im Deutschen Kaiserreich das Kommando führt. Die württembergische Armee, in Friedenszeiten formal selbständig, stand im Spannungs- und Ausnahmefall unter der Befehlsgewalt des Königs von Preußen - das hatten die Württemberger im Jahre 1866 als Preis für ihre formal weiter existierende staatliche Selbständigkeit zugestehen müssen. Über Krieg und Frieden hatten weder der König von Württemberg noch die Volksvertretung in Stuttgart zu entscheiden. In den Ludwigsburger Kasernen, im "schwäbischen Potsdam", wie man die Stadt nun zu nennen pflegte, kommandierten und instruierten zahlreiche preußische Offiziere.

Das "militärische Schnarren" hörte sich auf den württembergischen Exerzierplätzen genau so an wie in Potsdam oder in dem von Paulus ausdrücklich genannten Jüterbog. Die "Schwabenkolonie" in Berlin wuchs damals rasch; wer vorankommen wollte, durfte Berlin nicht mehr links liegen lassen. Das relativ kleine Württemberg fühlte sich mehr und mehr als Anhängsel an Preußen, bevormundet von einer Reichsregierung, in der preußische Junker dominierten. Die Gleichheit der Mitglieder des deutschen Fürstenbundes, (das war - rechtlich - das Kaiserreich) stand lediglich auf dem Papier, das am 18. Januar 1871 in Versailles sanktioniert worden war - übrigens in Abwesenheit des Königs Karl von Württemberg. War es denn unter diesen Umständen so verwunderlich, dass ein Eduard Paulus das Mittel der Ironie, verbunden mit dem Mut zur Übertreibung, für angemessen hielt, als es galt, dem geschwächten Selbstbewusstsein der Landsleute ein wenig aufzuhelfen? Ein kleines Duell zwischen Macht und Geist könne angesichts der Zeitumstände nichts schaden, mag sich der Autor der "Arabesken" gedacht haben.

Dieses Duell zwischen Macht und Geist ist, wie ich an dieser Stelle betonen möchte, zu allen Zeiten ausgetragen worden. Es findet in der internationalen Staatenwelt immer noch statt, übrigens auch in der Europäischen Union. Die Großen, die Mächtigen verlassen sich gerne auf ihre vermeintliche Stärke, sie geben sich oft wenig Mühe mit plausiblen Begründungen. Die Kleineren, weniger Mächtigen, weniger Reichen, müssen ihre Machtdefizite durch Intelligenz ausgleichen. Sie können sich einfältige, unerfahrene Politiker viel weniger leisten als die großen Mächte. Entsprechende Erfahrungen habe ich in den internationalen Organisationen, aber auch in Europa sammeln können. Deshalb fiel es mir auch nicht besonders schwer, Wilhelm I., den zweiten der vier württembergischen Könige, in seinem Verhalten gegenüber den Großmächten Preußen, Österreich und Russland zu begreifen und zu verstehen, weshalb sich dieser württembergische Monarch, wenn auch am Ende erfolglos, bemüht hat, die kleineren Mächte zu einem eigenen Bündnis im großen Deutschen Bund zu vereinen. Wilhelm 1. träumte vom "dritten Deutschland", das als Trias-Idee aktenkundig geworden ist. Es blieb ein Traum.

Die, unsere Geschichtsschreibung immer noch weitgehend bestimmenden Nachfahren der alten preußischen Historikerschule haben bis heute die württembergische Politik in der Zeit vor 1866 nicht verstanden. Viele Interpreten der deutschen und europäischen Geschichte ignorieren gerne, wie sehr dieser König Wilhelm I. die anderen, damals regierenden deutschen Fürsten an Intelligenz und Tatkraft überragt hat.

Dass ich hier ausdrücklich auf Wilhelm I. von Württemberg hinweise, geschieht nicht willkürlich oder zufällig. Schelling und Hegel, ebenso Hauff, also drei der von Paulus genannten Denker und Dichter, waren Zeitgenossen Wilhelms I. Nur bei Schiller fehlt der direkte Bezug zu Wilhelms von 1816 bis 1864 dauernder Regierungszeit.

In einem immer noch lesenswerten Nachruf schrieb David Friedrich Strauß über König Wilhelm I., er sei der "Nestor der europäischen Regenten" gewesen. "Dass er sich zu Zeiten auch für den Salomo unter denselben hielt, war bei den obwaltenden Umständen nicht einmal besonders hoch gegriffen". Doch muss ich an dieser Stelle hinzufügen: man erwartete indes bei den großen Mächten vom württembergischen König Bescheidenheit und Zurückhaltung, war er doch der Repräsentant eines kleinen, genauer gesagt: des kleinsten unter den deutschen Königreichen.

