Rundbrief

der Familiengemeinschaft

GEBHARDT - PAULUS - HOFFMANN


 


Nr. 39 Stuttgart, Im Juni 1998



 

INHALT


 
 
 

A.

Bericht vom 123. Familientag 

B.

Familiennachrichten 

 

Allgemeines 

 

Einladung zum 124. Familientag in Kornwestheim 

 

Kassenbericht

 

Geburten

 

Eheschließungen

 

Sterbefälle

 

Buchbesprechungen

 

40 Jahre Rundbrief

 

Johann Friedrich Flattich, der schwäbische Salamo

 

Unde venis: Wer war Christiane Margaretha Groß?

 

Bericht vom Familienwandertag

 

Maria-Paulus-Stiftung

 

C.

Mitteilung von Anschriften 

 

Schlußwort

 


 
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A. Bericht vom Familientag
 
 
 

Am Sonntag, den 1. Juni 1997 fand der 123. Familientag im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus in Kornwestheim statt. Wie in den letzten Jahren besuchten die Familienangehörigen zum Beginn des Treffens den Gottesdienst in der Martinskirche, den Pfarrer Steck hielt. Dabei hatte die Altarlesung wiederum Werner Paulus übernommen.

Der Familientag war dem Andenken des vor 200 Jahren verstorbenen Großvaters von Beate Paulus, Pfarrer Johann Friedrich Flattich, gewidmet. Im Anschluß an den Gottesdienst fand eine Gedenkveranstaltung in der Kirche für Pfarrer Flattich statt, die von der Familiengemeinschaft, der Ev. Gesamtkirchengemeinde Kornwestheim und dem Verein für Geschichte und Heimatpflege Kornwestheim getragen wurde. Den Festvortrag "Johann Friedrich Flattich - Der schwäbische Salomo" hielt der Leiter des Landeskirchlichen Archivs und Vorsitzende des Vereins für Württembergische Kirchengeschichte Dr. Hermann Ehmer. Seine Ausführungen sind diesem Rundbrief beigegeben.

Der Vortragende hat eine neue Biographie und gemeinsam mit Christoph Duncker die erhaltenen Briefe des Münchinger Schwabenvaters herausgegeben. Er bemühte sich erfolgreich ein Lebensbild zu zeichnen, das ohne die zahlreichen Anekdoten auskommt. Auch ohne diese bleibt unser Vorfahre eine wichtige Persönlichkeit, die auch noch in unseren Tagen einiges zu sagen hat.

Nach dem Mittagessen begrüßte Werner Paulus die zahlreich erschienenen Familienangehörigen. Die Anwesenheitsliste führt 50 Teilnehmer auf. Aus anderen Bundesländeren und dem Ausland waren anwesend: Rudolf und Renate Paulus, Traben-Trarbach; Eberhard und Magdalena Paulus, Bad Hersfeld; Gudrun Wagner, Wiesbaden; Erika Grüninger, Walenstadt, Schweiz; Robert Hoffmann, Murrunbeena, Vic., Australien. Grüße zum Familientag schickten: Manfred Gebhardt, Hans Paulus, Ernst Paulus, Stefan Goedecker, Helmut Böttinger, Cornelia Kohlhepp, Marianne Faber, Nora Hummel. Beim gemütlichen Kaffee, dessen Kuchen wie immer von Familienangehörigen gestiftet worden waren, schnitt Dr. Rudolf Friedrich Paulus (Familiennummer 513 384) die Frage der Nachfolge von Werner Paulus im Vorstand der Familiengemeinschaft an.

Werner Paulus (Familiennummer 513 363) hat fast eine ganze Generation die Organisation der Familientage und die Herausgabe der Familienrundbriefe ausgeführt. Es ist ihm zu verdanken, daß der Kontakt zwischen den mittlerweile weit über die Lande verstreuten Familienangehörigen erhalten geblieben ist. Sein fortgeschrittenes Alter macht aber Überlegungen über seine Nachfolge notwendig.. Das neue Familienoberhaupt kann ein Familienangehöriger oder eine Familienangehörige sein, der oder die nicht unbedingt den Namen "Paulus" trägt. Eine solche Wahl wäre ein Zeichen dafür, daß die Familiengemeinschaft sich schon seit jeher als der Zusammenschluß aller von Beate Paulus Abstammenden beiderlei Geschlechts betrachtete.

Nach einer Diskussion beschloß man, an diesem Familientag noch keine Entscheidung über die Nachfolge von Werner Paulus zu treffen. Die Familienangehörigen sollen eine hoffentlich schöpferische Denkpause haben, um in Ruhe ein neues Familienoberhaupt zu nominieren.. Auf dem nächsten Familientag muß aber die Nachfolgefrage entschieden werden. Darum sollten sich alle Familienmitglieder der jüngeren Generation überlegen, ob sie sich nicht für dieses Amt zur Verfügung stellen.

Rudolf Paulus (513 384)

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B. Familiennachrichten

Allgemeines

In diesem Jahre wird der allgemeine Teil unserer Familiennachrichten kurz gefasst werden. Es ist hauptsächlich ein Thema welches mich bei der Abfassung dieses Rundbriefes und damit auch im Rückblick auf eine lange Zeit beschäftigt: Es ist dies Dank: "Seid dankbar in allen Dingen".

Wir sind nun schon acht Jahre mit unseren Familientagen Gäste der Stadt Kornwestheim und insbesondere im "Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus" der Ev. Martinskirchengemeinde. Einen schöneren und heimeligeren Platz haben wir noch nie gehabt. Kein Wunder, daß wir uns hier 100 m vom Geburtshaus unserer Ahnmutter Beate Paulus und 200 m von ihrer letzten Ruhestätte entfernt wie "zu Hause" fühlen. Wir möchten der Kirchengemeinde und Herrn Pfarrer Dietrich Steck für dieses "Heimatrecht" ganz herzlich danken!

Wir wissen sehr wohl, daß zum Unterhalt eines so großen und schönen Hauses viele Gelder notwendig sind. Daher möchte ich anregen, da wir ja alle bei unseren Steuererklärungen Spenden benötigen, daß wir zum Dank für dieses "Wohnrecht" auch die evang. Kirchengemeinde mit Spenden bedenken, so wie ich dies auch mache:

Ev. Martinskirchengemeinde, Pfarrstr. 7, 70806 Kornwestheim - Kreissparkasse Ludwigsburg (604 500 50) Nr. 2705767 -

Gerade an diesem Familientag ist besonders aufgefallen in welch gutem und gepflegten Zustand sich der Alte Friedhof befindet. Auch eine schöne Beschriftung wurde jetzt angebracht. Er ist wahrlich ein würdiger, verehrungswürdiger, Ort geworden. Die letzte Ruhestätte von Beate Paulus war mit einer wunderschönen Schale geschmückt. All den Menschen, die sich dafür einsetzen und eingesetzt haben von Herrn Wagner bis zu Herrn Oberbürgermeister Fischer möchten wir ganz herzlich danken!

Noch eines muß gesagt werden: ein nicht unwesentlicher Teil unseres Wohlbefindens in Kornwestheim ist auch auf die sehr gute und preisgünstige Verpflegung des Restaurants "Hasen" zurückzuführen. Wir wollen dafür der Familie Renninger ausdrücklich sehr danken.

Doch auch mit diesem wichtigen Dank, kann das Danken noch nicht zu Ende sein: Ein ganz herzlicher und großer Dank gebührt unserer lieben "Küchenmannschaft", die, vieles versäumend, sich für unser leibliches Wohl nimmermüde verantwortlich fühlt!

Ja, Dank auch an alle, die aus nah und fern, selbst aus Australien, gekommen sind. Dank, daß wir uns haben wieder treffen dürfen in der Hoffnung, daß wir, so Gott will, uns auch in den nächsten Jahren in Kornwestheim sehen und wieder miteinander freuen dürfen!
 
 
 

Einladung zum Familientag 1998

Wie die Jahre zuvor treffen wir uns auch in diesem Jahre wieder im Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeindehaus in Kornwestheim zu unserem 124. Familientag am Sonntag, den 12. Juli 1998


 
 
 
 
 
 
 

9.30 Uhr 

Evang .Martinskirche: Gottesdienst mit Pfarrer Steck

10.45 Uhr 

Ph.-M.-Hahn-Gemeindehaus: Begrüßung durch Werner Paulus

11.00 Uhr 

Diskussion und evtl. Beschlußfassung über den Vorstand und den weiteren Weg unserer Familiengemeinschaft

11.30 Uhr 

Gemeinsames Mittagessen

13.00 Uhr 

Gang durch Alt-Kornwestheim, Pfarrhaus und Friedhof, etc. (individuell, ohne Führung)

14.00 Uhr 

Vortrag mit Dias von Herrn Dr. Herbert Leube, Limburgerhof: "Verwandtschaftsbeziehungen zwischen der Familie Zeller und schwäbischen Künstlerfamilien des 15. und 16. Jahrhunderts"

 

 

anschließend gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen mit Diskussionen, Informationen und Berichte.

Hinweis zum Vortrag unseres Gastes Herrn Dr. Leube:

Herr Dr. Leube ist der Genealoge des Martinszeller Familienverbandes. Seine Ausführungen beleuchten die Verflechtungen der Altwürttembergischen Ehrbarkeit mit bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit.

Es ist dies ein hochinteressantes volkskundliches Thema, in welches auch die Stämme 513, 516 und 518 unserer Familiengemeinschaft verwoben sind. ( siehe dazu den UNDE-Venis Beitrag über das Baumann'sche Geschlecht in der Beilage zu Rundbrief Nr. 11/1970).

Wie alljährlich bitten wir um Kuchenspenden. Dies hat sich schon zu einem guten Brauch entwickelt. Wir hoffen auf einen regen Besuch unseres diesjährigen Familientages und freuen uns auf ein gemütliches Beisammensein!

Die Terminierung des Vortrages ist noch nicht definitiv geklärt. Er könnte auch vormittags stattfinden. Es richtet sich dies nach dem Referenten.

Zum Abschluß des allgemeinen Teiles der "Familiennachrichten" unseres heutigen Rundbriefes muß noch ein Ereignis ganz besonderer Art erwähnt werden:

Magdalene Göz geb. Ott (516 733) wurde von unserem Bundespräsidenten Dr. Roman Herzog das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. In einer sehr würdigen Feierstunde im Tübinger Rathaus am 19. Dezember 1997 wurde ihr die Auszeichnung aus der Hand von Oberbürgermeister Dr. E. Schmidt überreicht.

Magdalene hat sich ehrenamtlich an verantwortlicher Stelle in selbstloser, uneigennütziger Weise über 25 Jahre für die Belange der älteren und alten Menschen im Raume Tübingen eingesetzt. Herzlichen Glückwunsch!

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Kassenbericht zum 31. Dezember 1997

Einnahmen

 

 
 
 
 
 
 

Beiträge

DM

1.938.00

 

Verkauf von Büchern

DM

30.00

 

Zinsen

DM

42.97

2.010,97 DM


 
 
 

Ausgaben

 

 
 
 
 
 
 

Kontogebühren

DM 64,70

Differenz (+)

DM 1.946,27

Guthaben aus 1996

DM 9.860,92

Guthaben am 31.12.1997 (lt. Kontoauszug) 
DM 11.807,19 

Ausgaben-Erweiterung:
 
 
 

Kosten Rundbrief Nr. 38/1997

DM 951,08

Porti für Rundbrief Euro + USA (Wertzeichenkauf)

DM 250,00

Porto für Rundbrief nach AUS

DM 51,00

Tatsächliches Endergebnis am Jahresende 1997:

DM 10.555,11

Anmerkung:

Die Differenz zwischen Ist und Soll beruht darauf, daß Werner Paulus versehentlich die Auslagen für den Rundbrief nicht der Familienkasse im Jahre 1997 zum Ersatz vorgelegt hatte. Dies wird im Jahre 1998 korrigiert werden.

Der Kontostand in Australien betrug am Jahresende 1997 AUS $ 1.819,71 .

Wir danken allen Beitragszahlern, vor allem denen, die größere Beiträge überwiesen haben und bitten abschließend um Zahlung der regulären Jahresbeiträge (Mindestbeitrag DM 12.--) mit dem letzten Vers eines Gedichtes von 23 Versen von Eduard v. Paulus (523 1),welches er zum Abschluß eines Bankets zu Ehren der Mitglieder der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine am 25. September. 1867 im Kaufhaussaal in Freiburg im Breisgau verfaßte:

"Ziehet hin und bringt in's Reine

Eure Rechnungen zu Haus

Und folgert unserem Vereine

Die rückständ'gen Thaler aus!"

(etwas abgewandelt)

Die Konten der Familienkasse:

Deutschland und United States of America:

Eberhard Weiss, Agnesstr. 1, D-70597 Stuttgart

Landesgirokasse Stuttgart (BLZ 600 501 01) Nr. 7 441 600
 
 
 

Australien:

Werner Struve, 10 Barry Street, Moorabbin, Victoria 3189

ANZ Bentleigh Progress-Savings Account No. 5871-79248

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Geburten

 

 
 
 
 
 
 

22.06.1993

Anna-Lena Warth (512 183 322), Backnang

Eltern: Christine und Steffen Warth

24.04.1994

Susanne Kellenberger (512 183 132), Sindelfingen

Eltern: Dorothee und Matthias Kellenberger

28.03.1995

Nikolai Alexander Glaab (512 183 211), Augsburg

Eltern: Christiane Lauber und Holger Glaab

14.10.1996

Leonhard Jakob Nelki Göpfert (513 332 23), Hillenden,

Uxbridge, Middlesex, England

Eltern: Dres. Michael Göpfert und Julia Nelki

15.02.1997 

Johannes Fritz Frank (513 125 43), Sinsheim

Eltern: Sabine und Gerhard Frank

24.04.1997

Emily Paulus-Wehrman (513 385 12), Menomonee Falls,

E.: Susanne und Dean Wehrman Wisconsin, USA

11.06.1997

Simona Beutler (513 375 11), Pforzheim

Eltern: Thomas und Kerstin Beutler

13.07.1997

Hanna Elisabeth Maria Schellenberger (518 462 12), Stuttgart

Eltern: Eva und Volker Schellenberger 

29.07.1997

Franz Peter Hesse (518 255 41), Sandringham, Vic., AUS

Eltern: Annette und Hein Hesse

23.09.1997

Frederik Moritz Glaab (512 183 212), Augsburg

Eltern: Christiane Lauber und Holger Glaab

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Eheschließungen

 

 
 
 
 
 
 

22.01.1994

Kalorama, Victoria, Australien:

 

Karin Ursula Breisch (518 243 13) & Brett Gardner

22.03.1994

Melbourne, Victoria, Australien:

 

Beate Vivian Breisch (518 243 14) & Leigh Sutterby

24.02.1996

Oberglatt, ZH., Schweiz:

 

Barbara Lienhard (512 151 22) & Martin Meier

8.04.1997

Essen:

 

Dr. Jael Paulus (513 374 1) & Heinrich Mahler


 
 
 
 
 
 

Herzlichen Glückwunsch!

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Sterbefälle

Hermann Lauer (518 122)

* Barcola bei Triest 23. Februar 1906 † Wuppertal 25. Juni 1997

Hermann Christian Lauer ist am 25. Juni 1997 in seinem 92. Lebensjahre friedlich entschlafen. Es war ihm ein langer irdischer Lebensweg beschieden.-Leider haben wir keine weiteren Informationen erhalten.