Wilhelm I. jedoch wollte ehrlich und aufrichtig sein und bleiben. Deshalb ließ er andere , der Wahrheit entsprechend, durchaus wissen, dass er der gescheiteste im Kreis der Fürsten sei. Die nachbarschaftlichen Beziehungen zu Bayern förderte diese Wahrheitsliebe nicht, von den Beziehungen zum badischen Großherzogtum ganz zu schweigen. In Wien, bei Metternich, galt der württembergische Wilhelm ohnedies als arroganter Quertreiber, ebenso verhielt es sich mit Preußen.

Seltsamerweise gibt es württembergische Landestraditionen, die fortdauern. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass Konrad Adenauer sogleich nach der ersten Bundestagswahl im Jahre 1949 mit seinem Parteifreund Gebhard Müller im Streit lag und im übrigen auch andere Württemberger, nicht nur politische Rivalen wie Reinhold Maier, sondern auch einige CDU-Abgeordnete aus Württemberg, wie zum Beispiel Paul Bausch, von Anfang an nicht mochte. Der Gegensatz zwischen Adenauer schien durch Müllers Plädoyer für einen Südweststaat bedingt. Aber das war nur ein, wenn auch wichtiger Teil der Kontroverse. Unbeliebt machte sich Gebhard Müller meiner Erinnerung nach vor allem, weil er sich damals nicht nach Bonn zitieren lassen wollte, um gesenkten Hauptes der Verkündung von Adenauer`schen Beschlüssen beizuwohnen. Müller hatte seine eigenen Ansichten, und die begründete er mit der Präzision eines Mannes, der für sich politische Erfahrung und politische Intelligenz in Anspruch nahm und sich von niemand etwas vormachen lassen wollte.

Allerdings ist nicht bekannt, dass er Adenauer damals so gegenübergetreten wäre, wie ein anderer, zweifellos hochintelligenter württembergischer Landsmann. Der nämlich, wahrheitsliebend wie einst Wilhelm I., ließ den Bundeskanzler Adenauer eines Tages wissen, dass er tief enttäuscht wäre, würde ihm nicht das Amt des Außenministers angeboten. Für dieses Amt nämlich, so sagte der wackere Landsmann, sei er dank seiner Fähigkeiten am besten von allen möglichen Kandidaten geeignet.

Adenauers Zuneigung zu den Württembergern hat dies, ich muss es leider eingestehen, nicht gefördert.

Der verhinderte schwäbische Außenminister hätte damals Anlass gehabt, ähnlich wie der "halbverhungerte Dichter" des Eduard Paulus zu klagen: "Das freie Wort, die Wahrheit, auch der Trotz des deutschen Mannes, nimmermehr bekannt / ist es in meinem großen Vaterland". Was der Landsmann für reine Wahrheitsliebe hielt, die ihn veranlasst hatte, den Rheinländer Adenauer über sich aufzuklären, das betrachteten die Nicht-Schwaben in seiner Partei als Arroganz.

Und ebenso lautete auch der Vorwurf, den ein anderer Rheinländer, der Schriftsteller, Arzt und Sinologe Peter Bamm, mit bürgerlichem Namen Curt Emmrich, einmal gegenüber dem Text von Eduard Paulus erhob. Jedenfalls liest man in Bernhard Zellers "Schwäbischen Parnass", dass der Autor der "Unsichtbaren Flagge" über den berühmten Vierzeiler in den "Arabesken" gesagt habe, es seien "die arrogantesten Verse der deutschen Literatur". Daraus schließe ich, dass Peter Bamm unempfindlich für Ironie gewesen sein muss. Der in den dreißiger Jahren und in der Nachkriegszeit von Verlegern und Zeitungsredaktionen hochgeschätzte Peter Bamm hat die Rede des dritten der Sieben Schwaben ernst genommen und hat nicht bemerkt, dass Eduard Paulus einst sicherlich nicht zufällig noch in einem anderen Sinne zum Mittel der Ironie griff, als er den umstrittenen Vierzeiler schrieb. Diese Zeilen enthielten ja nicht nur ein überdeutliches Selbstlob, sondern auch eine, für Württemberg nur bedingt angenehme Wahrheit. Drei der vier zitierten schwäbischen Denker und Dichter hatten schließlich ihre Heimat verlassen oder verlassen müssen, ehe sie zu hohem Ruhm, zu Weltruhm und zu großer Ehre gelangt waren.