Rolf Breisch (518 242)

* Jaffa 14. März 1911 † Bayswater AUS 9. August 1997

Rolf Norbert Breisch war der älteste Sohn des Kaufmanns Paul Breisch (1879-1916) von Jaffa und seiner Ehefrau Tusnelda geb. Hoffmann (1886-1938).

Rolf, welcher unverheiratet blieb, hatte kein leichtes Leben. Sein Vater starb als er 6 Jahre alt war im 1. Weltkrieg 1917 und die Mutter wurde mit ihren Kindern nach Heluan, Ägypten, transportiert, wo eine 2-jährige Internierung der Templer erfolgte, bis sie wieder in ihre Siedlungen in Palästina zurückkehren konnten. Nach der Schule in Wilhelma und Jerusalem arbeitete Rolf als Kaufmann, zuerst in Haifa und dann in Jaffa-Walhalla, wo er einen eigenen Laden eröffnete, in dem insbesondere bei den Siedlern "Bleyle"-Kleidung sehr gefragt war! 1938 verstarb die Schwester Nora und die Mutter und das Jahr darauf brach der 2. Weltkrieg aus und die Männer wurden in ein Internierungslager transportiert, von wo sie 1941 nach Australien verfrachtet wurden.

Als die Deutschen 1946 aus dem Lager entlassen wurden, siedelten sich die beiden Brüder Rolf und Guido in Melbourne an und fanden auch Arbeit. Doch Rolfs Gesundheit ließ mehr und mehr nach, sodaß er frühzeitig berentet werden mußte und er sich, wieder einige Jahre später,in das Pflegeheim begeben mußte, in dem er jetzt von allen Leiden erlöst wurde.
 
 
 

Dr. phil. Jael Beate Paulus (513 3741)

* Bad Liebenzell 5. Oktober 1942 † Essen 17. September 1997

Gertrud Maria Beate Paulus - sie nahm später den Namen Jael an - absolvierte nach dem Abitur bei Horten in Hamburg eine Ausbildung als kaufmännische Angestellte. Danach war sie zwei Jahre im Journalistenbereich tätig um sich alsdann mit intensiven Studien über Rußland und China zu beschäftigen, welche sie mit einer Doktorarbeit an der Harvard University in Boston MA USA abschloß. Es folgte eine Assistententätigkeit als Historikerin an der Hamburger Universität. Nach Jahren dieser Tätigkeit entschloß sie sich erneut ein Studium aufzunehmen, das der hebräischen Geschichte und Religion. Bis 1990 lehrte sie alsdann diese beiden Fächer an den Hochschulen in Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe.

Die nächsten Jahre befaßte sie sich mit dem Aufbau und der Konsolidierung der Firma ihres Lebensgefährten in Essen. 1995 begann jedoch ein tückisches Krebsleiden, welches sie mehr und mehr schwächte und zu ihrem frühen Tod führte. Es war Jael Beate jedoch noch vergönnt, vor einem knappen halben Jahr die Ehe mit ihrem Lebensgefährten Heinrich Mahler einzugehen.

Werner Paulus

Manfred Struve (518 334)

* Haifa 8. Juni 1912 † Heidelberg 29. Januar 1998

Manfred Struve wurde in der deutschen Tempelgemeinde Haifa, als 4. Kind des Johannes Struve und Karoline geb. Hoffmann geboren. Seine Mutter starb als er 6 Wochen alt war ganz unerwartet an einer Darminfektion von ihren 4 Kindern weg. Von der kinderlosen älteren Schwester des Vaters (Susy Frank) und ihrem Ehemann Theophil Frank wurde der Säugling aufgenommen und liebevoll gepflegt.

Auch nach der Wiederverheiratung von Johannes Struve mit der Base seiner verstorbenen Frau, Hulda Hoffmann, im Juni 1914 wollte "Tante Susy" sich nicht von dem "Manfredle" trennen. Er durfte bei ihr aufwachsen, blieb aber mit seinen Geschwistern stets verbunden.

Im Laufe der Kriegshandlung des 1. Weltkrieges wurde Haifa 1918 von den Engländern eingenommen. Beim Rückzug der Dreibundtruppen wurden alle deutsche Männer aufgefordert, sich anzuschließen. So kam Theophil Frank nach Deutschland. Tante Susy mußte ihr herrliches Anwesen den Engländern überlassen, die es als Wohnsitz des Distrikt-Gouverneurs ausersehen hatten. Notdürftig bei Bekannten untergebracht, durfte Tante Susy mit Manfred 1920 das Land verlassen. Sie trafen in Lorch (im Remstal) wieder mit ihrem Mann und anderen Flüchtlingen zusammen.

So wuchs Manfred ab seinem 8. Lebensjahr in Lorch, später in Heidelberg-Rohrbach, seinem Dauerwohnsitz auf, wo Onkel Theo eine schöne Villa gekauft hatte. Dieses Haus von Onkel Theo und Tante Susy sollte später für viele zur Ausbildung nach Deutschland kommende Templer aus Palästina eine freundliche Unterkunft werden. Auch Manfreds Brüder und Schwestern, erst Paul, dann Lieselotte und Hans und später Karoline betrachteten Tante Susys Haus als 2. Heimat.

Manfred besuchte das Gymnasium und studierte nach dem Abitur in Heidelberg Journalismus. Das Studium schloß er mit einer Doktorarbeit ab.

Der Kriegsausbruch 1939 brachte allen privaten Dingen ein jähes Ende. Manfred wurde als Kriegsberichterstatter eingezogen und tat Dienst in Norwegen, Karelien (Finnland) und zum Schluß an der Westfront. Im Januar 1941 starb Tante Susy einige Jahre nach ihrem Mann. Im April 1941 heiratete Manfred Irma Schädel aus Rohrbach. Aus der Ehe gingen 3 Kinder hervor: Wolfgang (1943), Gisela (1945) und Hans (1953).

Nach der späten Rückkehr aus der Gefangenschaft mußte Manfred sich erst wieder in dem so veränderten Leben zurecht finden. In seinem Beruf wurde ihm keinerlei Chance geboten. Zuerst arbeitete er im Sortiment-Buchhandel, später in der Zigarrenindustrie und schließlich bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1977 in einem großen chemischen Betrieb.

Im Ruhestand war er ganz frei für seine privaten Interessen. Er machte Reisen und arbeitete Dia-Vorträge über die bereisten Länder genauestens aus, wobei er besonders auf die Geschichte und die Kulturen wert legte. Das war neben Musik und Malerei ein wichtiges Element seines Lebens. Für seine aufopfernde Mitarbeit am Zivilschutz wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Manfreds Leben war, seinen geistigen Gaben entsprechend, innerlich reich. Er liebte die gepflegte Geselligkeit bei interessanten Gesprächen und hielt in alter Treue Verbindung zu seinen immer spärlicher werdenden Jugendfreunden. Die beiden Enkel Nora und Nicolai durften zu seiner Freude bei ihm im Hause aufwachsen.

Manfreds plötzlicher unerwarteter Tod, mitten aus dem gewohnten Leben heraus, war wohl für ihn eine Gnade und eine selten gewährte Entrückung aus den fortschreitenden kleineren und größeren Altersprüfungen.

Er wird unter uns, seiner Familie, seinen Geschwistern und Freunden in guter Erinnerung weiterleben und uns bereichern.

Nur 14 Wochen nach seinem Tode erlag Manfreds Frau

Irma Struve geb Schädel einer schweren Gehirnblutung.

* 10.Juli 1914 in Heidelberg † 11. Mai 1998 in Heidelberg

Irma Struve ist in Heidelberg-Rohrbach geboren und aufgewachsen. Sie besuchte in Heidelberg das Gymnasium bis zur mittleren Reife und machte anschließend eine kaufmännische Ausbildung. Bis zu ihrer Verheiratung war sie als Sekretärin tätig. Nach Manfreds Tod fühlte sie sich sehr einsam und verlassen

Karoline Gnann






"Mein bist du"

Spricht der Tod

und will groß Meister sein

Umsonst -

Mir hat mein Herr

Versprochen: Du bist mein.

Albrecht Goes

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Buchbesprechungen

von Rudolf Paulus

Zum 200. Todestag von JOHANN FRIEDRICH FLATTICH (1713 - 1797) sind die drei folgenden Schriften erschienen, die das Denken und Leben dieses Großvaters der BEATE PAULUS darstellen:

HERMANN EHMER: JOHANN FRIEDRICH FLATTICH, DER SCHWÄBISCH SALOMO (Calwer Taschenbibliothek 65) Stuttgart Calwer Verlag 1997 168 Seiten DM 19,90 ISBN 3-7668-3538-6

Hermann Ehmer will anläßlich des 200. Todestages des Großvaters von Beate Paulus ein auf wissenschaftlicher Grundlage ein jedem Interessierten zugängliches Bild von Flattich vermitteln (S.8). Im Gegensatz zu der klassischen Biographie von KARL FRIEDRICH LEDDERHOSE und der Ergänzung durch CHRISTIAN EBERHARD EHMANN aus dem vorigen Jahrhundert, bemüht er sich um eine Darstellung nur dessen, das sich aus den Akten, sonstigen Schriftstücken und Briefen ermitteln läßt. Er will das Bild dieses Schwabenvaters von den Übermalungen befreien, die vor allem durch die vielen Anekdoten den Blick auf die wirkliche Persönlichkeit versperren.

In flüssiger, leicht lesbarer Darstellung wird so der Lebenslauf, das Denken und Handeln dieses Pfarrers ausgebreitet. Als Stiftler gerät er unter den Einfluß von JOHANN ALBRECHT BENGEL. Die von diesem vorgenommene textkritische Arbeit am Neuen Testament sowie an der spekulativen Theologie über die Heilsgeschichte und das Wiederkommen Christi beeinflussen ihn sehr. Aber Flattich geht seinen eigenen Weg. Schon in der Studentenzeit entdeckt er die Mathematik als geeignetes Mittel zur Schulung des Verstandes in logischem Denken. Er beschäftigt sich mit dem klassischen Lehrbuch seiner Zeit, den Anfangsgründen aller mathematischen Wissenschaften von CHRISTIAN WOLFF. Da ich nun in der Vorrede gelesen, daß die Mathematik den Verstand vorzüglich schärft, so kaufte ich dieses Buch (S. 29).

Interessant ist der Vergleich mit seinem um eine Generation jüngeren Schwiegersohn PHILIPP MATTHÄUS HAHN. Beide lernen aus Wolffs Werk Mathematik, exakte Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften. Für beide ist (entsprechend dem Forschungstand seines Erscheinungsjahres 1710) wichtig, daß hier das geozentrische (Erde im Mittelpunkt) und das heliozentrische (Sonne im Mittelpunkt) Weltsystem gleichberechtigt nebeneinander stehen. Schon Bengel kann dadurch seine theologischen Vorstellungen über den Ablauf der Heilsgeschichte durch geozentrische Berechnungen in den Konstellationen der Sterne wiederfinden. Hahn, wie Flattich durch Bengel beeinflußt, konstruiert seine astronomischen Uhren, bei denen das geozentrische Planetensystem im Mittelpunkt der Betrachtungen steht. Er findet nichts dabei, Bengels Vorstellungen seiner Arbeit zu Grunde zu legen, obwohl sie bereits von den Arbeiten der Astronomen widerlegt sind. Die Zeittafeln seiner Uhren zeigen Bengels Vorhersagen für die Wiederkunft Christi im Jahre 1836.

Auch Flattich kann sich die Erde im Mittelpunkt des Weltalls vorstellen. Er kennt Bengels heilsgeschichtliches Werk. Aber er läßt sich nicht von dieser spekulativen Theologie umgarnen. Bei ihm steht die Erziehung im Mittelpunkt seine Denkens. Das didaktisch hervorragend aufgebaute Werk Wolffs ist ihm das sicherste Mittel zum hurtigen Gebrauch der Vernunft, um die Wahrheit zu erkennen und sich von den Beobachtungen nicht täuschen zu lassen (S.35). Didaktisch ist dieses Werk daher ein wichtiger Studiengegenstand für die vielen jungen Leute, die er in seinem Pfarrhaus zum Studium auf einer Universität reif machen soll.

Flattich beobachtet die Natur genau. Er wird aber doch nicht zu einem Naturalisten, der Gott nur in der Natur erkennt. Ihm bleibt das Wort der Heiligen Schrift die Richtschnur für die Lebensführung. Die Natur kann über das richtige menschliche Tun und Lassen Auskunft geben. Sie erhält aber ihre Ausdeutung in und durch die Bibel; denn diese enthält Gottes Welt. Flattich ist somit in einer höchst eigenartigen Weise als Biblizist und Empiriker zugleich Pietist und Aufklärer (S.129).

Der Schwerpunkt im Leben Flattichs liegt aber ganz eindeutig in seiner Tätigkeit für seine Gemeinde als Pfarrer und in der Erziehung der ihm von den Eltern anvertrauten Jungen und Mädchen. Hier geht es nicht nur um die Schulung des Verstandes, wenn auch dieser Teil eine wichtige Rolle im Unterricht spielt. Die jungen Menschen sollen auch erzogen werden, damit sie später einen vernünftigen Lebensstil pflegen können. Flattichs pädagogischer Ansatz geht nicht von einer Theorie aus, obwohl seine Gedanken Rousseau sehr nahe stehen; der das einfache Leben unter dem Schlagwort zurück zur Natur propagiert. Flattich ist Empiriker, der seine Zöglinge sehr genau beobachtete und sie individuell zu erziehen suchte. Rousseau ist für Ehmer ein Theoretiker, Flattich hingegen war Praktiker, der somit Gelegenheit hatte, seine pädagogische Praxis einer ständigen Prüfung und Korrektur zu unterziehen (Seite 122).

Hausen und Informieren sind die zentralen Punkte in Flattichs Denken. Beide sind eng miteinander verknüpft. Das Informieren, das heißt das Unterrichten und Erziehen der Jugendlichen, soll neben der Vermittlung des Fachwissens zum richtigen Hausen, das heißt zu einem vernünftigen Lebensstil führen. Entsprechend seinem Grundsatz schlecht und recht geht es ihm in der Erziehung neben der Wissensvermittlung gleichberechtigt um die Hinwendung zu einem Lebensstil, der sich nicht durch einen hohen finanziellen Aufwand blenden läßt. Die Mangelgesellschaft des 18. Jahrhunderts bot nach Flattichs Erkenntnis ... nur eine einzige Möglichkeit des Überlebens: Die Sparsamkeit. (Seite 54). So lernen auch Zöglinge aus der Oberschicht einen bescheidenen Lebensstil. Unermüdlich erklärt er den Eltern aus vornehmen Kreisen, daß Menschen, denen ein aufwendiger Lebensstil anerzogen wird, in schwierigen Zeiten ihr Leben nicht bewältigen können. Vornehmen Menschen ginge es viel härter, wenn sie ohne Arbeit seien, da sie nicht wie einfache Leute betteln oder im Stundenlohn arbeiten könnten. (S. 56).

Die Darstellung Ehmers zeichnet eine Persönlichkeit, an der das eine oder andere am überlieferten Flattich-Bild revidiert werden muß (S. 57/58). So läßt sich zum Beispiel der enge Kontakt nicht belegen, den die Überlieferung zwischen dem Pfarrer und seinem Herzog Carl Eugen von Württemberg herstellt. Die Abstriche an dem überkommenen Bild sind aber nicht schmerzhaft. Flattich hat es nicht nötig, durch erfundene Darstellungen in seiner Bedeutung gehoben zu werden. Er bleibt der große Pädagoge des Württembergischen Pietismus, dessen Tun und Handeln immer an der Bibel orientiert ist, die ihn bis ins hohe Alter hinein beschäftigt.