Schiller flüchtete frühzeitig, und dichtete zunächst in der Kurpfalz, in Mannheim, übrigens auch in Oggersheim, danach ging er nach Weimar und lehrte in Jena. Nur besuchsweise kehrte er in die württembergische Heimat zurück. Hegel, der große Denker, lehrte nie an der Landesuniversität in Tübingen; an ihn erinnert man sich - außer in Stuttgart - vornehmlich in Bamberg und in Berlin. Sein Katheder befand sich in der Hauptstadt des Königreiches Preußen. Hegel, der Stuttgarter, wandelte sich in Berlin zu einer Art preußischem Staatsphilosophen.

Schließlich Schelling: Er, aus einer pietistischen Pfarrersfamilie stammend, Tübinger Stiftler und Freund Hegels und Hölderlins, erhielt, nicht zuletzt dank der Fürsprache Schillers, aber auch Goethes und Fichtes, zunächst einen Lehrstuhl in Jena. Vierzehn Jahre lang lehrte er dann in München; schließlich, im Alter von 66 Jahren, berief ihn der König von Preußen nach Berlin.

Nur Wilhelm Hauff, 1802 geboren und schon 1827 gestorben, kehrte nach Auslandsreisen in die Heimat nach Stuttgart zurück, wo er das "Cottasche Morgenblatt" leitete. Da er schon in ganz jungen Jahren zu den großen Erzählern und Poeten gehörte, war Eduard Paulus nicht nur des Reimes wegen gut beraten, als er den im ganzen 19. Jahrhundert populär gebliebenen Hauff zusammen mit Schiller in einer Zeile unterbrachte.

Wie immer man den berühmten und zugleich umstrittenen Vierzeiler deuten mag, ob als "ironische Arabeske" oder als Ausdruck schwäbisch-württembergischer Überheblichkeit - fest steht nun einmal, dass das Königreich Württemberg im 19. Jahrhundert außerordentlich reich gewesen ist an klugen Köpfen, an Denkern, an Dichtern und auch an Erfindern.

Mit dem Begriff "Zufall" ist diese Besonderheit nicht zu erklären. Das alte Württemberg war in manchem anders als andere deutsche Regionen. Es besaß zum Beispiel eine Bildungstradition, die geschichtlich mit der Reformation und mit der Konzentration auf "das Wort" - das Wort der Heiligen Schrift - zu tun hat. Dazu nur ein paar Stichworte: Am Anfang unserer Bildungstradition stand die Schulordnung in der Großen Kirchenordnung, die wir im wesentlichen dem Reformator Johannes Brenz verdanken; der Neuaufbau des Schul- und Bildungswesens am Ende des Dreißigjährigen Krieges durch den Theologen Johann Valentin Andreä wäre hier ebenfalls zu beachten; folgenreich war schließlich auch der strenge, vor allem auf die alten Sprachen fixierte Unterricht für die Begabten unter den Schülern des Landes in den evangelischen Seminaren.

Hohe, ja höchste Anforderungen an Griechisch- und Lateinkenntnisse stellte man an die Seminaristen in Maulbronn, in Urach, in Blaubeuren. Kurzum: die klassische Bildung stand für die künftigen Akademiker, in erster Linie für die Theologen, hoch im Kurs. Unter den Seminaristen selbst herrschte ein harter Wettbewerb. Am Erfolg oder auch am Misserfolg der jungen Akademiker nahmen nicht nur die nächsten Angehörigen Anteil: das ganze Land, zumindest die bestimmende Schicht, die sogenannte "Ehrbarkeit", war genau unterrichtet. Im "Schwäbischen Merkur" konnte man sich nämlich regelmäßig über die Examensnoten informieren. Selbst die Hochbegabten konnten sich kein bisschen Faulheit leisten, wollten sie nicht sich und ihre Familie samt der stets neugierigen großen Sippe ins Gerede bringen.

Zu dieser württembergischen Spezialität, also dem genauen Gegenteil von Datenschutz, existiert ein heutzutage nur noch wenig bekanntes literarisches Zeugnis aus der Feder von Friedrich Theodor Vischer eine im heimatlichen Dialekt verfasste Komödie mit dem merkwürdigen Titel: "Nicht I a". Ebenso wie sein Ludwigsburger Jugendfreund David Friedrich Strauß gehörte der Pfarrerssohn Vischer, einst Seminarist in Blaubeuren, der sogenannten Genie-Promotion an. Fast alle Seminaristen dieser Promotion stammten aus Pfarrhäusern oder hatten, wie Strauß, einen Pfarrer zum Großvater. Nur einer kam aus einem anderen, einem Handwerkerhaus: der Stuttgarter Wilhelm Zimmermann. Er wurde einer unserer großen Geschichtsschreiber. Als Sohn eines Küfers schien er im Seminar zunächst zum Außenseitertum verurteilt, war es aber nicht, wie sich rasch zeigte. Er schloss im Examen als Bester ab, mit der Note "I a". Vischer, Strauß und andere gehörten mit der Note0i zu den Zweitbesten. Als sich Friedrich Theodor Vischer verlobte, so die Legende, habe sein künftiger Schwiegervater die Tatsache bemängelt, dass der Schwiegersohn in spe nicht mit der Note "I a" abgeschlossen habe, also der Allerbeste gewesen sei. Aus Ärger oder Rache habe Vischer danach zur Feder gegriffen und den Vorgang in einer Dialektkomödie verarbeitet. (Vor einigen Jahrzehnten hörte man Vischers kleines Werk als Hörspiel im Süddeutschen Rundfunk). Ob es im übrigen wahr ist, dass die Vereinigten Staaten einst von dem württembergischen Verzicht auf Datenschutz für Jungakademiker profitiert haben, weil mancher brave Pfarrerssohn sich dem Gespött der Verwandtschaft durch die Auswanderung entzog, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. So viel ist jedoch sicher:

"Leistungswettbewerb", "Bildungswettbewerb" das gehörte zu Württemberg. Neben der Rolle der Seminare ist hier gleichermaßen auf das Tübinger Stift hinzuweisen. Übrigens auch auf die frühzeitig Gescheiterten, die es, wie der Stuttgarter Georg Herwegh, oder - im 20. Jahrhundert - Hermann Hesse zu Dichterruhm gebracht haben. Beide waren einst Seminaristen in Maulbronn. Hesse floh aus der strengen Schule, wie man weiß. Von Herwegh, dem Verfasser der "Gedichte eines Lebendigen" und des "Arbeiterliedes", ist aus Maulbronn überliefert, dass ihn ein Präzeptor mit den Worten gerügt habe: "Herwegh - Sie dichtet zuviel und denket zu wenig". Stand "denken" also höher im Kurs als "dichten"? Möglicherweise war auch Eduard Paulus dieser Ansicht, als er die beiden "Denker" Schelling und Hegel vor die Dichter Schiller und Hauff stellte.

Ich weiß: die Frage, ob denn die Schwaben, ob die Württemberger, den anderen Deutschen intellektuell überlegen seien oder zumindest gewesen seien, habe ich mit dem Gesagten nicht exakt beantwortet. Wie es speziell im 19. Jahrhundert tatsächlich gewesen sein könnte, läßt sich mangels genauer Kriterien und Vergleichsmaßstäbe nicht mehr klären. Auch für unsere Gegenwart ist man auf Vermutungen angewiesen. Ein wenig will ich mich allerdings doch vorwagen, indem ich an eine Begebenheit im Haus Baden-Württemberg zu Bonn erinnere: in einer abendlichen Runde in der gastlichen Landesvertretung wurde ein Landsmann von einem Hanseaten wegen seiner etwas umständlichen Sprechweise, speziell wegen seiner Dialektfärbung, gefrotzelt. Der Gehänselte, im "Mündlichen" nicht ganz so gut wie einst Kurt Georg Kiesinger, antwortete in der landestypischen Verneinungsform. Er gab seinem Kritiker zu bedenken: "Also, dümmer als ihr Norddeutschen sind wir Schwaben auch net".

Damit, so behaupte ich, kam er der Wahrheit ziemlich nahe. Und mehr, so behaupte ich, darf man bei einem so schwierigen Thema auch nicht verlangen!
 