Der Text wird durch eine Zeittafel zum Leben des Pfarrers und dem gleichzettigen politischen Geschehen ergänzt. Zwei Stammbäume geben die genealogischen Zusammenhänge dieses Lebens. Einer enthält die Vorfahren und Nachfahren von Johann Friedrich Flattich beginnend mit seinen Großeltern und endend mit seinen Kindern. Der zweite ist ein Stammbaum-Auszug der Familie Flattich. Hier werden die Nachfahren des Stammvaters Martin Flattich, der im 16. Jahrhundert lebte, bis zur 1. Frau des Korntalgründers Gottlieb Wilhelm Hoffmann zusammengestellt. Leider fehlen die Vorfahren seiner Mutter und seiner Großmutter väterlicherseits. Diese, geborene Kapff, entstammt nämlich einer Schorndorfer Honoratiorenfamilie, die wohl der Erwähnung Wert gewesen wäre. In der Verlagsbeilage wird auf die Neuausgabe der Flattich'schen Briefe hingewiesen und gleichzeitig Auszüge aus drei seiner Briefe wiedergegeben.

Zum Schluß noch ein kritisches Wort. Die Brautschau von Philipp Matthäus Hahn für seine zweite Ehefrau wird kurz referiert (Seite 91). Nach den Kornwestheimer Tagebüchern Hahns kann man in dieser Darstellung nicht stehen lassen, daß Flattichs Tochter Helena wohl durch ihre Herzens- und Verstandsbildung für Hahn die geeignetere Frau gewesen sei (Seite 91). Es war nicht nur das Äußere, das zur Entscheidung für ihre Schwester Beate Regina führte. Hahn rang um diese Zeit unter den pietistischen Freunden um eine gleichberechtigte Stellung als Theologe zu Friedrich Christoph Oetinger. Helena hatte sich geistig dem Kreis um Oetinger angeschlossen, der Hahns theologische Schriften kritisch beurteilte. Bei der jungen Beate Regina konnte Hahn hoffen, daß sie sich seinem theologischen System anschließen werde. Darin hat er sich nicht getäuscht, wie ihre Verwaltung seines Nachlasses zeigt.

Diese Kritik mindert aber nicht den Wert dieser Biographie. Sie sollte in keiner Bibliothek im Familienkreis fehlen, zumal ihr niederer Preis jedem die Beschaffung ermöglichen dürfte.
 
 
 

HERMANN EHMER und CHRISTOPH DUNCKER: JOHANN FRIEDRICH FLATTICH BRIEFE (Quellen und Forschungen zur Württembergischen Kirchengeschichte Band 15) Stuttgart Calwer Verlag 1997 334 Seiten, DM 88,- ISBN 3-7668-3513-0

Wer über die neu erschienene Biographie in die Tiefe gehende Einzelheiten des Denkens von Johann Friedrich Flattich sucht, findet sie in dieser Schrift.

Es handelt sich um die erste Zusammenstellung aller erhaltener Briefe. Sie umfaßt einen Zeitraum vom 20. Dezember 1741 (Bewerbung um die Pfarrstelle Hoheneck bei Ludwigsburg) bis zum 19. Januar 1794. Allerdings ist zwischen 20. Dezember 1741 und 7. April 1764 eine Lücke in der erhaltenen Überlieferung. So stammen alle außer dem ersten Brief aus der Zeit als er Pfarrer in Münchingen bei Stuttgart war. Die Briefe sind an die Tochter Helena Hörmann geborene Flattich, die befreundeten Theologen Christian Adam Dann und Wilhelm Ludwig Hosch sowie den Schwiegersohn Wilhelm Friedrich Trautwein und dessen Ehefrau Veronika geborene Flattich gerichtet: Neben der Bewerbung um die Pfarrstelle Hoheneck ist lediglich ein weiterer amtlicher Brief an den zuständigen Dekan Phlipp David Burk in Markgröningen in der Zusammenstellung enthalten.

Als Einleitung stellen die Herausgeber der Briefsammlung einen Abriß über Flattichs Leben, seine Vorfahren und sein theologisches Denken voraus. Sie wird ergänzt durch eine Zusammenstellung der Herkunft der Briefe und eine Kurzbiographie der Adressaten. Zusammenfassend wird die Bedeutung der Briefe Flattichs gegeben. Die Einleitung endet mit Angaben Zur Edition der Briefe.

Den Hauptteil bilden die Briefe, die vollständig und buchstabengetreu wiedergegeben sind. Trotz der von heute abweichenden Orthographie sind sie leicht zu lesen. Fußnoten geben Daten der Personen, die angesprochen werden. Irrtümer in den Angaben der Bibelstellen oder uns Heutigen schwer verständliche Formulierungen sind im Text berichtigt, wobei Fußnoten die ursprüngliche Fassung geben. Leider findet sich in den Literaturangaben kein Hinweis auf die Signatur Philipp Matthäus Hahn 1739 - 1790 (z. B. auf Seite 32). Es handelt sich um den zweibändigen Ausstellungskatalog der Philipp Matthäus Hahn-Ausstellung, der 1989 vom Württembergischen Landesmuseum Stuttgart herausgegeben wurde.

Die Schrift gibt einen tiefen Einblick in Denken und tägliches Leben des Münchinger Pfarrers. Seine Briefpartner reißen nicht nur theologische Probleme an. Sie kommen immer wieder um Rat in sie bedrängende Fragen vor allem der Lebensführung und der Erziehung der Kinder ein. Dies läßt ihn seine Denkweise ausbreiten. Daneben unterrichtet Flattich seine Adressaten über Vorgänge in Münchingen sowie über das Geschehen innerhalb der Kirche und der Politik, soweit ihn entsprechende Informationen erreichen. Da er die Schreiben an seine engsten Freunde und Familienangehörigen richtet, braucht er keine Rücksichten auf die Durchsicht durch eine etwaige Zensur zu nehmen

Die in diese Briefe eingeflochtenen theologischen Überlegungen zeigen Flattich als einen selbständigen Denker, der einen eigenen Platz in der Geschichtsschreibung neben Johann Albrecht Bengel, Friedrich Christoph Oetinger und Philipp Matthäus Hahnbeansprucht: Seine Gedankenwelt kreist nicht um die Berechnung der Wiederkunft Christi, wie sie Bengel für das Jahr 1836 berechnet zu haben glaubte, oder um die Deutung der Welt auf kabbalistisch/alchemistischer Basis, wie sie Oetinger betrieb. Zwar ist er in Mathematik geschult, die ihm eine wichtige Wissenschaft zur Schulung des logischen Denkens ist. Aber seine Gedankenwelt ist eine emblematische, die versucht aus der Bibel und den Beobachtungen der Natur zu einer Einheit der Welt Gottes zu kommen.

Häufig werden in dem Briefwechsel pädagogische Fragen ausgetauscht. Flattich läßt seine Briefpartner an den Erfahrungen seines langen Lebens teil haben. Dabei kommt es ihm immer wieder darauf an, als Erziehungsziel eine einfache Lebensführung zu fordern. Aufwendiges Essen und Müßiggang sieht er als verderblich für die heranwachsende Jugend an.

Neben den theologischen und pädagogischen Gedanken enthalten die Briefe eine große Anzahl von Informationen über andere Menschen. Dabei sind es nicht nur die eigenen Pfarrkinder, die hier mit ihren Problemen Erwähnung finden. Flattich erweist sich als gut informiert über Stellenbesetzungen im nördlichen Württemberg. Über seine Gewährsleute aus dem Adel erfährt er einiges über die Politik, die der Herzog treibt. So weiß er zum Beispiel genau Bescheid über die Anforderungen für die Aufnahme in das Württembergische Kapregiment, das der Herzog an die Holländer verkauft.

Zusammenfassend kann man dieses Werk dem Studium eines jeden Familienangehörigen empfehlen, der tiefer in die Welt dieses Vorfahren eindringen will. Es gibt das Bild einer innerlich reichen Persönlichkeit, deren Briefe auch in unseren Tagen mit Genuß und Gewinn studiert werden können.

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LOTHAR BERTSCH: JOHANN FRIEDRICH FLATTICH. Ein begnadeter Seelsorger und genialer Erzieher.(Hänssler-Biographie) Neuhausen-Stuttgart Hänssler 1997. 183 Seiten, DM 19,95 ISBN 3-7751-2752-6

Diese Biographie nimmt den Faden der herkömmlichen pietistisch geprägten Darstellungen auf. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf Flattichs Wirken als Seelsorger und Pädagoge. Dabei versteht es der Verfasser aus dem Wust von Schriften dasjenige herauszusuchen, was Flattich als Pädagoge und Erzieher kennzeichnet und es in eine leicht lesbare Form zu bringen. In diese Darstellung sind immer wieder Anekdoten eingeflochten. Es liegt im Wesen der Anekdote, daß sie es mit der geschichtlichen Wirklichkeit nicht immer Ernst nimmt, um Charakteristisches einer Persönlichkeit anschaulich darzustellen. Aber vor allem durch ihre Nutzung gelingt es Bertsch Farbe in seine Darstellung zu bringen. Flattich wird als Seelsorger und Pädagoge dargestellt, dem es nicht um abstrakte Theorien ging. Für ihn stand vielmehr immer die Liebe zum Menschen im Vordergrund, den er seelsorgerisch betreute oder durch die Erziehung zu einem erfüllten Leben mit und durch Gottes Wort hinzuführen suchte.

Die Schwächen des Werkes liegen in der ungeprüften Übernahme des Überkommenen. Die Abstammung der Familie von einem wegen seines protestantischen Glaubens vertriebenen Adligen aus Mähren (S.21) hat bereits Roos vor über fünfzig Jahren stark bezweifelt und jetzt Ehmer in seiner Biographie als Irrtum nachgewiesen (Ehmer, S.12). Die engen Kontakte zu Herzog Carl Eugen, wie sie die Anekdoten ausbreiten, lassen sich nicht aus Akten und sonstigen Schriftstücken belegen. Selbst in den veröffentlichten Schriften und Briefen Flattichs findet man nirgends einen Hinweis auf sie. So sind auch sie bis zum Beweis des Gegenteils als unhistorisch einzuordnen. Schließlich hat Bertsch mit Flattichs Enkelin Beate Paulus Schwierigkeiten. Die Rüge des Konsistoriums wegen der kritischen Haltung ihres Ehemanns zur neu eingeführten Liturgie 1809 ist nicht vor seiner Heirat (S.107) sondern nach neun Ehejahren erfolgt. Auch hat nicht sie (S.108) sondern ihr Sohn Philipp Paulus den pietistischen Bestseller Beate Paulus, was eine Mutter kann zusammengestellt.

Leider bringt Bertsch nicht die Gedanken Flattichs zur Erziehung der Mädchen, wie sie Magdalena Paulus im letztjährigen Familienrundbrief zusammengestellt hat. Gerade hier sind seine Gedanken außerordentlich aktuell. sieht er doch klar, daß gerade die Töchter wissensmäßig gut ausgebildet werden müssen, wenn sie ihren Kindern den Weg in die geistige Welt zeigen sollen.

Bertsch bringt eine leicht lesbare Zusammenstellung des Lebens und Wirkens von Johann Friedrich Flattich. Allerdings stützt er sich überwiegend auf die Überlieferung, die sich nicht immer historisch belegen läßt und in einigen Fällen als unrichtig erwiesen ist.

Herd und Himmel. Frauen im evangelischen Württemberg. Katalog zur Ausstellung im Landeskirchlichen Museum Ludwigsburg vom 17. Mai 1997 bis 29. März 1998. 195 Seiten

Das landeskirchliche Museum in Ludwigsburg will durch Wechselausstellungen interessante Themen zur Geschichte der Evangelischen Kirche und Gemeinden in Württemberg aufgreifen. Dieses Mal hat es sich auf die Frauenforschung konzentriert. Es zeigt Gegenstände aus der Welt der Frauen in den vergangenen Jahrhunderten. Dabei ist die Ausstellung wie auch ihr Katalog weit davon entfernt, eine Geschichte der Frauen im Evangelischen Württemberg anzubieten. Entsprechend dem Stand der Forschung bringt sie ausgewählte Kapitel über die Tätigkeit von Frauen in der Kirche von der Reformation bis in die Gegenwart.

Die einzelnen Beiträge zeichnen sich durch ihre sachliche Darstellung aus. Hier wird nicht polemisiert, wie man es sonst häufig in der sogenannten Feministischen Literatur findet. Es wird aus den Quellen zusammengestellt, was zu ermitteln ist. Daher entsteht trotz allem Fragmentarischen und Vorläufigen doch ein nüchternes Bild von der Entwicklung. Von den Vorfahren der Familie Paulus werden BEATE REGINA HAHN geborene Flattich , ihre Tochter BEATE PAULUS und FRIEDERIKE SCHÜTZ geborene STRASSHEIM (1756 - 1835) (S:169 - 174) erwähnt.

Etwas näher muß auf die Darstellung des Lebens der Beate Regina Hahn geborene Flattich (1757 - 1824) und ihrer Tochter Beate Paulus (1778 - 1842) ; der Ehefrau von Karl Friedrich Paulus (1763 -1828) (Familiennummer 51) in dem Beitrag von GISELA SCHLIENTZ (S. 163 - 166) eingegangen werden. Das Eheleben der Beate Regina Hahn ist in den Tagebüchern ihres Ehemanns Philipp Matthäus Hahn (1739 - 1790) gut dokumentiert. Ihre Tochter Beate Paulus führt während ihrer Ehe Tagebuch, von dem sich die Jahrgänge von 1817 bis 1828 erhalten haben. Frau Schlientz benutzt beide Quellen, um daraus eine Darstellung zusammenzustellen. Diese Hefte sind jedoch keine Protokolle des täglichen Lebens. Sie bringen das, was den Verfasser bezw. die Verfasserin im Augenblick der Niederschrift bewegt, wobei über Negatives häufiger als über Positives berichtet wird. Das Übliche im Tagesablauf wird überhaupt nicht dokumentiert. Das bedeutet, daß man ein zu negatives Bild der Vorgänge zeichnet, wenn man sich nur auf diese Quellen abstützt.

So ist zwar für die ersten Ehejahre der Beate Regina Hahn viel von Auseinandersetzungen zwischen den beiden Eheleute berichtet. Milde gesagt, man muß sich erst einmal zusammenraufen. In den späteren Jahren erscheint Beate Regina in den Tagebüchern ihres Mannes kaum mehr. Man hat sich aneinander gewöhnt, Das Leben läuft seinen gewöhnlichen Gang. Daß die beiden Eheleuten sich auch in der ersten Zeit schätzen, zeigt die Zusammenarbeit bei der Abhaltung von Erbauungsstunden. Beate Regina. schreibt nach dem Diktat ihres Mannes Zusammenfassungen der versweisen Auslegungen der Heiligen Schrift als Grundlage für die Diskussionen in seinen Erbauungsstunden nieder. So lernt sie die Theologie ihres Mannes kennen und schätzen, die sich in dem wichtigen Punkt. dem Zeitpunkt der Wiederkunft Christi, wesentlich von seinen pietistischen Freunden unterscheidet. Nach seinem Tod gibt sie 1795 solche Diktate über die Auslegung der Offenbarung Johannes als Buch heraus. Wie sehr sie sich mit ihrem Mann schon wenige Jahre nach dessen Tod identifiziert, zeigt das Vorwort. Hier betont sie, daß ihr Mann in seinen letzten Jahren nicht mehr an die Vorausberechnungen des Prälaten Bengel über das Wiederkommen Christi im Jahre 1836 geglaubt habe. So bezieht sie mit der Herausgabe dieses Buches Stellung gegen die in den pietistischen Kreisen des Landes herrschende Zustimmung zu den Berechnungen des Schwabenvaters über das Datum der Wiederkunft Christi, was für ihre geistigen Fähigkeiten zeugt. Sie bezieht eine eigene Position, die in ihrer Hochschätzung ihres Ehemanns begründet ist. Man braucht daher bei ihren fast zwei Jahrzehnte später niedergelegten Erinnerungen mit der positiven Darstellung ihres Ehemanns nicht gleich eine Verdrängung des realen Ehemanns (S. 164) zu vermuten.