 

Bericht vom Familienwandertag des Jahres 2000

Nach dreijähriger Pause trafen wir uns am Sonntag, den 15. Oktober 2000 zu unserem schon lange angekündigten "Ausflug in die Vergangenheit" in Klosterreichenbach, heute Baiersbronn-Klosterreichenbach, in dem Schwarzwaldflecken also, welcher die erste Pfarrstelle von Pfr. Karl Friedrich Paulus und seiner eben angetrauten Ehefrau Beate geb. Hahn (FN 51) war. Zehn Jahre lang, von 1800 bis 1810, war diese Kirchengemeinde Domizil unseres Ahnehepaares, wo ihnen acht Kinder geschenkt worden sind.

Am Tage zuvor war das Wetter nicht besonders schön und so hatte man Bedenken, wie das wohl tags darauf zur Wanderung im Murgtal werden wird, doch es wurde ein schöner Herbsttag. Treffpunkt war um 10.30 Uhr der Gottesdienst in der Klosterkirche.

Erstaunlich war, wie voll sich die für den kleinen Ort relativ große Kirche bis zum Beginn des Gottesdienstes gefüllt hatte. Die gute Predigt, gehalten von einer Pfarrerin, wurde umrahmt von einem zahlreichen Gemeindechor und einem Instrumentalbeitrag. Ganz beeindruckend die sehr gute Akustik in der hohen Halle des romanischen Kirchenschiffs!

Nach dem Gottesdienst, in welchem auch unser sonntäglicher Besuch erwähnt wurde, versammelten wir uns außerhalb der Kirche mit dem Gemeindepfarrer, Herrn Bräuchle, beim sog. "Gefängnisturm". In sehr eindrucksvoller und persönlich überaus engagierter Weise brachte er uns die Geschichte des Klosters nahe.

Bereits im Jahre 1082 wurde die Kirche und 1099 das Kloster in Reichenbach von Benediktinermönchen des Klosters Hirsau gegründet. Es war dies die erste Gründung des später weit verzweigten Hirsauer Netzes. In der Folgezeit erlebte Kloster-Reichenbach viele Höhen, aber auch Tiefen. Vieles dieser wechselvollen Geschichte ist heute noch am Bau der altehrwürdigen basilikalen Klosterkirche zu ersehen. Leider kann in diesem kurzen Bericht darauf nicht eingegangen werden. Es muss daher auf das Buch "Kloster Reichenbach 1082 -1982 " (beim Ev. Pfarramt Klosterreichenbach zu beziehen) und auf die neue Broschüre "Von Mönchen und Lehensbauern - Erlebnispfad 4, Klosterreichenbach" (beim Ortschaftsamt Klosterreichenbach, 72270 Baiersbronn zu beziehen) verwiesen werden.


Beate-Paulus-Kindergarten

Von den Klostergebäuden ist heute kaum mehr viel zu sehen. Gut erhalten sind Teile der Klostermauer. Weiterhin der bereits erwähnte, Mitte des 16. Jh. erbaute und immer wieder gut renovierte Gefängnisturm (im Volksmund "Café Viereck" benannt), welcher noch bis 1950-60 für kleinere Delinquenten gebraucht wurde. Die beiden ältesten Häuser, die allerdings dank vieler Umbauten und Restaurierungen noch erhalten sind, sind der Klostergasthof "Sonne-Post" und der "Kasten", beides Gebäude, deren Entstehungszeiten bis in die 2. Hälfte des 13. Jh. zurückreichen. Die Sonne-Post war Herberge, Rosshof und "Metzig" des Klosters, dann Gasthof, Versammlungsraum, sowie Poststation und bis vor etwa 10 Jahren noch Hotel, während der "Kasten" zuerst dem Kloster als "Infirmerie" (Krankenhaus) diente, dann später, als Fruchtkasten, Bindthaus (Lagerhaus für Feldfrüchte und Küferei) und Weinkeller gebraucht wurde. Heute ist das imposante Haus im Besitz der Gemeinde und nach gründlicher Sanierung befindet sich hier nun der dreigruppige "Beate-Paulus-Kindergarten", dessen Träger die Ev. Kirchengemeinde ist.

Am Ende seiner Ausführungen führte der Ortsgeistliche uns nochmals in den Chor der Kirche und ließ uns zum Abschied mit seiner Trompete teilhaben an der herrlichen Akustik der mächtigen romanischen Mauern. - Auch an dieser Stelle nochmals unseren herzlichen Dank an Herrn Pfarrer Bräuchle!