Ähnlich verhält es sich auch beim Tagebuch der Beate Paulus. Sie notiert fast ausschließlich negative Erlebnisse, z. B. daß 1818 der neunjährige Philipp kaum lesen kann (S. 165). Dieser Sohn besteht aber 5 Jahre später das Württembergische Landesexamen, das ihm eine kostenlose Schul- und Studienzeit bis hin zum theologischen Staatsexamen sichert, wobei bei der Aufnahmeprüfung nicht nur die Grundkenntnisse des Lesens, Schreibens und Rechnens sondern weitergehende Kenntnisse auf verschiedenen Wissensgebieten gefordert wurden. Vielleicht ist die Sicht der Beate Paulus in diesem Fall zu pessimistisch.

Betrachtet man das Zusammenleben zwischen Karl Friedrich Paulus und seiner Ehefrau Beate muß man sich von manchem frei machen, das für uns heute selbstverständlich ist. Zum Beispiel wurde die Ehe nicht aus Liebe geschlossen. Sondern die Schwestern des Karl Friedrich führen die Regie, daß sie sich treffen, und die Familie findet diese Heirat für gut. Immerhin sind der Ehemann bei der Hochzeit schon 36 und die Ehefrau 22 Jahre alt. Der Altersunterschied zwischen den Beiden beträgt 14 Jahre.

In der Klosterreichenbacher Zeit der Beiden kommt es zu einem folgenschweren Vorfall: Karl Friedrich wird von der Kirchenleitung wegen seiner öffentlich geäußerten negativen Meinung zu der neuen Liturgie gerügt. Nach allem, was wir wissen, muß er sich zu Unrecht verurteilt fühlen, denn ihm dürfte die Liturgie im Gottesdienst ziemlich gleichgültig gewesen sein. Dagegen gehören seine Frau und seine Schwiegermutter zu den "Stillen im Lande", die sie als Teufelszeug ablehnen. Für Karl Friedrich ist mit diesem Urteil die Hoffnung auf eine Karriere im Pfarrdienst dahin. Die Versetzung nach Ostelsheim und später nach Talheim bei Tuttlingen sind keine Sprossen auf der Karriereleiter nach oben, sondern mühsame Schritte, um wenigstens einigermaßen leben zu können. Diese Rüge vergiftet dann in der Talheimer Zeit das Verhältnis beider Ehepartner miteinander, wobei Karl Friedrich sie seiner Frau und Schwiegermutter nie mitteilt, sodaß die Beiden in manchen seiner Reaktionen vor einem Rätsel stehen.Talheim ist damals ein Ort in "Schwäbisch Sibirien". Es gab dort keine geistigen Anregungen. Die größeren Orte wie Tuttlingen oder Trossingen konnten nur nach einer mehrstündigen Fahrt erreicht werden, sodaß man dorthin keinen stetigen Kontakt herstellen konnte, zumal die Wege dorthin nicht besonders gepflegt waren. Im Winter konnte es passieren, daß man wegen des Schnees über Wochen vollkommen abgeschlossen von der Welt leben mußte.

Als die überlieferten Teile des Tagebuchs der Beate beginnen, sind Karl Friedrich 54 und Beate 39 Jahre, der älteste Sohn Friedrich 13 Jahre alt. Die anderen Söhne folgen im Abstand von wenigen Jahren. Für Beate kommt nur eine Ausbildung in einem höheren Beruf in Frage. Dazu rechnet sie die akademischen Berufe wie Pfarrer, Arzt, Apotheker und die Verwaltungslaufbahn. Dafür ist eine gute Schulbildung notwendig. Sie erwartet, daß ihr Mann seine Söhne neben dem Volksschulunterricht weiter unterrichtet, damit sie den Anforderungen gewachsen sind. Dazu ist Karl Friedrich aber schon zu alt. Er bringt die Kraft nicht mehr auf, wofür sie überhaupt kein Verständnis hat. Beate bohrt unverdrossen weiter. Sie braucht dabei Worte wie liederlicher Mann. Das treibt ihn in die Wirtschaft. Jedoch im Gegensatz zu der Darstellung bei Frau Schlientz (Seite 165) verbringt Karl Friedrich seine Abende nicht in der Wirtschaft. Er geht vielmehr nach dem Mittagsschlaf dorthin und kehrt zum Abendessen wieder zurück, wie Beate in ihrem Tagebuch berichtet. Wenn er dann nach Hause kommt, reißt ihm manchmal die Geduld und es kommt zu den unschönen Szenen, die in der Arbeit zitiert werden.

Wie ist aber dieses Verhalten zu erklären? Karl Friedrich hat spätestens jetzt erkannt, daß er in seinem Leben beruflich nicht mehr weiterkommen wird. Das macht ihn unzufrieden. Schuld an dieser Entwicklung sind für ihn seine Frau und Schwiegermutter. In dieser Unzufriedenheit über seine eigene Karriere platzt ihm bei dem ewigen Gequengel seiner Frau der Kragen. Bereder Beleg dafür ist der immer wiederkehrende Vorsatz in Beates Tagebuch, daß sie ruhiger werden muß und ihrem Mann nicht so viel widersprechen darf. Aber das Vermögen seiner Schwiegermutter veruntreut Karl Friedrich nicht, wie Frau Schlientz vermutet (S.166). In der von ihr auszugsweise berichteten Auseinandersetzung beruft er sich nämlich an einer anderen Stelle darauf, daß das Geld ihm und nicht seiner Schwiegermutter gehört. Übrigens ist auch die Angabe (Seite 166) der völlig verarmten Schwiegermutter Beate Regina Hahn nicht richtig. Sie übernimmt nach ihrem Wegzug nach Güglingen infolge dieser Auseinandersetzung die Kosten für die Ausbildung von zwei ihrer Enkel und hinterläßt bei ihrem Tode nach Aussage des Tagebuchs ihrer Tochter 1 000 fl.

Schließlich sind die handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Ehepartnern eine Episode. In den Jahren nach 1820 verlegt sich diese Auseinandersetzung mehr auf das geistige Gebiet. Karl Friedrich macht es seiner Frau so schwer wie möglich, ihr Lebensziel zu erreichen. Wenn sie ihn aber bittet, sucht er ihr zu helfen. So normalisiert sich das Zusammenleben. Ein Beweis dafür ist das Porträt der Beate, ein Ölgemälde das in diesen Jahren entstanden ist. Beate bezeichnet übrigens in dieser Zeit den Zustand ihres Mannes als seelenkrank. Das war er wirklich, weil das von ihm im Leben Erreichte nicht dem von seinem Ehrgeiz Erwarteten entsprach.

Beate liebt aber trotz aller Schwierigkeiten im Zusammenleben ihren Mann bis zum Tod. Das zeigt der Bericht über seine letzten Tage in ihrem Tagebuch. Sie verdrängt all die Demütigungen nicht, die sie von ihm erlitten hat. Aber sie betrauert ihn aufrichtig.
 
 
 

OTTO BETZ: LICHT VOM UNERSCHAFFENEN LICHTE. Die kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia in Bad Teinach. Sternberg-Verlag Metzingen 1996. 105 Seiten mit vielen farbigen Bildern, DM 48,- ISBN 3-87785-02-27

In einer der Chorwände der Evangelischen Kirche in Bad Teinach bei Calw ist ein Schrein angebracht, der die Welt und ihre Geschichte in kabbalistischer Denkweise zu erklären sucht. Er wurde von Antonia (1613-1679), der Schwester des regierenden württembergischen Herzogs gestiftet, von einer unter dem Einfluß von Johann Valentin Andreae (1586-1654) stehenden Theologengruppe unter tätiger Anteilnahme der Prinzessin entworfen und von dem württembergischen Hofmaler Johann Friedrich Gruber (1620-1681) zwischen 1659 und 1663 gemalt. Das vollendete Bild wurde am 26. 5. 1673 in einem Gottesdienst der Gemeinde in Teinach zum ersten Male gezeigt.

In der Kabbalah fand man im 16. und 17. Jahrhundert Antworten auf die Fragen nach der Vereinbarkeit der gegensätzlichen Eigenschaften Gottes.. Allerdings war in ihr ursprünglich wegen ihres Ursprungs aus dem Judentum für Jesus Christus kein Platz. In der Reformationszeit überarbeiteten die Humanisten dieses Gedankengebäude so, daß auch Jesus Christus und der Heilige Geist, also Gottes Dreieinigkeit, hier ihren Platz gefunden hatten.. In ein anschauliches Bild wurde diese christliche Sicht im Teinacher Schrein gebracht. Hier entstand zum Lobe Gottes ein Bild der Schöpfung in ihrer christlichen Verflechtung mit dem Dreieinigen Gott, eine Zusammenfassung des Wirkens Gottes in Natur und Geschichte, in der das Wesen Gottes über die kabbalistischen zehn Sephirot erfasst wird, soweit es für Menschen überhaupt erkennbar ist. Jedem dieser Ausflüsse sind besondere Eigenschaften Gottes zugeschrieben. So entspricht zum Beispiel der IV. Sephirah Gottes Sanftmut, Güte und Geduld, der V. Sephirah Gottes Gericht und strafender Gerechtigkeit. Der X. Sephirah wird in der jüdischen Kabbalah die Königsherrschaft Gottes zugeordnet. Sie wird für den christlichen Kabbalisten zu Jesus Christus.

Die Teinacher Lehrtafel hat in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit der Wissenschaft wiedererlangt. Für die Einarbeitung in ihren Inhalt ist das Werk von Otto Betz zu empfehlen. Es nutzt das sechzig Seiten starke, in lateinischer Sprache abgefaßte Lehrgedicht von Johann Lorenz Schmidlin (1626-1692) über die Lehrtafel, das sich als bisher unveröffentlichtes Manuskript in der Württ. Landesbibliothek in Stuttgart erhalten hat. Johann Lorenz Schmidlin, damals Pfarrer in Sindelfingen, ist allerdings nicht der geistige Urheber des Unterfangens. Wahrscheinlich gab sein Freund Johann Jacob Strölin (1620-1663) bei der Prinzessin Antonia den Anstoß und schuf auch das Programm des Darzustellenden. Schmidlin war aber die Sammelstelle für die Vorschläge der im süddeutschen Raum verstreut lebenden Freunde zum Inhalt des Schreins.

Der Schrein ist für unsere Familiengeschichte wegen dem Verfasser des Lehrgedichts von Interesse. Schmidlin ist einer der Ururgroßväter von Christina Gottliebin Hoffmann geb. Baumann (1774-1852), der dritten Frau des KorntalgründersGottlieb Wilhelm Hoffmann (1771-1846) . Damit ist Schmidlin ein direkter Vorfahre der Familienzweige 513 und 518. Außerdem ist er ein Vorfahre der Hanna Paulus geb Baumann (1829-1920), der 2. Frau von Immanuel Paulus (1814-1876): Damit wird er auch einer der Stammväter des Familienzweigs 516und der Baumann-Verwandten.

Das Werk kann jedem Familienmitglied zum bessern Verständnis des Denkens der Vorfahren empfohlen werden. Frappierend gut sind die Farbwiedergaben von Einzelheiten der Teinacher Lehrtafeln in eingefügten Bildern gelungen. Die reiche Ausstattung mit ihnen macht meistens langes Blättern nach angesprochenen Einzelheiten überflüssig. Der Text ist leicht verständlich verfaßt.

Im Nachgang zu den "Buchbesprechungen" von Rudolf Paulus hat uns Johannes Paulus (513 114) noch einen wichtigen Hinweis auf ein weiteres Buch zukommen lassen, welches bereits im Rundbrief Nr. 37/1996, S.44 angesprochen worden ist, die Germanistik-Dissertation seines Sohnes Jörg (513 114 2),welche jetzt im Druck vorliegt:

JÖRG PAULUS: "DER ENTHUSIAST UND SEIN SCHATTEN"

Literarische Schwärmer- und Philisterkritik um 1800

(Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte

13=(247)). Verlag W. de Gruyter Berlin - New York 1998, 382 Seiten,

DM 180.-- ISBN 3-11-015908-2

"Das Buch beschreibt das spannungsreiche Lebensgefühl und Menschenbild in jener Wende- und "Sattelzeit" rund um das Jahr 1800, also vor und nach der großen Französischen Revolution.

Im Spiegel der Romanliteratur erscheinen gar seltsame, aber typische Gestalten, bald im Bunde, bald im Streit miteinander, allen voran die zwei Gegenspieler, der Philister hier, der Schwärmer da. Die ersten, der Aufklärung verpflichtet, werden von den zweiten verschrien als Vernünftler, denen jeder Sinn für die unsichtbaren Welten fehlt. Die anderen wiederum werden kritisiert als dem Aberglauben ausgelieferte Phantasten im Irrgarten "hermetischer", esoterischer Künste.

Da tritt der Dichter Christoph Martin Wieland als ein pädagogisch und poetisch genialer Therapeut ins Mittel. Als eines seiner Glanzstücke wird seine philosophische Märchendichtung "Der Stein der Weisen" ins Licht gestellt. Jedoch in dem steilen Aufstieg der Romantiker ist dann auch der vorläufige (!) Sturz - und Absturz Wielands kein bloßer Zufall.

Die Darstellung schreitet dann immer wie eine Wanderung zwischen beiden Welten fort zu Novalis, Tieck, v. Brentano bis hin zu den späten Nachklängen nur scheinbar vergangenen geistigen Kampfgetümmels, im fernen "Echo der Philosophie", das bis in unser Jahrhundert herüberreicht. Jedoch,mitten im Strudel der zeitgeistigen Strömungen hebt die Gestalt von Jean Paul sein Feldzeichen als ein rechter "Geisterbanner" empor."

Jörg Paulus ist derzeit am Goethe Nationalmuseum in Weimar tätig um das Projekt "Kulturstadt Weimar 1999" im Goethejahr 1999 mit vorzubereiten.
 
 
 

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40 Jahre Rundbrief

Vierzig Jahre Rundbrief, fürwahr, Anlaß genug um einen Augenblick inne zu halten und stille zu werden.

Im August 1958 wurde der erste Rundbrief, ein Matrizenabzug mit 9 Seiten von Iman Paulus (513 321) herausgegeben. Heute haben wir schön gebundene Rundbriefe meist über 40 Seiten. Die inhaltsreichen Hefte finden große Beachtung in vielen Archiven, Bibliotheken, einschlägigen Vereinen und wissenschaftlichen Gesellschaften in ganz Deutschland und darüber hinaus.

Dankbarkeit erfüllt mich, wenn man die 40-jährige Wegstrecke des Rundbriefes überdenkt. Dankbarkeit an all die Vielen, die mitgeholfen haben ihn zu dem werden zu lassen, was er heute darstellt. Dankbarkeit auch an die Mithelfer/innen und Mitgestalter/innen, die bereits abgerufen worden sind. Dankbarkeit, volle Dankbarkeit!

Daß die Anzahl der Rundbriefe nicht mit den Jahreszahlen übereinstimmt, beruht darauf, daß in den Jahren 1959 und 1962 keine Rundbriefe erschienen sind. Rudolf Paulus (513 384) hat ein Gesamtregister sämtlicher Rundbriefe erstellt, das, so ist zu hoffen, noch veröffentlicht werden kann.

Vierzig Jahre Rundbrief das ist der Beitrag unserer Generation zur Geschichte unseres weitverzweigten Geschlechts. Er wird würdig an die Leistungen der Vorgenerationen gestellt werden können.

Wir sind bereit die Fackel an die nächste Generation weiterzugeben.

Werner Paulus

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Johann FriedrichFlattich,Der schwäbische Salomo

Von Hermann Ehmer

 Vortrag in der Evang. Martinskirche Kornwestheim am 1. Juni 1997

  zum 200. Todestag von Johann Friedrich Flattich, zugleich Familientag der Familiengemeinschaft Gebhardt - Paulus - Hoffmann.

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  Heute begehen wir den 200. Todestag von Johann Friedrich Flattich, der am 1. Juni 1797 in Münchingen verstorben ist. Mit Kornwestheim ist Flattich verbunden durch seinen Schwiegersohn Philipp Matthäus Hahn, der 1770-1781 Pfarrer hier war. Hahn war seit 1776 mit Flattichs Tochter Beate verheiratet, doch bestand schon vorher eine Verbindung zwischen den beiden benachbarten Pfarrhäusern.

Das Gedächtnis Flattichs, dem der heutige Tag gewidmet ist, stellt uns die Frage: Kennen wir Flattich? Natürlich kennen wir ihn, nicht zuletzt aus dem Roman von Georg Schwarz, der erstmals 1940 erschien unter dem Titel Tage und Stunden aus dem Leben eines leutseligen, gottfröhlichen Menschenfreundes, der Johann Friedrich Flattich hieß. Seit 1979 ist dieser Roman als Taschenbuch unter dem etwas einfacheren Titel Zwischen Kanzel und Acker zu haben. Dieses Buch hat Flattich weithin bekannt gemacht, doch muß man wissen, daß es keine Biographie ist, sondern ein Roman, keine geschichtliche Darstellung, sondern ein in dichterischer Freiheit gestaltetes Kunstwerk. Der Unterschied zwischen Dichtung und Wahrheit soll hier nur anhand zweier Beispiele verdeutlicht werden.

Schwarz redet von der vornehmen Abkunft Flattichs, sein Vorfahr soll ein adliger mährischer Gutsbesitzer gewesen sein, der um seines evangelischen Glaubens willen seine Heimat verlassen mußte und sich in Württemberg angesiedelt habe. Dieser Geschichte vom evangelischen Märtyrer hat sogar das Familienregister von Münchingen, das auf seinen ersten Seiten eine Flattich-Genealogie enthält, amtliche Glaubwürdigkeit verliehen, so daß sie in vielen Büchern und Artikeln über Flattich zu finden ist. Es handelt sich aber um eine Familiensage, die schon vor längerer Zeit widerlegt worden ist. Die Familie Flattich stammt, wie genealogische Forschungen ergeben haben, aus Nußdorf bei Vaihingen/Enz. Die Familie selber ist ein Beispiel für die Herausbildung der neuen württembergischen Ehrbarkeit, für das Entstehen des Pfarrer- und Beamtenstands im 16. Jahrhundert.

Diese Erkenntnis, die schon längst nicht mehr neu ist, nährt den Verdacht, daß weitere Züge, die uns an Flattich lieb und wert geworden sind, der historischen Überprüfung ebenfalls nicht standhalten. Dafür noch ein Beispiel. Viel erzählt wird von dem vertrauten Umgang Flattichs mit seinem Landesherrn, dem Herzog Karl Eugen. Es heißt hier, daß Flattich oft beim Herzog auf der Solitude gewesen sei und daß dieser ihn einmal getadelt habe, weil er seine Perücke nicht gepudert hatte. Hierauf hätte Flattich geantwortet: I brauch mei Mehl für d'Knöpfle.

Zu bemerken ist hier, daß diese und andere derlei Geschichten zweifellos zur Eigenart Flattichs passen. Er hat in der Tat mit hochgestellten Personen und Adligen verkehrt, z. B. mit dem General von Harling in Münchingen, mit den Leutrum von Ertingen auf der benachbarten Nippenburg, mit dem Regierungsrat von Seckendorff und anderen. Im Gespräch mit ihnen hat Flattich manches offene Wort gesprochen, doch findet sich kein Hinweis auf einen engeren Umgang Flattichs mit Herzog Karl Eugen, nichts findet sich in dem inhaltsreichen Tagebuch der Herzogin Franziska und auch sonst gibt es keine Hinweise darauf. Wir werden also die Geschichten vom vertrauten Umgang Flattichs mit dem Herzog streichen müssen. Doch nimmt dies Flattich nichts, genausowenig wie die Richtigstellung seiner Herkunft. Flattich bleibt Flattich, auch wenn er nicht der Nachkomme eines evangelischen Exulanten und nicht der Beichtvater seines Herzogs gewesen ist. Dies ist keine Entmythologisierung, vielmehr geht es um den geschichtlichen Flattich, um Flattich, wie er wirklich war.

Die Quellen, die etwas über das Leben Flattichs aussagen, sind also nicht die Anekdoten die Pfarrer Steinheil von Münchingen (1853-64) drei Generationen später gesammelt hat, und die seither ungeprüfter Grundbestand fast aller Veröffentlichungen über Flattich gewesen sind. In erster Linie sind die Selbstzeugnisse heranzuziehen, die Briefe von Flattichs Hand, von den über 80 jetzt noch vorhanden sind. Ursprünglich waren es viel mehr, die teilweise schon im letzten Jahrhundert, meistens in Auszügen veröffentlicht worden sind. Was heute noch an Briefen von Flattichs Hand erhalten ist, wurde jetzt in einer Edition zusammengefaßt. Aus dieser Arbeit an Flattichs Briefen ist auch eine Biographie erwachsen, die heute ebenfalls vorgestellt werden kann.

Bei diesen Briefen handelt es sich einesteils um Familienbriefe, in erster Linie an die älteste Tochter Veronika und den Schwiegersohn Trautwein. Dann gibt es noch Briefe an jüngere Theologen, nämlich Wilhelm Ludwig Hosch und Christian Adam Dann, zwei wichtige Gestalten der württembergischen Erwekkungsbewegung des 19. Jahrhunderts, auf die Flattich prägend eingewirkt hat.

Zunächst aber zum äußeren Lebensgang Flattichs. Dieser ist gut dokumentiert. Geboren ist er in Beihingen am Neckar, am 3. Oktober 1713. Seine Eltern waren Johann Wilhelm Flattich und Maria Veronika Kapff. Beide Eltern stammen aus typischen württembergischen Pfarrer- und Beamtenfamilien. Der Vater Flattich war ein Pfarrersohn und selbst Schulmeister von Beruf. Sein Bruder war Pfarrer in Beihingen gewesen und hatte ihm wohl zu diesem Amt verholfen. Jo­hann Wilhelm Flattich begnügte sich aber nicht mit den Aufgaben eines Schulmeisters; alsbald wurde er Gerichtsschreiber des Ortes und übte damit eine Art notarieller Tätigkeit aus, später wurde auch er Amtmann der einen an Beihingen beteiligten adligen Familie, nämlich der Schertlin von Burtenbach. Noch später durfte er sich mit dem Titel eines württembergischen Tutelarrats schmücken, den er sich anläßlich des Übergangs des Beihinger Besitzes der Familie von Hallweil an die von Gemmingen verdient hatte, wobei er die württembergischen Belange wahrgenommen hatte. Flattich-Vater war also ein vielbeschäftigter Mann und es ist nicht verwunderlich, daß er schon 50jährig starb. Seiner Witwe hinterließ er neben dem 15jährigen Johann Friedrich noch zwei ältere Töchter. Hiervon war die ältere bereits mit einem Pfarrer verheiratet und die jüngere ehelichte alsbald den Amtsnachfolger des Vaters. Johann Friedrich Flattich hatte um diese Zeit bereits die Aussicht in die Klosterschule aufgenommen zu werden. Die Mutter konnte also zu der älteren Tocher nach Hoheneck ziehen. Sie ist später in Metterzimmern bei ihrem Sohn gestorben.

Johann Friedrich Flattich hat also die übliche Laufbahn eines württembergischen Theologen zurückgelegt. Nach dem Besuch der Lateinschule in Ludwigsburg kam er auf die Klosterschule nach Denkendorf, wo der bekannte Johann Albrecht Bengel sein Lehrer war. In der Begegnung mit Bengel erweist sich Flattich als eigenständiger Kopf und der kluge Pädagoge Bengel erkannte, daß er ihm nichts vorschreiben mußte, sondern daß dieser Schüler fähig war, seinen eigenen Weg zu finden. In einem lateinischen Abschiedsgedicht, das Flattich anläßlich des Abgangs von Denkendorf gemacht hat, verspricht er Bengel: Ich will immer der Deinige sein!

Die nächste Station Flattichs war die Klosterschule Maulbronn, wo er sich als pflichtbewußter, vertrauenswürdiger Schüler erwies, so daß ihm die disziplinarische Aufsicht über die Mitschüler übertragen wurde. Flattichs Klugheit zeigte sich darin, daß er es fertigbrachte, keinen von seiner Promotion anzuzeigen. Dem entspricht auch sein späteres Verhalten als Pfarrer, wo er sich bemühte, möglichst keine Berichte über seine Gemeinde nach oben zu machen, nur wenn dies unumgänglich war. Er hat deshalb Konflikte selbst vor Ort bereinigt und nicht angezeigt.

1733-1737 studierte Flattich Theologie in Tübingen als Stiftler. Der Aufbau dieses Studiums gestaltete sich üblicherweise so, daß zunächst ein philosophischer Grundkurs bis zur Magisterprüfung durchlaufen wurde, dann folgten zwei Jahre des eigentlichen Theologiestudiums. Dies war deswegen möglich, weil die ganze Ausbildung von Anfang an auf die Theologie und das Predigtamt ausgerichtet war. Obwohl das Studium in erheblichem Maße reglementiert war, bot es dennoch einige Freiräume, die von Flattich auch genutzt wurden. Er hatte naturwissenschaftliche Interessen und entdeckte noch als Klosterschüler die Anfangsgründe aller mathematischen Wissenschaften von Christian Wolff.

Dieses erstmals 1710 erschienene rund tausendseitige Kompendium bot eine Einführung in die Mathematik, nämlich in Arithmetik, Geometrie, Trigonometrie, sphärische Trigonometrie, Algebra, sowie die Differential- und Integralrechnung. Neben dieser reinen Mathematik war auch die angewandte Mathematik vertreten mit Mechanik, Optik, Baukunst, Fortifikation und Artillerie. Flattich hat dieses Buch im Selbststudium durchgearbeitet, er löste die gestellten Aufgaben, aber: Die Lehrsätze hingegen und die Beweise las ich sehr oft, und gleichwohl blieb mein Verstand im Dunkeln, und ich wußte nicht, was ich daraus machen sollte. ... Endlich da ich ein ganzes Jahr anhaltend und unermüdet studirte, und ich nicht wußte, was ich bei so vieler Arbeit gethan hätte, so ging mir in einer Minute das Licht auf, daß ich einen Geschmack an Generalibus und Demonstrationen bekommen und ganz wohl fortkommen konnte. Flattichs Problem war das Denken in abstrakter Begrifflichkeit, die mathematische Beweisführung, die Aneignung dieser Fähigkeiten verdankte er dem Studium dieses Werks. Dies ist inhaltlich belegt durch sein noch erhaltenes handschriftliches Lehrbüchlein über Sonnenuhren, das er später für seine Schüler verfaßt hat und das Flattichs Eindringen in die Materie bezeugt.

Der Verfasser der Anfangsgründe ist Christian Wolff (1679-1754), Professor in Halle, Marburg, dann wieder in Halle, die wohl bedeutendste Gestalt der deutschen Aufklärung. Die Begegnung mit seinem Werk war ein wichtiges Bildungserlebnis für Flattich. Unter seinen Tübinger Professoren war auch ein unmittelbarer Wolff-Schüler, nämlich Georg Bernhard Bilfinger (1693-1750). Dieser war von Haus aus Theologe, wurde aber von Zar Peter dem Großen als Mathematiker nach St. Petersburg berufen und kam 1730 wieder als Professor der Theologie nach Tübingen zurück. 1735 wurde er aber in den württembergischen Geheimen Rat berufen, in das höchste Regierungsgremium. Bilfinger war für Flattich eines seiner Vorbilder, doch strebte er selbst freilich nicht nach Höherem, er wollte ein Dorfpfarrer werden und bleiben.

Sein Examen legte Flattich im Dezember 1737 ab, wobei die Prüfer Flattichs Studium der Mathematik für besonders erwähnenswert befanden. Hierauf trat er das Vikariat in Hoheneck an, und zwar bei seinem Onkel Johann Friedrich Kapff, dem Bruder seiner Mutter. Kapff hatte es in Hoheneck durch Weinbau und -handel zu Wohlstand gebracht, war aber kinderlos. Er hatte deshalb seinen Adjunkten (2. Pfarrer) Johann Friedrich Ziegler adoptiert, der hierauf die Schwester Flattichs heiratete, aber alsbald starb.

In seiner Hohenecker Zeit hatte Flattich mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Er versuchte deshalb seine Natur hart und dauerhaft zu machen. Täglich ging er zu Fuß zu einem Drechsler nach Ludwigsburg, arbeitete dort eine Zeitlang und kehrte auf demselben Weg wieder nach Hoheneck zurück. Mit dieser Therapie erreichte Flattich tatsächlich seinen Zweck.

Nach und nach übernahm er von seinem Onkel die pfarramtlichen Geschäfte. Kapff starb Ende 1741, worauf sich Flattich - allerdings vergeblich - um die Hohenecker Stelle bewarb. Er wurde dafür nach Ostern 1742 auf den Hohenasperg als Garnisonsprediger versetzt. Der Asperg hatte damals noch nicht die Bedeutung wie später unter Karl Eugen, die Garnison nahm aufgrund der Sparmaßnahmen der Regierung stetig ab, während Flattichs Amtszeit von fast 400 auf 50.

Diese feste Stelle bot aber Flattich die Möglichkeit zum Heiraten. Er verehelichte sich mit Christiana Margaretha Groß, einer Pfarrerstochter von Murr, die als Waise bei ihrer Tante, der Frau Pfarrer Pfaff in Steinheim lebte. Dort fand deshalb die Hochzeit statt, an die sich die Geschichte von der Ohrfeige knüpft, die Flattich seiner Braut zur Erprobung ihrer Sanftmut und Geduld gegeben haben soll. Ob es tatsächlich zu dieser Ohrfeige kam, muß bezweifelt werden, denn die Braut hatte in ihrem seitherigen Leben als mittellose Waise genügend Gelegenheit zur Erprobung von Sanftmut und Geduld. Im übrigen brachte sie ihre Schwester mit in die Ehe und hatte sogleich einer großen Haushaltung vorzustehen, denn Flattich eröffnete einen Mittagstisch für die unverheirateten Offiziere der Festung und nahm auch noch Kostgänger ins Haus, die er selbst unterrichtete. Diese "Information" - ein privates Internat - betrieb Flattich bis 1786.