In der Aufstellung der evang. Pfarrer in (Kloster-) Reichenbach steht an zwanzigster Stelle "1799-1810 M. Carl Fridrich Paulus". Zu dieser Zeit hatte die Kirche allerdings ein anderes Aussehen als das jetzige oder das ursprüngliche. Der Zahn der Zeit und mehrere Umbauten hatten sie sehr verändert, am augenfälligsten sicherlich der westliche Dachreiter anstatt der beiden Osttürme. In dem Buch "Beate Paulus by Gertrud Paulus Reno", 1967, befindet sich auf Seite 33 eine Federzeichnung von "Schnuck" Reno (FN 515 27), welche die Kirche etwa um 1800 zeigt. Viele hervorragende Baumeister und Kunstexperten haben sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. Gedanken über den Erhalt der Kirche und die Rückführung in ihren Urzustand gemacht. Auch viele Jahre lang der in diesem Heft schon mehrmals erwähnte Eduard Paulus d. J., dem die alten Klosteranlagen Württembergs und deren Kirchen ein lebenslanges Anliegen waren (Maulbronn!). Leider konnte er das Ergebnis dieser Überlegungen und Baumaßnahmen nicht mehr erleben: erst die beiden letzten Restaurierungen 1894/1895 und besonders diejenige von 1964-68 brachten ein zufriedenstellendes Ergebnis. Nun steht die Kirche - wie einst - mit ihren imposanten Osttürmen aus roten Schwarzwaldsandsteinquadern wieder majestätisch vor uns - zum Lobe Gottes!

Nach dem Mittagessen begaben wir uns zum neu angelegten historischen Rundweg. Dieser Museumspfad wurde mit schönen und lehrreichen Tafeln vom Heimat- und Kulturverein der Gemeinde Baiersbronn angelegt und betreut. Es sind zwei Wege, ein kürzerer führt rund um das Kloster und seiner wichtigsten Anlagen. Diesen haben wir gewählt. - Nach einem gemütlichen Kaffeeplausch machten wir uns auf den Heimweg und konnten auf einen schönen, gelungenen und lehrreichen Tag zurückschauen. Herzlichen Dank, liebe Familie Manfred Gebhardt (512 181 2), für die gute Vorbereitung dieses Treffens!

Insgesamt waren es 17 Teilnehmer, davon 3 Kinder und ein Gast aus Australien. Wenn man das familiengeschichtlich bedeutsame Ziel bedenkt und den organisatorischen Aufwand gerade dieser Wanderung kennt, kann diese Teilnehmerzahl nicht befriedigen. In den beiden zurückliegenden Rundbriefen Nr. 40 und 41 waren Hinweise erfolgt und am Familientag davor lag eine Interessentenliste zum Eintrag aus. Weiterhin wurden rund 60 Einladungsbriefe teils mit Rückantwortkarten versandt, ganz abgesehen von den vielen Telefonaten. Man muss sich daher auch Gedanken darüber machen, wo eventuell selbst gemachte Fehler liegen bei den Vorbereitungen und Bekanntmachungen.

Ein Ergebnis davon ist, dass - wenn´s irgend geht - die Wanderziele und die Wandertage zukünftig immer gleich in den betreffenden jährlichen Rundbriefen angekündigt werden und auch die Einladungen dazu gleich mit ergehen. Interessenten sind dann frühzeitiger informiert und können sich auch am Familientag in die bereitliegende Liste eintragen. Es ist zu hoffen, dass auf diese Weise eine größere Sicherheit für weitere organisatorisch erforderliche Schritte gegeben sein wird (z.B. Essensbestellungen, Führungen, etc.).
 
 

Werner Paulus
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Maria-Paulus-Stiftung (MPS)

36. Jahresbericht zum 31.12.2000

Im Berichtsjahr hat Stefanie Hoffmann eine Unterstützung von der MPS erhalten. Sie hat sich sehr bedankt und schreibt:
"Während des sich über die Zeitdauer vom 1. Oktober 2000 bis 31. März 2001 erstreckenden Wintersemesters 2000/01 habe ich mich sehr intensiv mit der Ablegung des dritten Abschnitts der Tierärztlichen Prüfung beschäftigen müssen. Die Prüfungsthemen aus dem Bereich der Tiermedizin umfassten eine Bandbreite, die sich von "Pathologie", "Tierseuchen" über "Chirurgie", "Gynäkologie" bis zu dem Problem "Tierschutz" bewegte. Teilweise waren während einer Woche zwei oder drei Prüfungstermine im Rahmen mündlicher Fragestellungen zu absolvieren. Am 29. März 2001 habe ich die letzte Teilprüfung bestanden und damit - zu meiner besonderen Freude - das mir 1994 gesteckte Ziel erreichen können. Dazu hat die MPS in besonderer Weise durch die Gewährung einer finanziellen Unterstützung beigetragen." Herzlichen Glückwunsch!

 

Guthaben zum 31. 12. 2000

 



Wertpapier
Kurs (EUR)
DM
1.
660
Inter-Renta-Anteile
17,63
22.757,65
2.
30
Dekafonds-Anteile
80,42
4.718,64
3.
486
Dekarent-International
18,50
16.933,58
4.


Sparbuch Landesbank-BW


3.284,71



Summe


47.694,58

 

Vermögen in US $

1. 59,839 Anteile Kanadische Investment Fund of Fund (FOF)
2. 133,365 Anteile Luxemburgische International Investment Trust (IIT)
Der Erlös aus diesen Anteilen wurde bereits weitgehend ausbezahlt.

 

Einnahmen 2000

 
Datum
Wertpapiere und Spenden
DM
18.02.
468 Dekarent-Anteile
823,80
18.02.
8 Dekafonds
21,95
24.02.
Spende Überschuss Gräber in Korntal
59,00
20.07.
Bücherverkauf Familientag
10,00
27.07.
Spende Karl Braun
75,00
19.09.
Spende Dorothea Spieth
50,00
17.11.
585 Inter-Renta-Anteile
1.355,39
div.
Kalendererlös Rudolf Paulus
1.008,40
31.12.
Zins Sparbuch Landesbank-BW
24,46


Summe
3.428,00

 
 

Ausgaben 2000

 
Datum
Gegenstand
DM
01.02.
Depotgebühren Landesbank-BW
48,62
10.02.
Stipendium
500,00
24.02.
Kauf von 22 Dekafonds-Anteilen
3.999,12


Summe
4.547,74



Die Entwicklung bei der MPS

Die erfreulichen Spenden, besonders der Kalendererlös von Rudolf Paulus, hat zu einer weiteren Konsolidierung des Stiftungskapitals geführt.

Für an einem Stipendium Interessierte nachstehend ein Auszug aus der Satzung der MPS:

"Zweck der Stiftung ist die Förderung einer gediegenen Berufsausbildung der Nachkommen des Karl Friedrich Paulus (geb. 23. Mai 1763 in Balingen, gest. 20. November 1828 in Talheim Krs. Tuttlingen) und seiner Ehefrau Beate geb. Hahn (geb. 8. Januar 1778 in Kornwestheim, gest. 24. Januar 1842 in Salon bei Ludwigsburg).

Gesuche um Bewilligung eines Stipendiums können jeweils bis zum Jahresende beim Geschäftsführer eingereicht werden."

Einzahlungen oder Überweisungen werden auf folgendes Konto erbeten:

Konto Nr. 2 611 026 bei der Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01), auf den Namen Dr. Gerhard Struve, Oberer Kirchhaldenweg 82, 70195 Stuttgart, mit dem Vermerk MPS.
 

Gerhard Struve
 

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C. Mitteilung von Anschriften
 
 
 