Es zeigt sich hier Flattichs mathematische Schulung, er machte eine genaue Statistik über die Lebensverhältnisse seiner Gemeinde. Flattichs Metterzimmerner Zeit war aber auch eine Periode katastrophaler Mißernten, besonders in den 1750er Jahren. Durch diese Notzeit wurde Flattich auf das Problem des "Hausens" gewiesen, des richtigen Wirtschaftens. Die Information und das Hausen sind fortan die beiden wichtigen Gebiete für Flattich. Hier belehrte er nicht nur andere, sondern machte auch selber Erfahrungen. Eine Zeitlang war sein Onkel Kapff sein Vorbild. Er kaufte Weinberge in Metterzimmern, befaßte sich mit der Verbesserung des Weinbaus und dem Weinhandel, empfand diesen aber alsbald für einen Pfarrer als unpassend, gemäß 1.Tim.3,3: Es soll aber ein Bischof .... nicht unehrliche Hantierung treiben.

Flattich hatte vor, zeitlebens in Metterzimmern zu bleiben, zog aber 1760 nach Münchingen. Der Sage nach soll diese Veränderung auf die Einwirkung von Herzog Karl Eugen zurückgehen, auf die Geschichte vom Jagdausflug, in dessen Verlauf der Herzog in Flattichs Kirche geriet und von seiner Predigt so beeindruckt war, daß er ihm eine besser dotierte Pfarrei versprach. Diese Geschichte ist freilich nicht belegt, hingegen stellt sich der Sachverhalt so dar, daß der Amtsvorgänger in Münchingen verstorben und Flattich einer unter den 26 Bewerbern für dieses Amt war. Trotz ansehnlicher Konkurrenz bekam Flattich die Münchinger Stelle, ohne daß uns etwas über die Entscheidungsfindung des Konsistoriums bekannt wäre.

Flattichs Aufzug in Münchingen war auf den 3. März 1760 festgesetzt. Sein Gehalt hatte in Metterzimmern 201 fl. betragen, in Münchingen sollten es 230 fl. sein. Trotz dieses geringen Unterschieds galt dieser Wechsel als bedeutende Verbesserung. Es muß dahingestellt bleiben, ob diese durch die nichtamtlichen Nebeneinkünfte erzielt wurden oder durch die Eigenwirtschaft des Pfarrerhauses, durch die Verarbeitung der Naturalien, die als Gehaltsbestandteile anfielen, wie etwa des Flachses, der ein Teil des kleinen Zehnten war.

Flattich hat sich jedenfalls aufs Hausen verstanden, er hinterließ bei seinem Tod 1797 laut dem noch vorhandenen Inventar ein Vermögen von rund 10.000 fl. Deutlich wird hier, daß Flattich persönlich bedürfnislos gelebt hat, er hinterließ nur geringe Kleidung, an Wertgegenständen drei goldene Ringe und ein paar silberne Löffel. Über die Hälfte des Vermögens in Höhe von 5500 fl. waren aber als Kredite ausgegeben, und zwar in 73 Posten, nicht nur am Ort, sondern auch auswärts. Hiervon war wohl manches uneinbringlich, insgesamt aber konnte Flattich als wohlhabend gelten.

Wir sind hier vorausgeeilt, um die wirtschaftliche Situation Flattichs zu beleuchten. Bei seinem Amtsantritt in Münchingen war dieser Ort dreimal größer als Metterzimmern und galt auch als wesentlich wohlhabender. Damit waren aber krasse soziale Unterschiede verbunden: der reichen Oberschicht entsprach eine nicht geringe Anzahl von Bettelleuten.

Als Pfarrer war Flattich in dem dreimal größeren Münchingen mehr gefordert, wenngleich natürlich die gottesdienstlichen Aufgaben grundsätzlich dieselben waren wie in Metterzimmern. Dazu gehörten die Gottesdienste an Sonn-, Fest- und Feiertagen, ferner die Wochengottesdienste und Kasualien. Umfangreicher war in Münchingen die weltliche Seite des Pfarramts, denn hier hat Flattich genau unterschieden. Diese Aufgaben hat er mit den Frondiensten verglichen, die die übrigen Untertanen zu leisten hatten. Dafür ging es im Pfarramt darum, daß gewiße Sachen von einem Geistlichen untersucht, protocollirt und Berichte eingeschickt, daß Tauf-, Todten-, Ehebücher richtig geführt, daß Kirchen- und Schulhauß-Bauwesen und Bettel-Ordnungen recht besorgt werden etc.

Durch die Wahrnehmung dieser Aufgaben gehörte der Pfarrer zur Obrigkeit, er war Vorsitzender des Kirchenkonvents, eines Gremiums zur Einhaltung der Kirchenordnung, die weite Bereiche des Lebens umfaßte, nicht nur kirchliche Angelegenheiten im engeren Sinne, sondern auch Schule, Ehesachen und Armenwesen. In diesen Bereichen fiel natürlich in Münchingen mehr an als etwa in Metterzimmern.

Trotz dieser Belastung hat Flattich in Münchingen seinen Wirkungskreis noch ausgedehnt, und zwar hinsichtlich seiner Information. Er ließ - vermutlich auf eigene Kosten - einen Anbau an das Pfarrerhaus errichten zur Unterbringung seiner Kostgänger. Den Vikar, den er von seinem Vorgänger angetroffen hatte, behielt er bei, um in den pfarramtlichen Geschäften eine Entlastung zu haben. Die Arbeitsverteilung zwischen Pfarrer und Vikar gestaltete sich so, daß Flattich sich bis zuletzt die Predigt vorbehielt, denn diese war nach wie vor das Zentrum der pfarramtlichen Aufgaben. Der Vikar hatte nach Anweisung die übrigen Geschäfte zu übernehmen, wie die Kinderlehre, Wochengottesdienste und Kasualien, sowie die Führung der Protokolle und Kirchenbücher.

Nur neun Jahre, nämlich 1768-1777, hatte Flattich keinen Vikar. Dann traten nacheinander die beiden Söhne als Vikare bei ihm ein, nämlich Andreas Friedich (genannt Fritz), der neun Jahre, und Christoph Ludwig (genannt Louis), der elf Jahre Vikar beim Vater war. Eine solche Stellung würde heute als problematisch angesehen werden, war aber in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft nichts Außergewöhnliches.

Insgesamt 37 Jahre, bis zu seinem Tod, wirkte Flattich als Pfarrer in Münchingen. Eine Pensionierung war damals nicht üblich. Soviel zum äußeren Lebensgang Flattichs. Damit aber ist die eingangs gestellte Frage "Kennen wir Flattich?" nicht erschöpfend beantwortet. Es soll daher noch der Versuch einer Würdigung unternommen werden.

Eine solche Würdigung ist bereits enthalten in unserem Thema, das Flattich als "schwäbischen Salomo" bezeichnet. Diese Formulierung von Martin Brecht aus der neuen Geschichte des Pietismus geht zurück auf Albert Knapp, der Flattich einen in das Gewand eines Dorfpfarrers verkleideten neutestamentlichen Salomo genannt hat. Mit dem König Salomo ist bekanntlich die alttestamentliche Weisheit verknüpft, also nicht nur die Psalmen, sondern auch das Buch der Sprüche, Prediger und Hoheslied, sowie das apokryphe Buch der Weisheit.

Weisheit ist menschliche Erfahrung aus langen Zeiträumen, die durchdacht und zu prägnanten Aussagen verdichtet ist, wie etwa in Sprichwörtern und Bauernregeln. Bei Flattich ist festzustellen, daß Erfahrung Beobachtung und Nachdenken voraussetzt. So schreibt er 1777 an Hosch: Es kan ein Mensch viel sehen und siehet doch nichts, weil er nicht darüber denkt. Ich habe jetzo mit Soldaten gesprochen, welche in vielen Schlachten gewesen und konnten aber mir doch wenig erzehlen, indem sie darüber nicht gedacht haben. Deßwegen pflegt man auch im Sprichwort zu sagen: Es fliegt eine Ganß übers Meer und kommt ein Gagag wieder her. Beobachten und Nachdenken hatte Flattich bei Christian Wolff gelernt, in dessen Anfangsgründen aller mathematischen Wissenschaften. Denken heißt ja, daß Erfahrung verallgemeinert, auf den Begriff gebracht wird. Eben dies ist reflektierte Empirie, ein Erbstück der Aufklärung.

Wichtig ist bei Flattich allerdings, daß er nicht beim Vorfindlichen stehen bleibt, bei dem was vor Augen ist, für ihn hat die Wirklichkeit einen unter der Oberfläche verborgenen Sinn, der sich dem Nachdenken erschließt. Ein Beispiel dafür bietet ein Brief von Flattich an Dann aus dem Jahre 1787: Da ich von vielen Jahren her viele junge Leute in der Information und Kost hatte, so kam ich in manche Übungen, daß ich vieles durchmachen mußte. ... Da ich nun in diesen Gedanken spazieren ging und zu einem Berg kam, welcher ganz wüst und unfruchtbar war, und unten auch ein Acker war, welcher eingesäet und dessen Saamen gut aufgegangen war, so ver[g]lich ich den wüsten Berg mit dem fruchtbarn Acker und sahe ein, daß dieser Berg nicht tragen könne, weil nichts darauf gebaut und gepflanzt werde. Worauf ich den Schluß machte, wann man bey jungen Leuten nicht arbeite und pflanze, so gehe es wie mit diesem Berg, welcher wüst liegen bleibe. Wie man nun einen Acker pflanze, so muß man auch bey jungen Leuten sich aufs Pflanzen legen. Dieses Beispiel zeigt, wie Alltagserfahrungen transzendiert werden und somit Licht für die Fragen des menschlichen Lebens geben.

Neben dieser aufklärerischen Seite Flattichs ist auch eine biblizistische Seite festzustellen, denn auch die Bibel gibt ihm Antwort auf Probleme seines Alltags. So schreibt er 1779 an Hosch: Weil Sie mir die Frage vorlegen, wann und wie ich darauf gekommen, daß ich den Unterricht junger Leuten, das Haußen etc. in der H. Schrift suche, so kan ich Ihnen die Zeit nicht genau bestimmen, indem ich nach und nach darauf gekommen, weil ich theils durch die Philosophie und theils durch die vielerley Meinungen und Gebräuche mir nicht zu helfen wußte. ... Weil nun der Bengel die astronomische Rechnung in der Bibel gesucht, so nahm ich mir vor, auch meine Information und andere Dinge in der Bibel zu suchen, besonders da ich sah, daß in der Auferziehung junger Leute, im Haußen, in der Medicin etc. alles sehr verkünstelt und der Seegen Gottes bey so vieler Verkünstelung verdunkelt und oft gar abgetrieben wird.

Für Flattich ist deshalb in der Bibel wichtig vor allem die alttestamentliche Weisheit, ebenso aber auch die neutestamentliche Paränese, die praktischen Anweisungen der neutestamentlichen Briefe. Aber auch hier geht Flattich wieder über das Vorfindliche und den Buchstaben des Textes hinaus. Ein Beispiel dafür ist das Christuswort Mt. 11,30: Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Daraus zieht Flattich den Schluß, daß er beim Unterricht auf Mittel bedacht sein muß, wie das Joch sanft und die Last leicht gemacht werden kann. Dies ist sein pädagogisches Prinzip, das auch im Flattich-Denkmal in Beihingen dargestellt ist, das einen mächtigen Steinblock zeigt, der in immer kleiner werdende Teile zerlegt ist. Dabei steht ein Wort von Flattich: Man kann den größten Stein wegtragen, wenn man ihn zuvor in Stücke zerschlägt.

Flattich hat so gut wie keine Schriften hinterlassen. Zu seinen Lebzeiten (1761) wurde gedruckt das Sendschreiben von der rechten Art, Kinder zu unterweisen. Diese für württembergische Pietisten eigentlich untypische Feststellung belegt, weshalb Flattichs Wirkung zunächst auf seine Lebenszeit begrenzt war. Nach seinem Tod wurden allerdings - vornehmlich aus seinen Briefen - und vermutlich von seinem Sohn Louis sogenannte Hausregeln zusammengestellt, die im Druck zuerst 1824 in einem Sammelwerk erschienen, bereits 1825 aber als selbständige Schrift, die in Ludwigsburg unter dem Titel gedruckt wurde: Regeln der Lebens-Klugheit im Volkston. Eine Haustafel für alle Stände. Es handelt sich hier um Regeln mit Beispielerzählungen über das Hausen, jedoch nicht nur hinsichtlich der häuslichen Oekonomie, vielmehr werden auch Fragen zu Ehe, Kindern und Gesinde beleuchtet.

Rahmen8Diese posthume Schrift Flattichs wurde bis ins 20.Jahrhundert herein mehrfach gedruckt. Am erfolgreichsten war wohl die von Christian Heinrich Zeller veranstaltete Ausgabe. Zeller war der Sohn eines Schülers von Flattich und einer der Väter der inneren Mission, Gründer der Anstalt für verwahrloste Kinder in Beuggen am Hochrhein. Zeller gab Flattichs Hausregeln heraus mit einem eigenen Vorwort unter dem Titel Geheimniß des christlichen Haushalts. Diese Schrift erschien bei der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart, 1906 bereits in 16. Auflage. Es gibt sogar eine französische Übersetzung dieser Schrift, was dadurch zu erklären ist, daß der württembergische Pietismus des 19. Jahrhunderts großes Interesse am Protestantismus in Frankreich hatte.Verwunderlicher ist - zumindest auf den ersten Blick - eine 1867 erschienene Übersetzung ins südindische Kanaresisch. Dies wird verständlich, wenn man sieht, daß die Übersetzung in der Druckerei der Basler Mission in Mangalore gedruckt wurde. Die Basler Mission hinwiederum kann als die württembergische Missionsgesellschaft betrachtet werden. Auf dem Titel der kanaresischen Ausgabe findet sich übrigens ein Nachstich der Porträtsilhouette, die das einzige Bildnis von Flattich darstellt.

Wir können also Flattich zu Recht als schwäbischen Salomo bezeichnen. Seine Weisheit, seine durchdachte Erfahrung, hat sogar seine Lebenszeit überdauert und weit über den engen Raum zwischen Beihingen, Hoheneck, Metterzimmern und Münchingen, in dem sich sein Leben abgespielt hat, hinausgewirkt.

Zur Literatur:

Hermann Ehmer, Christoph Duncker (Hrsg.) Johann Friedrich Flattich, Briefe (Quellen und Forschungen zur württembergischen Kirchengeschichte) Stutt­gart: Calwer Verlag 1997

Hermann Ehmer, Johann Friedrich Flattich. Der schwäbische Salomo. Eine Biographie (Calwer Taschenbibliothek 65). Stuttgart: Calwer Verlag 1997.



