512 112 1 Binder, Alfred und Margaret, 350 Shore Drive, Laconia, NH 03246 USA
512 154 3
Brassel, Bernhard und Elisabeth, Alte Landstr. 23 CH-9038 Rehetobel, Schweiz
512 154 5 
Tholozan, Rosmarie und Etienne, 25 rue de Général de Gaulle, F-67450 Mundolsheim, Frankreich
512 171 2
Reibling, Walter und Joyce, 3212 Haddon Rd., Louisville, KY 40241 USA
512 181 31 
Gebhardt, Michael, Vorholzstr. 40, 76137 Karlsruhe
512 312 11
Beckner, Anne und Michael, 1551 North Orange Grove Ave., Los Angeles, CA.90046 USA
512 312 12
Sterling, Robert, 5305 1/2 Seashore, New Port Beach, CA 92663 USA
512 312 2 
Morf, Paul, 205 Todd Ave. No. 201, Woodstock, IL. 60098 USA
512 313 11 
Heston, Alex, 1163 Ford Rd., Lyndhurst, OH 44124 USA
512 621 1
Goedecker, Dr. Stefan, 7 rue du Palluel, F-38120 Le Fontanil, Frankreich
512 632
Früholz, Gudrun und Karl, Hummelbergstr. 28, 73760 Ostfildern
512 632 1 
Früholz, Helmut und Heike, Hinterkirch 31, 88090 Immenstaad
513 113
Oberkampf, Ingeborg, Am Hungerberg 12, 72525 Münsingen T.:07381/6966
513 121 3 
Effe, Gottfried, Hyttystle 6, Fin - 90550 Oulu Finnland
513 131
Schubert, Anneliese, Hörlishofstr. 7 A, 78126 Königsfeld
513 3842
Paulus, Dr. Manfred und Ursula, Garglasweg 39 CH 7220 Schiers, Schweiz Telefon: 081/3281747
516 721
Werner, Bettina, Andlawstr. 19, 79102 Freiburg
516 733 2 
Göz, Michael und Ursula, Mörikestr. 17/4, 71726 Benningen Telefon:07144/898528
518 243 1
Breisch, Gerhard, Reutlinger Str. 6, 73230 Kirchheim/T., T.: 07021/482800 Fax 07021/482848
518 243 11
Breisch, Jon und. Phuong, 24 Conniston Ave., Niddrie, Vic. 3042 AUS
518 243 13 
Gardner, Karin und Brett, 6 Nesbit Crt, Frankston, Vic.3199 AUS
518 243 2
Spicer, Eleonore und Brian, 2 Allamanda Blvd., Lysterfield, Vic. 3156 AUS
518 243 21
Sutterby, Diana und Stuart, 2 Allamanda Blvd., Lysterfield, Vic. 3156 AUS
518 243 3 
Breisch, Rolf, 141 Osborne St., South Yarra, Vic. 3141 AUS
518 271 4
Hoffmann, Elizabeth, 39 Beresford Road, Bayswater, Auckland, Neuseeland
518 272
Steller, Hanni, 69 Oleander Crescent, Riverstone NSW 2767 AUS
518 272 3
Kuerschner, Beate und Michael, 11 Sheridan Close, Kilsyth South, Vic. 3137 AUS
518 322
Hoffmann, Hildegard, 97 Spring Road, Hampton East, Vic. 3188 AUS
518 322 2
Hoffmann, Herbert, 97 Spring Road, Hampton East, Vic. 3188 AUS
518 341 1 
Hess, Thea, 5 a Corin Place, Queanbeyan, NSW 2620 AUS
518 441 1 
Gnann, Helmut, Dr. med., Weinbergstr.87, 72622 Nürtingen
518 451 1 
Kohlhepp, Cornelia, Jesinger Hauptstr. 70, 72070 Tübingen
518 451 4 
Köster, Sibylle und Hermann, Schwester-Salaberga-Weg 25, 72108 Rottenburg-Oberndorf
519 111 1 
Faber, Hanns-Peter und Kristina, Scheibbserstr. 52, 71277 Rutesheim

 

Schlusswort

Allen Verwandten und Freunden, die zur Gestaltung dieses Rundbriefes beigetragen haben, sei herzlich gedankt. Unsere Glück- und Segenswünsche wollen wir all denjenigen aussprechen, die einen besonderen Gedenktag feiern.

Den Erkrankten übermitteln wir unsere besten Genesungswünsche.

Werner Paulus, Esslingen a.N.

 
 
 
 
Ehrenvorsitzender: 
Werner Paulus, Urbanstr. 169, 73730 Esslingen
Telefon: 0711/3180782
Sprecherin des Vorstandes: 
Rosmarie Lauber, Sudetenstr. 22, 71263 Weil der Stadt
Telefon: 07033/529990
Schatzmeister: 
Eberhard Weiss, Agnesstr. 1, 70597 Stuttgart
Telefon: 0711/7651178
Geschäftsführer der MPS:
Dr. Gerhard Struve, Ob. Kirchhaldenweg 82, 70195 Stuttgart
Telefon: 0711/697000
Archivverwalter: 
Dr. Manfred Paulus, Garglas 39, CH-7220 Schiers 
Telefon: 081/3281747
Email: 
contact@gebhardt-paulus-hoffmann.org
Internet: 
www.gebhardt-paulus-hoffmann.org

 
 

Konto der Familienkasse:

Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01) Nr. 7 441 600
Eberhard Weiss, Agnesstr. 1, 70597 Stuttgart

Konto der Maria-Paulus-Stiftung:

Landesbank Baden-Württemberg (BLZ 600 501 01) Nr. 2 611 026
Dr. Gerhard Struve, Oberer Kirchhaldenweg 82, 70195 Stuttgart