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Unde venis: Wer war Christiana Margaretha Groß?

von Werner Paulus

Vor 200 Jahren ist Pfarrer Mag. Johann Friedrich II Flattich am 1. Juni 1797 verstorben. Wir haben am letzten Familientag mit einem vorzüglichen Vortrag von Herrn Dr. Hermann Ehmer unseres Vorfahren gedacht. Besonders dankbar bin ich Herrn Dr. Ehmer, daß er mit der Legende der adeligen Exulanten-Herkunft einfürallemal aufgeräumt hat. Ich selbst habe diese bereits in unserem ersten Rundbrief 1958 durch klare Fakten widerlegt, sodann 30 Jahre später nocheinmal in einer "Unde venis"-Reihe in Rundbrief Nr. 29/1988 S. 21 ff. Manche Legenden und Anekdoten lassen sich jedoch nicht wegwischen, so z.B. die wohl letzten, daß Flattich gerne Wein getrunken und Laubfrösche gegessen habe. Was das Weintrinken anbelangt, so war dies damals ein überall genossenes Getränk, zumal man Wasser meist nur mit Vorbehalt trinken konnte. Übermäßig wird er jedoch den edlen, damals allerdings ziemlich sauren Rebensaft nicht getrunken haben. Gleichwohl hat Flattich selbst in Metterzimmern und Münchingen eigene Weinberge gehabt und bewirtschaftet um diese Arbeit zu erlernen. Doch später verkaufte er sie jedoch wieder. Für unsere Kirchenbehörde, den Evang. Oberkirchenrat in Württemberg, ist dies Anlass genug seinen Gästen bei bestimmten festlichen Gegebenheiten heute noch einen "Flattichwein" zu kredenzen!

Bei den "Laubfröschen" hat es sich sicher nicht um die heute leider all zu selten gewordenen grünen wetteranzeigenden Tierchen gehandelt, sondern um eine bestimmte Art der Essenszubereitung: dies waren -und sind es auch heute noch- eine Art Krautwickel, die, anstatt mit Kraut, mit Spinatblättern umwickelt wurden bzw. werden. Flattich dürfte überhaupt sehr wenig Fleisch gegessen haben, da dies bei so großen Mittagstafeln wie dies in seinem Hause üblich war zu teuer gewesen wäre. Seine Lieblingsmahlzeit "Knöpfle mit Laubfröschle" waren somit Spätzle und Spinatwickel.

Doch auch bei der Zubereitung solcher einfachen Dinge bedurfte es vieler Hilfen. Flattichs wichtigste Hilfe war ohne Zweifel seine Frau Christiana Margaretha geb. Groß. Sie gab ihm in ihrer stillen, unauffälligen Art überhaupt erst die Voraussetzung zu seinem bedeutungsvollen Wirken. In allen Flattich-Biographien, insbesondere in den letzten der Theologen Ehmer und Bertsch, kommt zum Ausdruck, wie es wohl möglich war, daß Flattich so schnell nach der Ernennung zum Garnisonsprediger auf dem Hohenasperg eine Frau gefunden hat. Hatte hierbei irgend jemand eine Vermittlerrolle übernommen wie zwei Generationen später bei seiner Enkelin Beate Hahn-Paulus?

Nun, es hatte in diesem Falle kaum größerer Vermittlungen bedurft, denn Flattich kannte Christiana Margaretha von Kind auf: sie war seine Nichte zweiten Grades, denn ihr Vater Pfr. Joh. Melchior Groß, Pfarrer von 1718-37 in Murr a.d. Murr war ein Vetter von Joh. Friedrich Flattich, denn die beiden Mütter waren Schwestern.Anders ausgedrückt: Die Mutter Flattichs, Maria Veronika geb. Kapff (* Backnang 24.2.1671) und Christianas Großmutter Maria Felizitas geb. Kapff (* Waiblingen 1663) waren - mit dem Hohenecker Pfarrer Johann Friedrich Kapff - Geschwister. Christianas Großmutter hatte am 21.11.1682 in Backnang den dortigen Handelsmann Johann Caspar Groß geheiratet.

Eine weitere Verbindung kommt jedoch noch hinzu: Die Mutter von Christiana Margaretha Groß, Anna Ursula geb.Klett, starb bereits am 15.10.1727 in Murr als sie noch keine 6 Jahre alt war und ihr Vater Joh. Melchior Groß zehn Jahre darauf, sodaß sie mit ihrer Schwester verwaist war. Die beiden Mädchen wurden sodann vom Pfarrerehepaar der Nachbargemeinde Steinheim ins dortige Pfarrhaus aufgenommen.

Dies hatte ebenfalls einen familiären Hintergrund: Die Frau des Steinheimer Pfarrers Johann Friedrich Pfaff (Pfarrer in Steinheim von 1724 bis zu seinem Tode 1765) war eine Halbschwester von Flattichs Vater, des Beihinger Amtmanns Joh. Wilhelm Flattich. Dessen Vater, Pfarrer Johann David I Flattich, war zweimal verheiratet: 1.) mit Anna Margaretha Föll (* ca. 1644 † Unterriexingen 18.3.1693) 2.) mit Kath. Maria Sebolt (* ? † Steinheim/Murr 13.9.1742). Kath. Maria geb. Sebolt lebte 25 Jahre als Witwe in Steinheim bei ihrer Tochter Maria Katharina Pfaff geb. Flattich (*Ilsfeld 15.4.1700 † Steinheim 27.10.1747). Da Steinheim sozusagen die zweite Heimat von Christiana Margaretha Groß geworden war fand hier die Heirat am 22.5.1742 mit Johann Friedrich II Flattich statt.
 
 
 

Die nachfolgende Skizze soll das Dargestellte verdeutlichen:

Lebensdaten von Christiana Margaretha Groß:

geboren Murr 8.6.1721 getauft Murr 9.6.1721 gest. Münchingen 13.12.1771
 
 
 

Joh. David Flattich

oo 1. Anna Marg. Föll

oo 2. Kath. Maria Sebolt
 
 
 
 
 

Joh. Wilhelm Flattich

Joh. Caspar Groß

oo Maria Veronika Kapff__

_Joh. FriedrichKapff ___

__oo Maria Felizitas Kapff

Beihingen

Pfr. Hoheneck

Backnang

Maria Kath. Flattich

Joh. Melchior Groß

oo Joh. Friedr. Pfaff 

oo Anna Ursula Klett

Steinheim/Murr

Murr

Joh. Friedrich Flattich 

_ oo 

Christ. Marg. Groß Münchingen

22.5.1742

Steinheim/Murr

Die Groß'sche Familie weiter zurück zu verfolgen ist schwierig. Nach einer wohl glaubhaften Version kommt die Familie aus dem Frankenlande. Das "Pfarrerbuch der Reichsstädte Dinkelsbühl, Schweinfurt, Weißenburg und Windsheim, sowie der Reichsdörfer Gochsheim und Sennfeld" Nürnberg 1962 berichtet auf S. 92 "unter den Nachkommen des Pfarrers Johann Philipp Groß (* Windsheim 8.6.1639 † Windsheim 10.3.1689) befinden sich wenigstens 12 Pfarrer und 6 Pfarrfauen, darunter die Frau von Pfarrer Flattich."

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Bericht vomFamilienwandertag

Wir trafen uns am Sonntag, 28. September 1997, zu unserem "Wandertag auf Flattichs Spuren" bei herrlichem Herbstwetter um 10.00 Uhr zum Gottesdienst in der Amanduskirche in Beihingen a. N., jetzt Freiberg-Beihingen a. N. Beihingen am Neckar ist ein malerischer Ort am Hang des Neckars mit schönen Fachwerkhäusern, zwei alten Schloßanlagen und einer äußerst imposanten, trutzigen mittelalterlichen Wehrkirche, der Amanduskirche. Sie ist eine von nur zwei Amanduskirchen in Württemberg, die andere ist die Uracher Stadtkirche. Unten im Tal befindet sich das bekannte Flattichdenkmal, welches von mehreren unserer Wanderer schon vor dem Kirchgang besucht wurde.

Die Amanduskirche, Flattichs Heimatkirche, in der er getauft und konfirmiert wurde, ist eine der interessantesten und schönsten Dorfkirchen des mittleren Neckarraumes. Ihr Außenbild erscheint als Titelseite im Buch "Deutsche Dorfkirchen" in der Sammlung der "Blauen Bücher". Im Inneren lassen sich sämtliche Stilepochen von der spätromanischen Zeit bis zum Rokoko nachweisen, die in selten schöner Harmonie den Kirchenraum schmücken. Nach dem Gottesdienst führte uns der Messner, Herr Maier, durch die gesamte Kirche und erklärte uns vieles. Als wir ganz oben im Glockenstuhl des mächtigen Wehrkirchenturms waren ließ er zu unseren Ehren die Glocken leuten! Besonders für die Kinder wird dies ein unvergeßliches Erlebnis bleiben.

Nach einem letzten Blick über die mächtige Ringmauer hinunter ins Neckartal begann unsere eigentliche Wanderung zur nächsten Ortschaft Benningen am Neckar. Auf halbem Wege an einem schönen Aussichtspunkt mit Kinderspielplatz machten wir Picknick und genossen den schönen Blick auf die gegenüberliegende Seite des Neckartales, insbesondere auf Marbach am Neckar.

Gestärkt setzten wir unsere Wanderung durch große Felder und vorbei an Apfel- und Birnbäumen fort in die romantische Ortschaft Benningen, wo wir um 14.50 Uhr im Heimatmuseum, dem ehemaligen Gasthof zum "Adler" von der Archivarin, Frau Rittge, erwartet wurden. Dieser Gasthof, ein mächtiger Fachwerkbau, wurde 1650 von Vorfahren des Esslinger Unternehmers Richard Hirschmann als "Schildwirtschaft" erbaut. (Wirtschaften, die einen Schild führen durften, waren damals besonders hervorgehobene und gute Übernachtungsstätten, gleichsam "Hotels".)

Die Museumspädagogin gab uns anhand der Schätze des Museums einen geschichtlichen Überblick über Enstehung und Bedeutung Benningens. Schon zur Römerzeit hatte Benningen Bedeutung. Bereits in der 2. Hälfte des 16. Jh. wurden römische Steine entdeckt, was zu weiteren Ausgrabungen führte, die die ersten auf württ. Boden darstellten. Die Benninger Funde sind nicht nur im Römermuseum am Ort zu sehen, sondern sie bildeten auch den Grundstock für das Lapidarium des Württ. Landesmuseums in Stuttgart.

Ein weiterer Punkt, der mit viel Anschauungsmaterial des Museums angesprochen wurde, waren die vielen Bettler, Erntearbeiter usw. des Schwäbischen Waldes, besonders des Welzheimer Waldes, die im 19. Jh. aus den dortigen Elendsgebieten in den Neckarraum drängten um sich hier zu verdingen. Rudolf Paulus (513 584) konnte Frau Rittge mit interessanten familiengeschichtlichen Anmerkungen ergänzen. Für diesen Bericht hat er das Gesagte schriftlich formuliert: "Das Heimatmuseum in Benningen dokumentiert u.a. die sozialen Zustände in den noch von der Landwirtschaft geprägten Dörfern in Württemberg im 19. Jahrh. So gibt es den Hintergrund für die Bemühungen von Philipp Paulus (Fam. Nr. 514) nach 1850 durch Gründung des "Erntevereins" zur Minderung der Not großer Teile der Bevölkerung im damaligen Königreich beizutragen. Mit dieser Institution wollte er dem landwirtschaftlichen Proletariat wieder eine Existenz geben, das damals mittellos vor allem im Schwäbischen Wald und Württ. Schwarzwald lebte. Dazu kaufte dieser Verein landwirtschaftliche Grundstücke in den Notstandsgebieten auf und gab sie zusammen mit den notwendigen Arbeitsgeräten, Samen und Vieh den Arbeitslosen zur Bewirtschaftung. So war gesichert, daß etwaige Gläubiger ihnen ihre Existenzgrundlage nicht durch Pfändung nehmen konnten.- Es ist noch offen, ob hier eine Beziehung zur Gründung der "Bausparkasse Wüstenrot" besteht. Schließlich liegt Wüstenrot in einem der Brennpunkte der Arbeit des Erntevereins."

Nach der Besichtigung des Heimatmuseums gingen wir vollends hinunter zur hölzernen und überdachten Neckarbrücke wo sich daneben die "Alte Kelter" befindet in der das "Kelterfest" des Gesangvereins stattfand und ließen den schönen und erlebnisreichen Tag bei Kaffee und Kuchen und/oder Wein und Vesper ausklingen.

Unser Dank gilt Arnold Paulus (513 125), der uns diese schöne Wanderung ausgesucht und hervorragend organisiert hat. Lange wird sie den Teilnehmern, 15 Erwachsenen und 10 Kindern, in Erinnerung bleiben!

Werner Paulus

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Maria-Paulus-Stiftung (MPS)







Am 15. November 1997 tagte der Verwaltungsrat bei Dr. Gerhard Struve, dem Geschäftsführer unserer Familienstiftung. Dies ist das 3-6-köpfige Leitungsgremium der Maria-Paulus-Stiftung (MPS), welches über sämtliche Belange der Stiftung zu befinden hat und den gesamten Nachfahren von Beate und Karl Friedrich Paulus (Familiennummer 51), der sog. Familiengemeinschaft Gebhardt-Paulus-Hoffmann, gegenüber verantwortlich ist.

Bevor auf diese Sitzung eingegangen wird, soll ein kurzer geschichtlicher Abriss vorangestellt werden. Schon immer hat die Hilfe und Unterstützung schwächerer und in Not zu geratender Glieder Bedeutung gehabt, insbesondere am Ende der Salonzeit, als die Familie gezwungen wurde, auseinander zu gehen. Dies entsprach dem Geiste unserer Ahnmutter Beate dem sich alle Verwandten unbedingt verpflichtet fühlten. Wahrscheinlich wurden aus dem Verkauf des "Salons" anno 1879 Gelder zu diesem Zweck gebunden, die aber wohl nie beansprucht worden sind. Schriftliche Unterlagen gibt es darüber nicht. Diese "Familienkasse" bestand aber noch nach der Inflation von 1925. Doch die Währungsreform 1947 bereitete diesem Gelde ein endgültiges Ende. Der damalige Rechner war Reinhold Paulus (513 36).

Maria Paulus (512 51 = 513 41) geb. Salon 28.7.1878, gest. Tübingen 11.2.1959, hatte bei ihrem Ableben ein kleines Vermögen hinterlassen. Der Nachlaßverwalter Jon Hoffmann (516 46 = 518 46), Präsident des Verwaltungsgerichts Stuttgart, errichtete aus den nicht zur Auszahlung beanspruchten Erbauseinandersetzungsanteilen am 15.1.1964 die Maria-Paulus-Stiftung mit derZielsetzung junge Nachfahren der Beate Paulus in ihrer Berufsausbildung und damit in ihrer Reifung zu verantwortlichen Staatsbürgern zu unterstützen (siehe Rundbrief Nr. 5/1964). Am 15.2.1964 erhielt unsere Familienstiftung durch die Aufsichtsbehörde, dem Justizministerium Baden-Württemberg, mit deren Genehmigung Rechtsfähigkeit.

Bei der Sitzung am 13.11.1997 wurde beschlossen, die MPS erneut ins Bewußtsein der Verwandtschaft zu bringen, denn offensichtlich reichen dazu die jährlichen Rechenchaftsberichte des Geschäftsführers nicht aus. Es wurde ein Finanzstatus von Beginn der MPS an erstellt, welcher im Überblick über die gesamte Tätigkeit unserer Stiftung und deren Erfolg Aufschluß gibt. Dieser Bericht folgt im Anschluß. Weiterhin wurde beschlossen, daß die ehemaligen Stipendiaten am nächsten Familientag, also am 12.7.1998, persönlich anwesend sein sollen, um über den Nutzen der Bewilligungen vor dem gesamten Familientag zu berichten. Diese dringende Einladung ergeht hiermit.

Werner Paulus

Verwaltungrat:

 

 
 
 
 
 
 

Mitglieder:

Stellvertreter:

Rosmarie Lauber (512)

Dr. Rudolf Paulus (513) 

Werner Paulus (513)

Michael Göz (516) 

Dr. Gerhard Struve (516/518) Geschäftsführer

Eberhard Weiss(518) 







Status der MPS 1964 - 1996

Legende:

1.) Rundbrief Nummer/Jahr

2.) MPS-Bericht/Jahr

3.) Bewilligungsanzahl

4.) Bewilligungsgesamtbetrag (DM)

5.) Stiftungsgesamtkapital des betreffenden Jahres (DM)
 
 
 

1.)

6/65

7/66

8/67

9/68

10/69

total:

 

2.)

1/64

2/65

3/66

4/67

5/68

 

3.)

0

0

0

0

0

= 0

 

4.)

0

0

0

0

0

= 0

 

5.)

19.972 ?

13.845 ?

18.165

22.137

25.439

 

1.)

11/70

12/71

13/72

14/73

15/74

 

2.)

6/69

7/70

8/71

9/72

10/73

 

3.)

2

2

1

1

0

= 6

 

4.)

1.175

950

530

150

0

= 2.805

 

5.)

22.167

16.329

15.628

15.765

14.811

1.)

16/75

17/76

18/77

19/78

20/79

 

 

2.)

11/74

12/75

13/76

14/77

15/78

 

 

3.)

1

2

1

1

1

= 6

 

4.)

300

800

1.000

700

500

= 3.300

 

5.)

10.143

11.951

12.068

12.757

14.234

 

1.)

21/80

22/81

23/82

24/83

25/84

 

 

2.)

16/79

17/80

18/81

19/82

20/83

 

 

3.)

2

1

1

1

4

= 9

 

4.)

950

500

500

500

1.500

= 3.950

 

5.)

13.239

13.217

13.262

14.586

17.249

 

1.)

26/85

27/86

28/87

29/88

30/89

 

2.)

21/84

22/85

23/86

24/87

25/88

 

3.)

4

2

3

4

= 17

 

4.)

1.500

1.500

1.500

1.500

1.800

= 7.800

 

5.)

18.161

19.061

19.008

17.757

19.487

 

1.)

31/90

32/91

33/92

34/93

35/94

 

2.)

26/89

27/90

28/91

29/92

30/93

 

3.)

4

4

6

4

3

= 21

 

4.)

2.000

2.000

3.000

2.000

1.500

= 10.500

 

5.)

18.655

21.844

23.428

24.254

29.278

 

1.)

36/95

37/96

38/97

 

 

 

 

2.)

(30)31/94

(31)32/95

(32)33/96

 

3.)

3

3

3

= 9

 

4.)

1.500

1.500

1.500

= 4.500

 

5.)

25.313

27.290

28.962

 


 
 
 
 

Die Gesamtzahl der 68 Bewilligungen haben eine Summe von DM 32.855,00

2 Bewilligungen gingen nach Schweden

2 Bewilligungen gingen nach U S A

2 Bewilligungen gingen nach Finnland

1 Bewilligung gingen nach Australien
 
 
 

(zwischen 26/89 u. 27/90 Geschäfsführerwechsel) 13.11.1997

34. Jahresbericht zum 31.12.1997

Im Jahre 1997 wurden durch die MPS zwei Studenten mit je DM 500.- unterstützt.

Jens Paulus studiert seit Oktober 1996 Elektrotechnik an der Uni Stuttgart. Er schreibt über sein Fach und die Gedanken, die er sich darüber gemacht hat:

"In unmittelbarer Nähe zur Uni habe ich seit Jahreswechsel 96/97 Wohnung bezogen. Elektrotechnik - wer es nicht weiß - ist ein relativ breit angelegter Ingenieurstudiengang, der sich mit allen Formen von elektrischen, elektromagnetischen, elektronischen und photonischen Phänomenen beschäftigt und sich darum bemüht, nützliche Geräte, Maschinen und Systeme für den Menschen zu entwickeln. Die Anwendungen der E-Technik liegen in den Gebieten der Energietechnik, Nachrichten- und Kommunikationstechnik, Automatisierungstechnik, Mikroelektronik und Informationstechnik. Zunehmende Bedeutung hat die E-Technik seitdem die weltweite Vernetzung der Menschheit durch Erfindungen wie Transistor, Mikroprozessor, Halbleiter und durch Innovationen auf dem Gebiet der Nachrichtenvermittlung und Datenverarbeitung immer mehr Gestalt angenommen hat und die Welt demnach "immer kleiner wird". Computer und Handy sind eindrucksvolle Beispiele für ein neues Zeitalter der Information und Kommunikation und sind heute nicht mehr wegzudenken. Daran hat die E-Technik maßgeblichen Anteil.

Kritische Zeitgenossen sehen allerdings diese Entwicklung auch mißtrauisch an. Sie sehen eine immer hektischer und ruheloser werdende Ära auf sich zukommen, vor allem ältere Leute. Es öffnet sich eine sonderbare Kluft zwischen weltweiter Vernetzung einerseits und Vereinsamung des Individuums andererseits, zwischen einer schneller und leistungsfähiger werdenden Technik und einer dennoch knapper werdenden freien Zeit für den Einzelnen. Was eigentlich widersprüchlich ist, geht doch Hand in Hand. So gesehen wäre der Mensch ein Opfer seiner Intelligenz und Geisteskraft, getrieben und abhängig von dem, was er schuf.

Wer so denkt, den kann ich nur ermutigen, die Lage nicht ganz so pessimistisch zu sehen. Zwar ist der Mensch inzwischen so weit technisiert, daß er darauf nicht mehr verzichten mag und darauf angewiesen ist. Aber ohne sie hätten wir lange nicht den Lebensstandard und die Lebensqualität, die wir haben. Und daß die Technik einmal ein Eigenleben nach Science-Fiction-Art entwickeln wird, ausgestattet mit eigenem Willen und geistiger Erkenntnisfähigkeit sich verselbständigt, ist technisch ausgeschlossen. Tote Materie bleibt tote Materie.

Gefährlich sind die schöpferischen Fähigkeiten des Menschen um so mehr im Blick auf Genmanipulation und Eingriffe in das Erbgut. Zeichnet sich ab, daß des Menschen Intelligenz am Ende doch noch zum Fluch für ihn wird, so muß rechtzeitig sichergestellt werden, daß keine Studenten mehr gefördert werden, was bis jetzt zum Glück noch der Fall ist. Die Zuwendung der MPS war für mich eine willkommene Hilfe zur Bestreitung des Studiums in finanzieller Hinsicht (Fachliteratur, Studienkosten)."

Julia Martin geb. Weiss hat ihr praktisches Jahr am Kreiskrankenhaus Reutlingen mit Innerer Medizin, Chirurgie und dem Wahlfach Dermatologie begonnen. Für die Hilfe der MPS ist sie sehr dankbar.
 
 
 

Guthaben zum 31.12.1997

 

 
 
 
 
 
 

 

 

Wertpapier

Kurs

DM 

 

1. 
585 
Interrenta Anteile 
33,14 
19.386,90 
2. 
445 
Dekarent Anteile 
33,78 
15.032,10 
3. 
Sparbuch Landesgirokasse 
1.821,85 

 

 

Summe

 

36.240,85

 

Vermögen in US $

1. 59,839 Anteile Kanadische Investment Fund of Fund (FOF)
2. 133,365 Anteile Luxemburgische International Investment Trust (IIT)

Der Erlös aus diesen Anteilen wurde bereits weitgehend ausbezahlt.







Einnahmen 1997

 

 
 
 
 
 
 

Datum  
Wertpapiere und Spenden  
DM  

 

2.1. 

Zins von DM 2.000,- 6% Württ. Hyp. Bank 

60,00

 

 

20.2. 

236 Dekarent Anteile 

400,00

 

 

6.3. 

Spende zum Tode von Ruth Paulus 

400,00

 

 

27.3. 

Spende Lydia Gebhardt 

500,00

 

 

1.4. 

Zins von DM 500,- 6% Württ. Hyp. Bank 

15,00

 

 

19.6. 

Spende Inge Oberkampf 

300,00

 

 

23.6. 

Spende Elfriede Sichelstiel 

200,00

 

 

1.7. 

Zins von DM 2.000,- 6% Württ. Hyp. Bank  

60,00

 

 

3.7. 

Bücherverkauf Familientag 

400,00

 

 

1.10. 

Zins von DM 500,- 6% Württ. Hyp. Bank  

15,00

 

 

14.11. 

Spende 

80,00

 

 

17.11. 

550 Interrenta Anteile 

1.155,00

 

 

21.11. 

Verkauf 2.000,00Württ. Hypothekenbank  

1.995,67

 

 

21.11. 

Verkauf 500,00Württ. Hypothekenbank  

452,67

 

 

24.11.98

Vermächtnis Ruth Paulus 

3000

 

31.12. 

Zins Sparbuch Landesgirokasse 

30,74

 

 

 

9064,08

Ausgaben 1997

 

 
 
 
 
 
 

3.2. 

Depotgebühr Landesgirokasse 

46,58

 

26.02.98

Studienbeihilfen 

1.000,00

28.02.98

Kauf von 15 Dekarent-Anteilen 

474,00

24.11. 

Kauf von 35 Interrenta-Anteilen 

1.164,45

 

27.11. 

Kauf von 180 Dekarent-Anteilen 

6.138,00

 

8823,03


 
 
 

Die Entwicklung bei der MPS

In diesem Jahr gingen wieder erfreulicherweise vermehrt Spenden ein. Auch der Erlösanteil aus Bücherverkäufen ist beachtlich. Dadurch und besonders durch das Vermächtnis von Ruth Paulus ist das Stiftungskapital in Jahresfrist um 26% gestiegen. Studenten, die in früheren Jahren durch die MPS gefördert wurden, und heute in guten finanziellen Verhältnissen leben, sollten daran denken, der MPS eine Spende zukommen zu lassen.

Einzahlungen oder Überweisungen werden auf folgendes Konto erbeten:

Konto Nr. 2 611 026 bei der Landesgirokasse Stuttgart (BLZ 600 501 01), auf den Namen Dr. Gerhard Struve, Oberer Kirchhaldenweg 82, 70195 Stuttgart, mit dem Vermerk MPS.

Gerhard Struve

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C. Mitteilung von Anschriften

 

 
 
 
 
 
 

512 151 11

Knapp, Anne-Dorothee & Dr. Werner,

Lochensteinweg 8, 71067 Sindelfingen

512 183 21

Lauber, Christiane & Holger Glaab,

Theodor-Sachs-Str. 2, 86199 Augsburg 22

512 183 31

Köpf, Dagmar & Gerd

Eglosheimer Str. 2, 71691 Freiberg/N.

512 183 32 

Warth, Christine & Steffen

Badwiesenstr. 15, 73635 Rudersberg

513 323

Paulus, Beate,Tel. 0711/3481795

Robert-Koch-Str. 87 I, 73760 Ostfildern

513 332 1

Göpfert, Dr. Christian & Dorle

Benediktenweg 4, 82327 Tutzing

513 332 2

Dres. Michael Göpfert & Julia Nelki

12, Egremont Promenade Wallasey, Wirral L 44 8 BG, England

513 374 1

Mahler, Heinrich

Neue Heimat 15, 45359 Essen

513 383 1

Jope, Andreas & Anette

Münchener Str. 11 e, 85652 Pliening

513 384 2

Paulus, Dr. Manfred & Ursula

Walkeweg 11 C, CH-3612 Steffisburg

513 385 1

Wehrman, Susanne & Dean

N 60 W 23823 Butternut Lane, Sussex, Wisconsin 53089 USA

516 84

Frank, Thea

131 Michel Ave., Murray Bridge S.A. 5253 AUS

518 144 1

Hoseit, Heidi & Max Rudolf

Brucker Holt 2, 45133 Essen

518 251

Storz, Magda, Tabulam Nursing Home

31 Elizabeth St., Bayswater, Vic. 3153 AUS

518 313 1

Weller, Dr. Erwin

Kirchstr. 11, 10557 Berlin

518 322 4

Hoffmann, Renate 

19 Highland St., Kingsbury, Vic. 3083 AUS







Schlußwort

Allen Verwandten und Freunden, die zur Gestaltung dieses Rundbriefes beigetragen haben, sei herzlich gedankt. Unsere Glück- und Segenswünsche wollen wir all denjenigen aussprechen, die einen besonderen Gedenktag feiern.

Den Erkrankten übermitteln wir unsere besten Genesungswünsche.

Herausgeber des Rundbriefes Werner Paulus, Esslingen a.N.

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Blendwerk
 
 
 

Die Nacht hat ihren schwarzen Mantel ausgebreitet

und alles in ihr Dunkel eingehüllt,

ein eis'ger Windhauch über schneebelad'ne Tannen gleitet,

von seinem Rauschen ist der weite Wald erfüllt.
 
 
 

In ew'gem Wechsel wandert ruhlos auf und nieder

das Nordlicht zitternd, strahlend.

Es zuckt und schüttelt wie ein kaltes Fieber

der ganze Himmel sich, berührt von unsichtbarer Geisterhand.
 
 
 

Die Sterne strahlen in kristall'ner Reine

in niegeseh'nem Silberglanz

und langsam steigt mit bleichem Scheine

des Mondes blanke Scheibe aus dem Wipfelkranz.
 
 
 

Und jetzt beginnt ein Funkeln und ein Sprüh'n:

in tausend Schneekristallen spiegelt sich das Licht,

gleich Diamanten blitzen sie und glüh'n

und immer heller, weiter wird das Licht.
 
 
 

Es knackt und knistert im Gezweige

in langen Fahnen stäubt die weiße Last hernieder

so luftig wie ein Schleier feinster Seide

der ganze Wald ein Schimmer und ein blinkendes Geflitter:
 
 
 

Das ist des Winters kalte Zauberpracht,

mit der der "weiße Tod" sich tückisch schmückt.

Mich schaudert, denn aus meinen Träumen jäh erwacht,

spür' ich, daß er schon seine Helfer zu mir schickt.
 
 
 

Der Schlaf hätt' mich fast übermannt,

so bleischwer lag die Müdigkeit auf meinen Lidern,

das Blendwerk hielt mit seinem Zauber mich gebannt,

zum warmen Bunker taumle ich zurück mit starren Gliedern.
 
 
 

Manfred Struve, (1912 - 1998)

am 6.12.1942, auf Wachposten in einer kalten Polarnacht





 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

1. Vorsitzender:

Werner Paulus, Urbanstr. 169

73730 Esslingen

Telefon: 0711/3180782

 

Schatzmeister 

Eberhard Weiss, Agnesstr. 1

70597 Stuttgart

Telefon: 0711/7651178

 

Geschäftsführer

Dr. Gerhard Struve, Ob. Kirchhaldenweg 82

der MPS

70195 Stuttgart 

Telefon: 0711/697000

 

Archivverwalter:

Dr. Rudolf Paulus, Im Herrengarten 10

56841 Traben-Trarbach

Telefon: 06541/2394







Konto der Familienkasse:

Landesgirokasse Stuttgart (BLZ 600 501 01) Nr. 7 441 600

Eberhard Weiss,Agnesstr. 1, 70597 Stuttgart







Konto der Maria-Paulus-Stiftung:

Landesgirokasse Stuttgart (BLZ 600 501 01) Nr. 2 611 026

Dr. Gerhard Struve, Oberer Kirchhaldenweg 82, 70195 Stuttgart













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